Estancia Harberton, Biber, ein Off-Road-Abenteuer und zwölf
Kondore
In der nähe von Ushuaia steht eine Estancia (Bauernhof) die
wir besichtigen wollen. Alleine die Fahrt östlich von Ushuaia, entlang dem Beagle
Kanal, ist sehr lohnenswert.
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auf der Fahrt durch die wilde
Natur |
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Die Estancia Harberton, die aus mehreren Häusern besteht,
liegt wunderschön an der Harberton Bay (Beagle Kanal) gelegen.
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Estancia Harberton |
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In England wurde 1844/5 unter einer Brücke ein Findelkind gefunden. Da auf
seinem Gewandt ein T sichtbar war, wurde das Kind Thomas Bridges (Bridges=Brücken) genannt und wurde von einem Missionar-Ehepaar adoptiert. Im Alter von 13
Jahren zog die Missionars-Familie auf die Falklandinseln (nähe Feuerland) um mit dein Eingeborenen zusammenzuarbeiten. Thomas erlernte leicht die
Eingeborenensprache Yahgan. Mit 21 Jahren gründete er die Mission in Ushuaia
und war der erste Europäer, der erfolgreich in Feuerland lebte. Unter anderem
erarbeitet Thomas ein Wörterbuch, Yahgan / Englisch. Da nur noch sehr wenige
Ureinwohner von Feuerland leben, ist dieses Wörterbuch das einzige übrig gebliebene
sprachliche Zeugnis. Als er sein 40stes Altersjahr
hinter sich hatte, gelangte er mit der Bitte, Land für
sich und seine Familie zu erhalten an den Argentinischen Kongress (Präsident
Roca). Er bekam ein schönes Landstück (20'000 HA) und nannte
es nach dem Herkunftsort seiner Frau, Harberton (GB). Thomas lies in England ein
Haus bauen, dies wieder Stück für Stück abbauen, die Teile nummerieren, und
verschiffte es nach Feuerland. Somit kam wohl das erste Fertighaus nach
Südamerika. Despard, eines seiner fünf Kinder, baute selber Boote. Eines,
Baujahr 1901 und bis 1960 in Betrieb, kann immer noch besichtigen werden und ist noch
in erstaunlich gutem Zustand. Despard und sein Bruder Lucas hielten sich mit
Bootsrennen fit. Sie traten gegen die Marine und gegen die Matrosen vieler Segler, die
vorbeikamen an. Die Estancia hielt Schafe und verdiente mit der
Wolle ihr Geld. Da der Wollpreis vor einigen Jahren in den Keller gesunken ist
und sich nicht mehr erholt hat, hat auch die Estancia Harberton mit der
Schafzucht aufgehört und lebt nun vom Tourismus. Der heutige Besitzer der Estancia
Harberton, Thomas Goodall, gehört zu vierten Generation der Bridges Familie und
lebt wie seine Vorfahren auf der Estancia.
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6 Schafschurplätze, rechts
kamen die Schafe mit Wolle, links ohne Wolle durch die kleine Öffnung wieder auf die Wiese. |
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Despards 103 Jahre altes Boot
und zwei ausgestopfte Kondore |
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auch die Autos sind hier
alt.... |
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Wir wurden freundlich von Thomas Goodall begrüsst, als wir im
Restaurant der Estancia nach einer Bewilligung zum Campen auf seinem Land
nachfragten. Wir stellten unser Auto mitten auf eine schöne Wiese durch die ein
Bach fliest, der dunkles, torfiges Wasser mit sich führt, und geniessen den wunderschönen
Abend. Dieses mal sind die halbwilden Pferde der Estancia Harberton unsere
Nachbarn. Ein Pferd wird unruhig und fängt an, dem Bach entlang zu galoppieren.
Die anderen Pferde, mindestens 40 Stück, galoppieren nach. Ihr kennt das
abenteuerliche Geräusch, das an die Winnetou-Filme erinnert!
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unsere Nachbarn |
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Unser Weg führt uns weiter zum Lago Fagnano, über die
Strassen h, f und von dort der Strasse b entlang zum Grenzübergang nach Chile.
