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15. Dezember 2001 – 15. Januar 2002 / Autoreise Marokko

Nur 30 Tage, und nicht mal um die Welt. 

Wir stehen am Hafen von Gibraltar und blicken nach Afrika. Mit unserem neu ausgebauten Toyota Landcruiser HZJ 78 und unseren Freunden Elsbeth B. und Kurt W. warten wir gespannt auf die Autofähre, die uns nach Marokko bringen soll. Die letzten 4 Tage, 2400 km nicht immer interessante Landschaft hinter uns zu bringen, waren anstrengend. Auf afrikanischem Boden fühlen wir uns sofort wohl und können unsere Vehikels locker durch den Verkehr lotsen. Wir wollen uns eine Übernachtungsgelegenheit suchen. Der erste Campingplatz steht einsam und verlassen zwischen einigen Regenpfützen. Der Anblick trieb uns weiter nach Chefchauen. Das kleine Städtchen ist idyllisch an einem Hang gelegen und oberhalb des Städtchens befindet sich ein kleiner Campingplatz mit wundeschöner Aussicht. Am nächsten Morgen starten wir unseren Tag mit einer kalten und drei heissen Duschen. (Wer hat wohl die kalte erwischt?) Frisch und munter gingen wir auf unsere Besichtigungstour. Wir kommen durch eine "Stadtmauer" in die enge Gassen von Chefchauen, die von niedrigen, weiss-blau gekalkten Häusern, eine von den Andalusiern eingeführte Technik, die das Haus kühl und Insekten fernhalten soll, gesäumt sind. Es geht steil abwärts, bis wir ins flache Stadtzentrum kommen. Überall finden sich kleine Cafés und Restaurants. Die unbewohnte Kashba (früher der Dorfkern, das befestigte Dorf der Berber) ist wirklich sehenswert, auch der sabbernde Kater Locco. Fés, die älteste Königsstadt von Marokko, wollen wir als nächstes besichtigen. Die Fahrt von Chefchauen nach Fés führt durch wunderschöne Landschaften. An einer der vielen Olivenpressen halten wir an und schauen zu, wie der Maulesel den Mühlstein im Kreis bewegte. Natürlich verkaufte uns der Besitzer auch gerne eine Flasche frischgepresstes Olivenöl. In Fés kommen wir zuerst in ein Gassengewirr, verlieren uns kurz aus den Augen und treffen schlussendlich auf dem Campingplatz ein. Am nächsten Tag wollen wir auf eigene Faust die Stadt besichtigen, aber es regnete in Strömen und so verbringen wir den Tag in den Autos. Natürlich sind unsere Zeltstoffe 100%ig wasserdicht. Da am nächsten Tag der Himmel seine Schleusen immer noch voll geöffnet hat, entschliessen wir uns, in Richtung Wüste zu reisen. Auf der Fahrt begegnen wir teilweise überfluteten Strassen. Beeindruckend ist die Hochebene "Plateau d'Aid" auf 1500 M.ü.M. Rechts erhebt sich ein Bergkamm, links ist es flach soweit das Auge sehen kann und geradeaus zieht sich die schwarze Linie der Strasse, ohne ein das kleineste Kürvchen zu ziehen, in die Ferne. Die "Gorge du Ziz", eine wunderschöne, von Palmen gesäumte Schlucht, erlebten wir durch einen feinen Sandstaub, der uns schon seit einer halben Stunde begleitete. In Er Rachida fahren wir auf den Camping "Source bleu Meski" wo wir unter Palmen unsere Vehikels abstellen. Das Wetter ist trocken und mild und wir können noch die letzten Sonnenstrahlen auf unseren Campingstühlen auskosten. 

