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Punta Arenas - Stadt der reichen Estanzieros, 

Pinguine und 

der Nationalpark Torres del Paine

Inzwischen befinden wir uns in Punta Arenas, am Ende des Kontinents. Besiedelt wurde das Land erst Mitte des 19. Jahrhunderts. Vor allem Engländer und Waliser, aber auch Kroaten und Deutschen liessen sich hier nieder. Sie gründeten grosse Güter und betrieben Schafzucht. Die eingeborenen Indianer starben an eingeschleppten Krankheiten oder wurden von Mörderbanden umgebracht. Die Geschichte Patagoniens ist nicht arm an Grausamkeit - noch in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden Aufstände der Landarbeiter auf den grossen Farmen brutal niedergeschlagen. Unübersehbar ist, dass die Schafzüchter mit ihren Estanzias viel Geld verdient haben müssen. Im Zentrum von Punta Arenas stehen um die Plaza grosse Villen, die früher den Grundbesitzern gehörten. Damals verbanden sich durch die Ehe zwischen Mauricio Braun und Josefine Menendez zwei Gutsbesitzersippen, und sie knauserten nicht, als sich das junge Paar sein Palacio errichten liess. Der Palacio Braun-Menendez dient heute als Museum, welches wir besichtigten. Das Gebäude ist noch mit der alten Originaleinrichtung versehen und wir staunen nicht schlecht, als wie die edlen Möbel aus England, Kamingitter aus Flandern und Bilder aus Frankreich erspähen. Alles, sogar die Steine, wurden aus Europa hierher verschifft.

Palacio Braun-Menendez

Nach der Stadtbesichtigung von Punta Arenas übernachten wir wieder im Park Chabunco, wo wir ein wunderschönes Plätzchen mit Meerblick finden. Ich bin kurz vor den Endspurt des Nachtessens als ich im Meer Delfine springen sehe. Ich hüpfe sofort aus dem Auto um dem wunderschönen Schauspiel etwa fünf Minuten beizuwohnen. Die Commerson-Delfine springen in die Luft, klatschen mit ihrem Körper laut auf dem Wasser auf nur um von neuem wieder in die Höhe zu gleiten. Nachdem sich bei mir die Aufregung etwas gelegt hat, kommt mir mein Abendessen in den Sinn. An diesem Abend gibt es verkochte Pasta, zum Trost einen feinen Rotwein (Gato Negro, Merlot) dazu. Am nächsten Tag wollen wir uns die Magellanpinguine genauer ansehen. Am Seno (Meerbusen) Otway lebt eine Magellanpinguin-Kollonie. Nachdem wir das Eintrittsgeld entrichtet haben schleichen wir auf den markierten Wegen durch die Wiese. Ich bin überrascht, dass wir schon hier, mitten in den Wiesen Pinguine sehen, denn ich dachte immer, die lümmeln nur am Strand und im Wasser rum. Die Pinguine kommen Mitte September von den Küsten Brasiliens und den Falkland-Inseln nach Seno Otway. Hier graben sie ihre Wohnhöhlen, legen ein bis zwei Eier, brüten sie aus und Mitte November bis Anfangs Dezember schlüpfen die jungen Pinguine. Die Eltern haben nur kurz Zeit, den Jungen das Schwimmen beizubringen, denn Mitte März geht es wieder los Richtung Brasilien oder zu den Falkland-Inseln. Die Pinguine kehren zur Paarung immer wieder an ihren Ursprungsort zurück.

im Gänsemarsch zum Strand mit kniffligen Wasserdurchquerungen

 

die Päärchen bleiben immer zusammen

Das nächste Abendessen besteht wieder aus verkochten Pasta. Was ist nur aus Fränzis Kochkünsten geworden? Dabei ist des Rätsels Lösung so einfach, nach 45 Kochtagen haben wir kein Gas mehr in unserer Flasche. Mitten im Kochen gingen plötzlich beide Flammen aus und Richi musste schnell den Campingkocher in Betrieb nehmen. Doch für die Pasta kam jede Rettung zu spät. Somit haben wir wieder einen guten Grund, dem Rotwein zu frönen.
Wir nähern uns einem der Höhepunkte einer Chilereise, dem Nationalpark Torres del Paine. Spektakulär erheben sich die Granittürme des Cerro Paine Grande (3248m) und die wenig niedrigen Gipfel der Torres del Paine aus der patagonischen Ebene.

