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..."Franco..Franco....." ruft es laut aus dem Wohnmobil nebenan. Ein grosses Chaos entsteht und bald stellt sich heraus, dass bei unseren Nachbarn in dieser Nacht eingebrochen wurde !!! Nachdem wir uns im Innenraum unseres Autos versichert haben, dass nichts fehlt, liegen wir mehr oder weniger ruhig in unseren Schlafsäcken. Doch Erich lässt es nicht locker und er geht raus und schaut sich um. "Das darf doch nid wohr sy" hör ich Erich fluchen - jetzt wurden auch unsere Türschlösser bearbeitet. Die Übeltäter konnten die Schlösser jedoch nicht knacken - was uns etwas das Leiden versüsst. Jetzt ist natürlich nicht mehr an Schlaf zu denken und wir kochen uns einen Kaffee und überlegen, was wir tun können. Die Türschlösser können wir nicht mehr von aussen öffnen, d.h., wir müssen immer von hinten einsteigen - wie umständlich - um reinzukommen. Wo bekommen wir neue Schlösser her? Wir entscheiden uns, zurück in die Schweiz zu fahren, wir sind erst eine Stunde von der Grenze bei Genf entfernt, und beim Toyota Generalimporteur nach einem Schloss nachzufragen. Leider ergibt sich, dass so ein Schloss nur auf Bestellung organisiert werden kann - und das dauert mindestens zwei Wochen, wir brauchen aber heute eine Lösung. Somit bleibt uns noch unser "Trumpf" im Ärmel, unser Autoelektriker Ivo, der uns sicher helfen kann. Ivo bringt das Schloss der Fahrertüre nach Zerlegen und Schleifen der Einzelteile wieder zum funktionieren und wir bestellen zwei neue Schlösser, die uns nach Argentinien geschickt werden. Nun können wir frohen Mutes zum zweiten Mal unseren Start Richtung Bilbao in Angriff nehmen. Die weiteren Tage verlaufen reibungslos und wir erreichen den Hafen von Bilbao am 21. November 2003 um 13.00 Uhr. Der Hafen ist nicht sehr gross, einige Containerschiffe werden ent- und beladen und immer wieder kommen neue LKWs angefahren und laden ihre Fracht ab und neue auf. Ich bin etwas beunruhigt, denn auf dem Prospekt der Grimaldi Lines sah das Containerschiff (Repubblica del Brasil) das uns mitnehmen soll, doch einiges grösser aus, als diese eher kleinen und schon recht rostigen Schiffe, die im Hafen liegen. Die Repubblica del Brasil kommt um 16.00 Uhr in den Hafen gefahren und all meine Sorgen lösen sich in Luft auf. Das Schiff ist viel grösser als alle andern ! Wir werden sehr nett von den Matrosen und Offizieren begrüsst und können bald die Kabine, unser zu Hause für die nächsten 3 Wochen, beziehen. Das Auto müssen wir noch draussen stehen lassen, da wegen der Ebbe die Rampe nicht runtergefahren werden kann. Doch auch kurz vor Mitternacht ist unser Auto an Board und wir können in unseren verdienten Schlaf sinken. Mit uns fahren noch weitere sieben Passagiere mit, und wir lernen uns am nächsten Tag kennen, als wir mit dem Taxi nach Bilbao fahren und uns die Stadt ansehen, da auf der Repubblica del Brasil den ganzen Tag noch ein- und ausgeladen wird. Meine mühsam angeeigneten Spanischkenntnisse, die doch immer noch sehr dürftig sind, kann ich beim Taxichauffeur trotzdem zum Einsatz bringen. Irgendwann in der Nacht legt das Schiff ab und wir fahren mit etwa 35 km/h in Richtung Afrika. Zu Anfang ist die Fahrt noch recht unangenehm, es schaukelt hin und her, und her und hin......... Am zweiten Tag wird es besser und am dritten Tag können wir schon auf dem Deck liegen und uns von der Sonne und der ruhigen Fahrt verwöhnen lassen.

im Golf von Biskaya schaukelt es noch ungemein.........
Bevor wir an den vorgesehenen Häfen an der Westküste von
Afrika anlegen dürfen wir uns noch die Brücke besichtigen.

wer gibt hier das Kommando.....
Navigation, der leuchtende
Punkt ist die momentane
Position
Für jeden Hafen die richtige Nationalflagge
In Westafrika laufen wir als erstes den Hafen Dakar (Senegal) an. Wir haben sogar ein paar Stunden zur Verfügung, in denen wir zu Fuss einen kleinen Stadtspaziergang unternehmen können. Es ist so, wie ich es mir immer vorgestellt habe: lebhaft, bunt, wunderschöne Leute, staubig, Armut, Chaos und doch Ordnung. Wir geniessen es sehr, wieder mal festen Boden unter den Füssen zu haben, obschon es von der langen Dauer auf dem Schiff immer noch schwankt, und lassen die paar Stunden auf uns einwirken.