Oase Source Bleu Meski

 Den nächsten Tag lassen wir gemütlich angehen. Nach Duschen, Essen, Lesen und die Sonne anbeten machen wir uns am Nachmittag auf, die Gegend etwas zu erkunden. Gleich hinter dem Campingplatz liegt eine alte verlassene Stadt, die wir bis zum letzten Steinchen erforschen. 

verlassene Stadt bei Source Bleu Meski

Abends gibt es Elsbeths Superschinkli mit Kartoffelstock als Wheinachtsmenue. Nun ist der Tag gekommen, wo's ab in die Wüste geht. Wir füllen noch unsere Dieselzusatz- und Wassertanks. Die Asphaltstrasse wird immer wie schlechter, und schon bald fahren wir nur noch Piste. Linkerhand erhebt sich ein uraltes Riff, dass in seitlich auslaufenden Spitzen endete. 

Riff in der Wüste

Wir rasten, ich steige auf eine der Spitzen (war nur ein Gang von 7 min.) und kann einen fabelhaften Rund um Blick erleben, der von einer wohltuenden Stille begleitet ist. Wir wollen zum Erg Chebbi, die Piste ist viel zu hügelig und sandig um rasch vorwärts zu kommen. Da der Nachmittag sich dem Ende zu neigt, lassen wir den Erg Chebbi wo er ist und suchen uns einen Übernachtungsplatz. Wir halten an einem schönen Platz, mitten in der Wüst, und richten uns für die Nacht ein. Weiter geht es Richtung Taouz. Die Landschaft ist wunderschön. Der Untergrund verändert sich von Tiefsand zu Steinpiste, von harter Lehmpiste zu Fesch-Fesch (Feiner Lehmstaub). Zwischendurch verzieren Büsche und Sträucher die Gegend. Das kleine, aus Lehmhütten bestehende Dorf Taouz, lassen wir hinter uns und bleiben nach 20 min. an einem herrlichen Plätzchen, ein Plateau aus festem Sand mit schwarzen Steinen übersäht, für die Nacht stehen. Wieder auf der Piste haben wir alle Hände und Füsse voll zu tun. Die Piste ist anspruchsvoll, führt von Weichsand wieder auf harten Untergrund. Wie aus dem Boden gewachsen sehen wir auf einer leichten Erhöhung ein Dorf. Wir steuern auf das Dorf zu, als plötzlich ein Junge an unserem Auto hängt und immer zu auf französisch ruft, es sei verboten, es sei verboten. Trotzdem, wir können nicht mehr umkehren, denn wir sind schon voll im Tiefsand. Wir schalten einen Gang herunter und drücken auf das Gaspedal. Die Erhöhung zum Dorf nimmt kein Ende und ich denke schon, wir schaffen es nicht. Doch unsere Toyotas sind einfach spitze und wir kommen alle wohlbehalten im Dorf an. Beim Mittagsrast kommen uns zwei Motorradfahrer entgegen. Sie sehen total abgekämpft aus, kommen von einer schwierigen Passage aus Fesch-Fesch. Für die 5 km benötigten sie 1 Std. Wir sind die 5 km Tiefsand konzentriert aber locker in 10 min. gefahren. Es war einfach fantastisch und wir hatten alle total Spass am Tiefsandfahren. Wieder haben wir ein ruhiges Plätzchen in der Wüste zum Übernachten gefunden. 

Sandduene

An nächsten Tag haben wir vorwiegend steinige Piste. Mit einem Mal sehen wir etwas erhöhte runde Löcher, die von grossen Steinen umgeben sind. Wir steigen aus und inspizieren das ganze Umfeld. Das muss ein Wassersystem sein! Die Löcher führen ein paar Meter in die Tiefe und dort unten sind diese mit einem Kanal verbunden. Entweder das System funktioniert nur zu bestimmten Jahreszeiten oder es wird nicht mehr gebraucht, es ist alles trocken. Wir kommen wieder in die Zivilisation, Zagora ist ein angenehmes Städtchen und wir finden auf dem Campingplatz Sindbad eine nette Unterkunft. Scharfe, süsse und fremdartige Gerüche steigen mir in die Nase, alle rufen durcheinander, ich sehe riesige Tücher mit bunten Gemüsebergen, neben mir steht eine Gestalt, die aus zwei grossen Säcke Erdnüsse schöpft und dazu etwas ruft, dass ich nicht verstehe. Nein, ich bin nicht am träumen sondern auf dem wunderschönen Markt von Zagora. Wir lassen uns treiben und kosten die Gerüche und die farbigen Bilder, die wir zu sehen bekommen, voll aus. Natürlich kaufen wir auch etwas für unseren Küchenvorrat, auch feine frische Pfefferminze für unseren Tee. Unser Abendessen nehmen wir in einem Restaurant ein. Boef-Tajin und Brochettes (Spiesse) mit Pommes-Frites - echt Marokkanisch. Weiter geht's auf Asphalt bis M'Hamid. Ab hier beginnt die Piste und wir geniessen wieder die Wüste. 

