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Im Element des Wassers

Unser Weg führt uns zu einem weiteren Höhepunkt, in den Nationalpark los Glaciares. Dafür müssen wir wieder Chile verlassen und können ohne Probleme und auch ohne grossen Zeitaufwand nach Argentinien einreisen. In El Calafate, eine Stadt mit 3'000 Einwohner, die einzig vom Tourismus leben, treffen wir auf schweizer Bekannte. Sie schwärmen von einer Bootstour zum Upsala-Gletscher und wir entschliessen uns, diese Tour auch zu unternehmen. Am nächsten Tag stehen wir um 8.30 h vor dem Boot, natürlich mit etwas 250 anderen Leuten. Die erste Stunde tuckern wir über den Lago Argentino, den eine milchig grüne Farbe ziert. Plötzlich biegen wir um eine Kurve und sehen vor uns lauter grosse und kleine Eisberge. Die Eisberge schillern im Sonnenlicht in vielen Farben, von Durchsichtig bis Weiss, Grau, Braun und in allen Blau- und Grüntönen. Unsere Blicke erfreuen sich ab diesem grandiosen Farbenspiel. Die Eisberge sind von den verschiedene Gletscher abgebrochen und schmelzen in Lago Argentino langsam vor sich hin.  

Eisberge in verschiedenen Farben

Die Gletscher im Nationalpark sind Ausläufer des Inlandeises der südlichen Halbkugel. Auf der Grenze zwischen Argentinien und Chile erstreckt sich in Patagonien die - abgesehen von den Polregionen - grösste zusammenhängende Eismasse der Erde: 22'000 Quadratklometer gross ist die Fläche. Gletscher sind Eisströme, die sich oberhalb der Schneegrenze bilden. Aus Schnee entwickelt sich das gepresste Gletschereis, das durch den andauernden Prozess von Frieren und Tauen beweglich wird und langsam, mit einer Geschwindigkeit von höchstens 1 bis 2 Zentimeter pro Stunde, auf einer Wasserschicht ins Tal fliesst. Am Ende bildet sich dann eine hohe Gletscherzunge. Dort taut das Eis langsam oder schneller ab, es bilden sich Risse, ab und an stürzt ein mächtiger Eisquader in den See.
Nachdem wir die schwimmenden Eisberge hinter uns gelassen haben kommt schon der Spegazzini-Gletscher in Sicht. Mir stockt der Atem und ich kann meinen Augen nicht trauen. Wir fahren mit dem Boot direkt vor die Gletscherzunge, die zwischen 80 und 135 Meter hoch ist und 1.5 km breit. Die Länge des ganzen Gletschers beträgt 25 km. Wir staunen zu dieser hohen Eiswand hoch, wo ausgefranste Bergspitzen in den Himmel rangen. Immer wieder bröckelt irgendwo mal ein grosser oder mal ein kleinerer Eisbrocken ab.

der Spegazzini-Gletscher

Das Boot bringt uns weiter zum Upsala-Gletscher. Da sehr viele grosse Eisberge, die vom Upsala-Gletscher abgebrochen sind, im See herumschwimmen, können wir leider nicht so nah an den Gletscher ran. Trotzdem ist der Anblick fantastisch.

der Upsala-Gletscher

Der Upsala-Gletscher ist der grösste Gletscher von Südamerika und gehört mit einer Fläche von 595 Quadratkilometern zu den grössten der Welt.

Eisberge vor dem Upsala-Gletscher

Das Boot macht an der Bahia Onelli für zwei Stunden Pause. Wir spazieren zum gleichnamigen See und sind wieder auf ein neues von der umwerfenden Natur überrascht.

der Lago Onelli

Der Lago Onelli wird vom Gletscher Onelli und vom Gletscher Agassiz gespeist. Der Gletscher Agazzis hat seinen Namen vom Schweizer Louis Agassiz, der die Grundsteine für die Glaciologie legte. Die Bootsfahrt ist schon bald zu Ende, wir segeln noch an ein paar Eisbergen vorbei und kehren eine Stunde später in den Hafen zurück.

Eisberg

Am Hafen angekommen, die Bootstour dauerte von 9.30h bis 19.30h, brettern wir über die Schotterpiste zum Porito Moreno Gletscher. Für die 40 km benötigen wir wegen der schlechten Piste über eine Stunde. Auf dem Parkplatz angekommen kochen wir uns schnell ein Süppchen. Wir hören immer wieder lautes Krachen und steigen endlich aus dem Auto um die Treppen zum Aussichtspunkt runterzusteigen. 
Während weltweit alle anderen Gletscher abtauen, wächst der Porito Moreno Gletscher weiter. Und alle fünf oder sechs Jahre hat er sich so weit vorgeschoben, dass er mit seinen Eismassen den südlichen Arm des Lago Argentino (beim Aussichtspunkt), den Brazo Rico, durch einen Eisdamm vom Hauptsee abschnürt. Der Wasserstand im Brazo Rico steigt an - bis zu fast 30 Meter, bis der steigende Wasserdruck schliesslich den Damm sprengt. Im Dezember 2003 hat der Gletscher das Ufer erreicht und der Brazo Rico ist schon über 7 Meter gestiegen. Da wir einen sehr, sehr warmen Sommer hier haben, sagen die Einheimischen, der Damm könnte dadurch auch im Februar schon brechen. Sollte das nicht der Fall sein, wird wieder mit einer spektakulären Explosion gerechnet, wenn der Damm bricht. Anscheinend hatte man beim letzten Mal die Explosion bis nach El Calafate gehört und das sind doch fast 80 km Entfernung.
Wir stehen beide fast alleine vor dem riesigen Gletscher, die Gletscherzunge ist um die 55 Meter hoch und 4 km breit, und uns wird die riesigen Ausmasse so richtig bewusst. Immer wieder hören wir es Knacken, Rumpeln, Donnern und Krachen. Dann fällt wieder ein Eisblock ins Wasser und es gibt einen lauten Knall, wen er auf dem Wasser aufschlägt. Die Wellen, die er schlägt, schlagen unter dem Gletscher weiter und bringen wieder weitere Bewegungen hinein. Es ist ein tolles Naturschauspiel, dem wir beiwohnen können. Es wird schon dunkel und wir können fast nichts mehr sehen, können uns aber auch nicht von diesem Anblick losreissen. Bald sehen wir nichts mehr und kehren in unser Auto zurück. Wir verbringen die Nacht auf dem Parkplatz und wollen am nächsten Tag bei den Ersten sein. Leider steht an diesem Morgen der Wettergott nicht auf unserer Seite. Es regnet zwar nicht, doch das Licht fehlt für das hervorbringen der zauberhaften Farben des Eises. Trotzdem geniessen wir zwei Stunden den Anblick des Eisgiganten. 

der Porito Moreno-Gletscher

 

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