Diese Strecke ist nur für Fahrzeuge unter 3.5 Tonnen und mit genügend
Bodenfreiheit geeignet. Erstens muss nach dem Grenzübergang eine schmale,
zerbrechlich wirkende Brücke, die nur 3.5 t Lasten trägt überwunden werden
und zweitens führt der Weg im Niemandsland durch den Rio Bella Vista. Wir
kommen ohne Probleme durch die Wasserfurt, etwas
Nervenkitzel ist aber da. Wir verbringen zwei wunderschöne Tage, trotz Regen, am
Lago Deseado und fahren weiter zum Lago Blanco.
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Moorlandschaft |
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Lago Deseado |
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Die Fahrt führt uns durch zauberhafte Landschaften und wir
treffen überall Biberdämme an. Als ich mich am Lago Deseado genüsslich in der
Sonne bade und Erich beim Angeln sein Glück versucht hören wir plötzlich
einen Knall. Ich sehe mich um, denke, es hat jemand einen Stein ins Wasser
geworfen, doch wir sind ganz alleine. Ausser der Biber, der nochmals kräftig
mit dem Schwanz auf die Wasseroberfläche schlägt, und abtaucht. In den 50er
Jahren hat Herr Schindler (von Schindlers Liste) die Biber, hauptsächlich wegen
den Fellen, nach Feuerland gebracht. Da die Biber hier keine natürlichen Feinde
haben, konnten sie sich zu Tausenden vermehren. Das Naturbild wurde dadurch
stark verändert. Für die Menschen besteht leider die Gefahr des Biberfiebers oder Giardia Lamblia (Parasiten). In
der Wildnis werden diese Parasiten durch alle Säugetierarten verbreitet,
besonders häufig jedoch durch die Biber. Sie treiben sich offensichtlich mit
besonderer Vorliebe in klaren Bergbächen herum und verursachen heftige
Magenkrämpfe.
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Biberdamm mit Biberburg |
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Doch diese Magenkrämpfe kann man auch bekommen, wenn man
ungewollt in ein Off-Road-Abenteuer stolpert. In der Zwischenzeit sind wir in
Cameron an der Bahia Inutil (unnütze Bucht; bei der Suche nach einem Weg
durch die Wasserstrassen mussten die Segler lange in die Bucht reinfahren, bis sie merkten,
dass es nicht mehr weitergeht) angekommen und können uns für den Weg nach
Norden oder einen Umweg nach Süden entscheiden. Heute ist uns nach Umwegen zu
mute und im Reiseführer steht beschrieben, dass diese Strecke in den Süden (eine
Sackgasse, bis ans Ende der
Strasse 70 km), sehr schön sein soll. Die gute
Schotterpiste führt der Küste entlang, und die Gegend wirkt auf uns, seit dem
Lago Deseado, sehr einsam und verlassen. Plötzlich geht der Weg etwas
landeinwärts und wird hügelig. Wir sehen eine feuchte Stelle auf der Strasse,
es sind auch schon tiefe Spuren eingefahren, doch für unseren Landcruiser kein
Problem, bis wir einbrechen........
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das 1 x ... |
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Wir stecken fest. Unter dem eingesunkenen
Hinterrad ist nur Sumpf . Der Wind hat die Oberfläche ausgetrocknet und das
ganze "harmlos" aussehen lassen. So ein Mist! Da der Auspuff auch
eingegraben ist, müssen wir den zuerst befreien. Erich nimmt die Schaufel und
ich löse mit einem Holzstück die festsitzende Erde. Wir graben seit etwa fünf
Minuten, sind schon von oben bis unten voll Lehm und Schlamm verschmiert aber
beim ausgraben noch nicht wirklich weitergekommen, da hören wir
Motorengeräusch. Wie das? Diese Strecke ist so abgelegen, da kommt sicher die
nächsten paar Tage kein Mensch vorbei. Doch wir haben wieder einmal Glück im
Unglück. Eine
Off-Road-Tour mit fünf Fahrzeugen (Toyota HiLux und Isuzu Trooper) halten
sofort an und ziehen uns raus. Sie erklären uns, dass die Strecke aus mehreren
Sumpfpartien besteht und dass man nicht alleine fahren sollte. Wir dürfen mit
ihnen mitfahren, wenn wir wollen. So eine Gelegenheit lassen wir uns nicht
entgehen und starten unseren Motor. Die Piste wird echt übel und ich fürchte ein
paar mal um unser Auto. Die anderen haben Mietauto, nicht so schlimm, wenn da was kaputt
geht. Bei uns kann es aber enorm unsere Reise beeinträchtigen und wir werden
immer unruhiger.