Wüstenfahrt...

Wir fahren zu einer Oase, die wir vor zwei Jahren schon mal besucht haben. Aber oh Schreck, wie touristisch alles geworden ist. Ich habe eine kleine unbewohnte Oase in Erinnerung, und jetzt hat es eine Auberge, Kiosk und Sanitäre Anlagen. Somit fahren wir eigentlich nur daran vorbei. Es ist recht sandig und alle 20 km halten wir wieder um uns zu treffen. Wir sehen plötzlich einen Ziehbrunnen und füllen die Kessel, die rund um den Brunnen stehen. Kaum sind wir etwas ausser Reichweite, kommt eine kleine Eselskarawane und schlürft das feine frische Wasser aus den Kesseln. Unsere Silvesterfeier verbringen wir mit einem Käsefondue auf unserem Gaskocher, feines Fladenbrot, mitten in der Wüste. Ich erwache in unserem Klappdachzelt und stecke meine Nase aus dem Zeltfenster. Der Anblick ist atemberaubend. Die Sanddünen werden von der Morgensonne angeleuchtet und werfen eine wunderschöne Farbe in die Welt. Unsere Fahrt führt uns entlang den Sanddünen durch wunderschönes Gebiet. Es ist sehr sandig und wir haben oft Mühe, einen geeigneten Platz für einen kurzen Rast zu finden, denn im Tiefsand angehalten heisst: Schaufel auspacken und Sandbleche einsetzen. 