Das Torres del Paine-Massiv

Wir richten uns auf dem Campingplatz Las Torres ein und überlegen uns, welche Route wir wandern wollen. Es gibt viele Mehrtagestouren, doch da ich nach meiner Rückenoperation nicht mehr als 10 kg tragen kann, wird es schwierig, einen Mehrtägigen Treck zu unternehme. Wir müssen uns auch auf das ständig und schnell wechselnde Wetter einstellen, d.h. Regendichte Klamotten sowie Kappe und Handschuhe gehören immer mit. Wir entschliessen uns für den Torres Lookout-Trek und marschieren um die Mittagszeit los. Vollbepackt geht es zuerst zwei Stunden steil bergauf, wo uns der stürmische patagonische Wind entgegenbläst, bevor wir dem Berghang entlang ins Tal hinein wandern. Wir haben beide zum ersten Mal Wanderstöcke dabei und sind positiv überrascht. Die Wirkung, bzw. die Entlastung der Beine bergauf wie bergab ist einfach bemerkenswert. (An all unsere Wanderfreunde - kauft Euch Wanderstöcke!) Auch geben die Stöcke ein gutes Gleichgewichtsgefühl, vor allem mit schwerem Gepäck auf dem Rücken.

entlang dem Rio Ascecio

Nach dem erholsamen etwas leicht abwärts führenden Weg entlang dem Berghang schlängelt sich der Weg in einen Südbuchenwald hinein. Der Pfad wird etwas knifflig, wir müssen über riesige Felsen klettern, schmale Wege entlang zirkeln, über Bächlein springen und über Baumstammbrücken balancieren.

Wanderstockwerbung..... für Sie und Ihn......

Endlich kommen wir ins Campamento Torres, wo wir unser Zelt aufstellen und uns einen heissen Kaffee gönnen. 

unser neues Hillebergzelt

Am nächsten Morgen geht es mit einem Bauchgurt (multifunktionaler Deckel von Erichs Rucksack) ausgerüstet bergwärts. Wir steigen über Steine, die, je höher wir kommen desto grösser werden. Schlussendlich klettern wir über Felsen und nach 50 Minuten kommt der atemberaubende Blick.....

die drei Türme

Still beobachten wir das wundersame Naturschauspiel. Als eine grosse Gruppe Wanderer ankommt, machen wir uns wieder auf den Rückweg zu unserem Zelt. Wir packen alles zusammen und schultern unsere Rucksäcke für den Abstieg. Abwärts sind wir doch etwas schneller unterwegs und kommen Abends müde aber glücklich zu unserem Auto.

los cuernos, die Hörner, dunkler Lava- und heller Granitstein

Nach einem Ruhetag machen wir uns auf eine kürzere Wanderung aber auch mit Übernachtung parat. Wir fahren durch den ganzen Park über übelste Schotterpisten bis zum Parkplatz des Lago Grey. Dort unternehmen wir eine kleine Wanderung zum Seeufer hinunter. Der Lago Grey entsteht aus dem Greygletscher, der am hinteren Ende in den See kalbt. Die Eisberge überqueren den ganzen See und sind von unserem Ufer aus zu sehen. Jedoch sind die Eisberge eher zu kümmerlichen Eisklümpchen zusammengeschmolzen. Zurück auf dem Parkplatz schultern wir wieder unsere Rucksäcke, inzwischen ist es schon nach 18.00 h (bis 22.30 h taghell) und machen uns auf den 40 min. Treck gegen die Flussrichtung des Rio Pingo in ein schönes Tal hinein. Wir campieren am wilden Gletscherfluss und geniessen die Wildniss. Abends sucht eine Maus in unserem Gepäck nach Essbarem. Doch wir haben alles gut verpackt und somit zieht die Maus mit leerem Magen weiter. Am nächsten Morgen gehen wir noch etwas den Fluss entlang, wieder durch wunderschöne Südbuchenwälder bevor wir umkehren und zurück zum Parkplatz wandern. Wieder holpern wir die 60 km Schotterpiste zwei Stunden lang zum Camping las Torres zurück und freuen uns auf eine heisse Dusche. Am nächsten Tag schickt die Sonne ihre warmen Strahlen zu uns und wir verbringen einen Ruhetag. Ich versuche mich als Bäckerin und knete fleissig mein Vollkornbrot, welches auch ohne Ofen gut gelingt.

Der Brottopf kommt in den schwarzen Topf und Deckel drauf. Ein Campingofen

Wir zaubern unseren Kärntner Hüttenspeck, den uns meine Mutter mitgegeben hat aus unserer Vorratskiste  und geniessen ihn mit frischgebackenem Vollkornbrot. Das ist wahrlich besser als verkochte Pasta.

Kärntner Jausen

Erich nutzt die Zeit für eine gründliche Reinigung des Wasserfilters. Das Wasser kommt schon stossweise aus dem Wasserhahn, irgendwo muss da was verstopft sein. Erich hat den Wasserfilter erst zwei mal in diesen zweieinhalb Jahren kontrolliert. Alles wird wegmontiert, in Essigwasser entkalkt und geputzt. Als dann wieder alle Filter und Behälter an seinem Platz sind staune ich, wie schön das Wasser wieder aus unserem Hahn plätschert.
In diesen acht Tagen, die wir im Nationalpark Torres del Paine verbracht haben, hatten wir kein einziges mal Regen. Oft kam plötzlich ein starker Wind, der genauso plötzlich wieder verschwand. Auch die vielen kleineren Touren, die wir unternommen haben, lohnen eine Besuch.

Spiegelbild in der Laguna Amarga

 

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