der Hafen von Dakar liegt direkt beim Stadtzentrum
In Banjul (Ghambia) ist der nächste Hafen, den wir anlaufen. Wir
kommen aber Abends an und verzichten somit auf einen Landgang. Die Abfahrt
verzögert sich am nächsten Tag etwas und so können wir den ganzen Morgen vom
Schiff aus das Treiben an Land beobachten. Der letzte Hafen Westafrikas ist
Freetown (Sierra Leone). Es wird uns von der Crew abgeraten an Land zu gehen und
so bleiben wir die paar Stunden alle an Bord. In den Häfen ist die Mannschaft
immer sehr beschäftigt mit ein- und ausladen. Jeder der Crew hat mehrere
Funktion zu erfüllen. Es sind auch alle möglichen Türen abgeschlossen, dass ja
keiner einen falschen Weg einschlägt - vor allem von die fremden Leute, die der Crew
helfen.

Freetown.......

Nun geht es fünf Tage über den Atlantik. Am 4. Dezember überqueren wir den Equator, befinden uns nun somit auf der Südhalbkugel,und begiessen diese am nächsten Morgen kräftig mit Sekt. Wir stehen an Deck und geniessen das wunderbare Wetter als plötzlich Unruhe in die Crew kommt und wir nach unten geschickt werden. Es hat sich ein Blinder Passagier an Deck geschmuggelt und der wurde entdeckt. Er wird in eine Kabine verfrachtet, die rund um die Uhr bewacht wird. Später, im ersten Hafen den wir anlaufen (Brasilien), wird er der Polizei übergeben. Es wartet ein Jahr Gefängnissstrafe auf ihn.
Die Atlantiküberquerung verläuft ruhig und wir haben die Gelegenheit, in den Maschinenraum zu gehen und alles zu besichtigen.
Kontrollraum der Maschine

Schiffsmotor "Suzler 8-Zylinder"

4 Diesel Stromaggregate
Die Repubblica del Brasil kann eine Höchstgeschwindigkeit von
22 Knoten, ca. 40 km/h erreichen. Mobilisiert werden die nötigen 24'400 PS durch
einen Sulzer 8-Zylindermotor mit 2 Turboladern. Das Zweitaktprinzip ermöglicht eine
tiefe Umdrehungszahl, d.h. bei einer 80% Leistung 109 U/min. In
24 Stunden werden 75 t Schweröl verbraucht. Die acht Schweröltanks fassen
total 2'800 t, der für einen Runde (Europa-Südamerika-Europa) reicht. Das
Süsswasser wird mit einer Salzwasseraufbereitungsanlage gewonnen. Pro Tag
werden 30 t Süsswasser verbraucht.
Nach fünf Tagen auf hoher See fahren wir in den Hafen von Vitoria (Brasilien)
ein. Wir nützen die Gelegenheit und mieten zu fünft ein Taxi, dass uns ins
Zentrum bringt.
Leider kommen wir spät Abends in Rio an. Erich lässt es sich aber nicht
nehmen, bei einer Nachtbesichtigung entlang der Copacabanna zu
schländern.

Rio, links der Zuckerhut und rechts auf dem Spitz die
Christus-Statue
Auch in den Hafen von Santos laufen wir bei Dämmerung ein und
können nicht an Land.

Containerschiff von Monrovia
Drei weitere Tage verbringen wir auf See, alles der Küste entlang, die wir aber meist nicht sehen können, nach Süden. Endlich, wenn auch kurz, können wir Wale beobachten. Sie tauchen drei mal auf um Luft zu holen und tauchen dann wieder in die dunkelblaue Tiefe hinab. Ein wunderschönes Schauspiel. Ein ständiger Begleiter war der fliegende Fisch, der in Schwärmen oder auch Alleine immer von Schiffsrumpf wegflog, um dann nach einigen Metern wieder ins Nass zu tauchen. Ca. 35 km vor Buenos Aires verfärbt sich das Meerwasser plötzlich von blau in braun, der Rio de la Plata fliesst hier ins Meer. Wir fahren sehr langsam, die Tiefe beträgt hier zwischen 10 und 15 Meter, unser Schiff hat einen Tiefgang von 10 Meter. Wir fahren an Buenos Aires vorbei in den Fluss des Rio de la Plata nach Zarate. Dort, werden 2000 neue Autos ausgeladen und 1000 neue Autos wieder eingeladen, dazu noch ein paar Container verschoben. In der Nacht geht es wieder den Fluss runter. Wir setzten auf und müssen einige Stunden warten, bis wir wieder loskommen. Von all dem bekommen wir aber nichts mit, unser Schlaf ist tief und fest. Am morgen des nächsten Tages fahren wir in den Hafen von Buenos Aires ein - unser Ziel. Die Zollabfertigung erledigen wir auf dem Schiff und so können wir ins Auto steigen und losfahren. Wir haben die wunderbare Seefahrt genossen und freuen uns auf neue Erlebnisse in Argentinien !!!
Wir lieben die Stürme,
die rauschenden Wogen,
der eiskalten Winde raues Gesicht.
Wir sind schon der Meere
so viele gezogen -
Und dennoch sank unsere Fahne nicht ...
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