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diese Stellen sind extrem
rutschig ... |
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... und wir wissen nie, wie
tief die Löcher sind |
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Wir realisieren, dass es immer noch 35 km bis zum Ziel sind
und entscheiden uns für die Umkehr. Wir bedanken uns bei unseren Begleitern
für die Hilfe, sie versichern uns, dass der Weg nicht besser wird, nur
schlechter. Nun müssen wir nur noch heil zurück kommen, ohne fremde Hilfe. Das
Team fährt in drei Tagen zurück, solange müssten wir schlimmsten Falls warten.
Die ersten paar Meter gehen gut und schon wieder passiert's! Bei einem
Sumpfloch geraten wir so tief in die Rille, das das Auto stecken bleibt. Erich
reagiert blitzschnell, schaltet die Sperren ein und kommt rückwärts aus dem
Loch heraus.
Doch vor und hinter uns ist immer noch viel Schlamm. Mit guter Navigation
und starken Nerven kommen wir raus. Puh...
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Schlammpneu wären jetzt super |
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Ich schwitze, bin nervös, denn es wird noch ein paar Mal
knifflig. Wir rutschen in den Schlammpartien, wie es dem Wagen gefällt und wir
haben keinerlei Chance zu steuern.
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so verlockend die Brücke auch
wirkt, sie ist eine Falle. |
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Nachdem wir eine Halbe Stunde auf dem Rückweg sind, kommen
wir wieder an das Schlammloch, in dem wir festgesessen sind, fahren jetzt an der
richtigen Stelle vorbei und haben
es geschafft, die Piste heil zu meistern. Diese Stunde Off-Road fahren hat
mich echt geschafft. Schlammfahrten sind nicht so mein Ding, obwohl......
Wir können es kaum fassen, das Glück steht uns weiter tatkräftig zur Seite.
Am nächsten Tag cruisen wir gemütlich der Bahia Inutil Richtung Porvenir entlang, als wir einen
riesigen Vogel am Himmel sehen. Das kann doch nur ein Kondor sein! Sofort halten
wir an und steigen aus. Auf gleicher Höhe am gegenüber liegenden Hang sitzen
doch sage und schreibe zwölf Kondore. Wir trauen unseren Augen nicht. Mit
Feldstecher und zwei Kameras ausgerüstet stehlen wir uns durch eine abgezäumte
Wiese und setzen uns nahe den Klippen ins stachelige Gras. Wir können die
Kondore jetzt sehr gut beobachten. Sie sitzen zwischen den Schafen und sind fast
gleich gross. Die Höhe eines Kondors kann 1.2 m betragen, die Spannweite über
3 m und er wird bis zu 12 kg schwer. Zwischendurch erhebt sich ein Kondor
und schwebt durch die Lüfte. Lang tut sich nichts mehr, die Vögel hüpfen
etwas zwischen den Schafen, Wegebussarde und Schopfkarakaras umher. Wir sind
beide etwas zu sommerlich angezogen und es friert uns schon am ganzen Körper.
Doch wir können uns nicht von dem schönen Bild los reissen und werden für
unsere Geduld mehr als belohnt. Da heben sich drei Kondore von der Wiese ab,
schlagen zwei mal mit den Flügeln, benutzen den Aufwind, um an Höhe zu
gewinnen und kreisen etwa 10 Meter vor
unseren Köpfen. Wir sind sprachlos, vollkommen fasziniert von der Grösse der
Vögel, die einem bei dieser Nähe absolut bewusst wird. Das Schauspiel dauert
etwa fünf Minuten bevor die Kondore sich entfernen und immer weiter der Küste
entlang segeln. Auch die anderen Kondore machen sich auf den Weg. Wir schauen
ihnen nach, bis wir keinen von ihnen mehr sehen können.
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der Andenkondor |
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segelt über uns |
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immer wie näher.... |
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