Sanddurchfahrt

In der Ferne glitzert es interessant. Beim näherkommen merken wir, dass wir neben und auch auf einem Salzsee fahren. Wir nehmen zwei Jungs mit, die per Anhalter in die nächste Stadt wollen. Die Schule beginnt am nächsten Tag, kommt kein Auto, oder werden sie nicht mitgenommen, so müssen sie einen Schultag ausfallen lassen. Beim nächsten Checkpoint werden wir angehalten und der Polizisten dankt uns, dass wir die Jungs mitnehmen, der eine ist sein Sohn. In Fumzgid verabschieden wir uns von den netten Jungs, die hier bei einer Tante unterkommen. Wir machen uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz. Die Wüste lassen wir hinter uns und fahren durch wunderschöne Landschaft nach Ouarzazate. Zuerst wollen wir unsere Autos waschen lassen. Beim Warten unterhalten wir uns mit zwei Engländer, die als Begleiter für ihren Freund, ein Motorradfahrer, an der Paris-Dakar teilnehmen. "Die campen alle am Flugplatz", erklären uns die Engländer. Klar, dass wir da auch hin müssen. Ouarzazate ist wirklich eine kleine Stadt und der Flughafen ist auch sehr klein. Wir können ungehindert durchs Camp marschieren und sehen all die Superstars der Paris-Dakar. Wir lassen die spezielle Atmosphäre auf uns einwirken, bevor wir uns auf den Weg zum Campingplatz machen. Die ganze Nacht ist erfüllt vom Motorenlärm der Motorrädern, Autos, LKWs, Helikopter  und Flugzeuge. Als wir am nächsten Tag aus Ouarzazate rausfahren, ist der Flughafen total verlassen. Man käme nie auf die Idee, dass 12 Std. zuvor ein mega Spektakel hier stattgefunden hat. Wir geniessen die Fahrt durch das "Valley du Dades". Das Tal wird immer enger und endet in der 25 km langen Schlucht "Georges du Dades". Am Ende der Schlucht führen Serpentinen auf den 2'000 m.ü.M. gelegenen Pass. Von hier oben kann man eine wunderschöne Aussicht bewundern; der starke Wind hat uns aber wieder schnell in unsere warmen Autos verkriechen lassen. In dieser wunderschönen Schlucht lassen wir uns auf einem rudimentären, jedoch herzigen Campingplatz nieder. Auch diesen Abend bin ich wieder froh, dass unsere Standheizung warme Luft im Auto verteilt. Wieder erwachten wir bei strahlend blauen Himmel und stürzten uns nach einem nahrhaften Frühstück in die Wanderschuhe. Wir spazieren durch die Felder, zwischen Feigenbäumen und hübschen Steinhäusern hindurch, alles am Dades-Fluss entlang, Richtung Schluchtenge. Wir bemerkten bald, dass wir nicht auf einem üblichen Weg sind, denn schon bald müssen wir auf engen Mauern um Felsvorsprünge klettern. Kurz vor der Schluchtenge bemerken wir, dass der Dades-Fluss uns den Weg abgeschnitten hat, wir kommen nicht mehr weiter. Elsbeth versucht, ohne Schuhe durch den Fluss zu kommen - doch es ist einfach zu tief, zu schlammig, zu kalt und der Fluss hat eine zu starke Strömung. Somit gehen wir wieder ein paar Meter zurück bis wir eine geeignete Stelle finden, an der wir hoffentlich mit trockenen Füssen rübersetzen können. Erich und Kurt setzen da und dort noch einige grosse Steine zwischen die schon vorhandenen und dann können wir es wagen. Dank Elsbeths vorherigem Versuch wissen wir nur zu genau, wie bitterkalt das Wasser ist. Nach unserer sportlichen Einlage, keiner hat Nasse Füsse bekommen, gönnen wir uns im nächsten Café, das wir schon im Blickfeld haben, ein heisses Getränk. Wir klettern in einen Seitenarm der Schlucht hinein und bestaunten das Naturschauspiel der Formationen und Farben. Zurück auf dem Campingplatz geniessen wir den restlichen Tag an der Sonne. Wir wollen auch noch die Todra-Schlucht besuchen. An der engsten Stelle gehen die Wände steil in die Höhe und die Strasse führt durch den Todra-Fluss, mit unseren Autos kein Problem. 

                               

                            Durch die Todra-Schlucht                                                    Vollbeladenes Taxi

Die Fahrt nach Meknès ist nicht besonders interessant, dafür ist der Campingplatz recht schön. Am nächsten Morgen bestelle ich beim Abwart eine heisse Dusche. Die Haare kann ich gut durch die Standheizung trocknen lassen. Nach dem grossen Wäschewaschen, die bei diesem strahlend schönen Wetter gut trocknen kann, begeben wir uns auf Besichtigungstour durch Meknès. Die Stadt ist wunderschön alt, hat eine phantastische Stadtmauer und viele alte Stadttore. 

                    

        Stadttor in Meknès                                                              Im Souk                                                               Fatima

Wir besichtigen die Koranschule, das Mausoleum von Mulai Ismail und natürlich den Souk (Bazar in der Altstadt). Im Souk können wir uns an den vielen dargebotenen Waren, den fremdländisch gekleideten Menschen und den wunderschönen Bauwerken nicht genug satt sehen. Den nächsten Tag verbringen wir im Auto, bis wir Chefchauen erreichen. Ganz richtig, wir sind wieder hoch im Norden Marokkos und unsere Reise neigt sich dem Ende zu. Am nächsten Tag erlebten wir noch das reinste Chaos am Zoll. Es hat so viele Menschen, dass an kein Durchkommen zu denken ist. Zwischendurch steig ich aus und versuchte, unsere Autos zu Fuss durchzulotsen. Ich steh einfach vor andere Autos hin, damit wir durchfahren können. Nicht gerade die feinste Art! Kaum durch den Zoll, sind wir auch schon am Hafen und können sofort auf die nächste Fähre fahren - schwups - und schon hat uns Europa wieder. 

      

                                                                                                     das Marokkoteam                                      

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