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Der Fitz Roy und die Carretera Austral

Das Fitz-Roy-Massiv (los Glaciares Nationalpark), benannt nach Robert FitzRoy, dem Kapitän des Forschungsschiffes Beagle, mit dem Charles Darwin 1831-36 seine Weltreise machte, ragt ähnlich den Torres del Paine wie eine Festung aus der Ebene. Vielleicht ist die Anfahrt so eindrucksvoll, weil man aus der flachenpatagonischen Steppe kommt: die unendliche Weite, dann der blau schimmernde Lago Viedma und darüber die Zacken der meist von Wolkenfetzen umgebenen, steilen und abweisenden Berggipfel. Die Fels- und Berglandschaft ist ein Dorado für Kletterer aus aller Welt, aber auch ein wundervolles Wandergebiet. Beliebte Touren führen beispielsweise zur Mündung des Gletschers Torre in den Lago Viedma. Auch hier gilt dasselbe wie im Torres del Paine. Das Wetter ist wegen der pazifischen Winde unvorhersehbar, und die Ausrüstung sollte sehr gut sein. 

Das Fitz Roy-Massiv

Wir sind beide voll im Wanderfieber und haben uns auch schon zwei lange Tagestouren ausgesucht. Wir stehen bei strahlendem Sonnenschein auf und schultern unseren Tagesrucksack mit dem Ziel: Mirador (Aussichtspunkt) Fitz Roy. 

Die Wolken kommen und gehen

Wir kommen nicht weit, da sehen wir schon einen Magellanspecht, ein schwarzer Vogel mit feuerrotem Kopf (Männchen, Weibchen ganz schwarz), der fleissig an einem Ast einer Südbuche hämmert und  die darunter liegenden Larven aufpickt. Der bewaldete Weg führt uns immer stetig aufwärts, bis wir nach einer Stunde auf eine Hocheben kommen. Kleine dunkle Teiche und Moore zieren die Ebene, die wir mit lockerem Schritt in einer Stunde durchqueren. Dann kommt der letzte, dafür um so steilere Aufstieg. Wir benötigen nicht ganz eine Stunde, dann stehen wir vor dem grossen und eindrucksvollen Fitz Roy. Unsere Socken und T-Shirts trocknen schnell in der Sonne, wir liegen auf einem Stein, bestaunen die wunderbare Aussicht und verzehren unsere belegten Brote. Der Abstieg geht etwas in die Beine und nach sechseinhalb Stunden kommen wir müde, staubig und glücklich zu unserem Auto.  

Gipfelfoto

Wir gönnen uns keine Ruhepause. Am nächsten Tag, ein strahlender Sommertag, geht es mit gepacktem Tagesrucksack los. Dieses mal wandern wir zur Laguna Torre, beim Cerro (Berg) Torre. Zuerst führt der Weg stetig aufwärts, doch nach einer Stunde wird es flach und wir können zügig dem Cerro Torre entgegenlaufen, der majestätisch in den blauen Himmel ragt. An der Lagune Torre lassen wir uns von den Bergzacken, den Gletschern und dem See beeindrucken und geniessen die Aussicht, bevor wir wieder absteigen.

an der Laguna Torre, Hintergrund Cerro Torre

Wir verlassen den Nationalpark los Glaciares, nur um hundert Schotterkilometer hinter uns zu bringen und an der einzigen Kreuzung in der Pampa in einem Mercedes LKW (D) zum Tee eingeladen zu werden. Ein richtiges Treffen in der Pampa, denn ein Landrover (CH) und ein Landcruiser (D) stehen auch noch dort. Nach einigen Stunden Plaudern geht es bei uns in den Nationalpark Perito Moreno. Es gibt da nicht viel zu erzählen, ausser dass wir sehr starken Wind und Regen hatten und die Berggipfel über uns schon ihr Winterkostüm umgelegt haben. So verlassen wir nach zwei Tagen den Park. 

Die Pampa-Landschaft ändert sich, und es wird etwas hügelig und sehr trocken und staubig. Die Felsen und Hügel wechseln ihre Farbtöne von Rot, Braun bis Grau. Zwischendurch glitzern wunderschöne Seen. Am Lago Posadas und Pueyredon führt die Strasse am Seeufer entlang, wo die Wellen zum Teil schon einige Strassenabschnitte geschluckt haben.

die Strasse entlang dem See führt zwischen Stein und Strassenschild durch

Wir überqueren wieder ohne Probleme die argentinische Grenze und sind in Chile. Nach einigen Kilometer Schotter kommen wir auf die Carretera Austral. Über 1'100 Kilometer führt die Schotterpiste von Puerto Montt im Norden nach Villa O'Higgins im Süden: durch dichte Wälder, vorbei an tiefblauen Seen, scharf eingeschnittenen Fjorden und schneebedeckten Gipfeln - die Carretera Austral, die Fernstrasse in den Süden, ist Chiles schönste Route in die Abgeschiedenheit. Sie erschliesst ein Gebiet von etwa 150'000 Quadratkilometer, in dem gerade einmal 100'000 Menschen leben, knapp die Hälfte davon in der Hauptstadt Coyhaique. 
Mitte der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Strasse begonnen. Die Militärs wollten einerseits eine echte Pionierleistung vollbringen, andererseits aber auch eine militärische Option eröffnen. Denn mit dem Nachbarn Argentinien gab es damals in Patagonien noch einige Grenzstreitigkeiten. So schlug man die Carretera Austral in die Wildnis, immer den natürlichen Gegebenheiten folgend. Die Strasse schlängelt sich entlang von Flüssen. Fjorden und Seen, sie durchkreuzt Weiden, Sümpfe und Wälder und windet sich die Berge hinauf.
Sie hat aber auch ein wahres Paradies für Abenteuerurlauber erschlossen: Wanderer und Angler nutzen die Nationalparks für ausgedehnte Touren oder Rekordversuche beim Lachs- und Forellenfang. Nur wenige Orte säumen die Fernstrasse, kleine, einsame Nester- ein bis zwei Dutzend Häuser, vielleicht ein Laden, seltener noch eine Tankstelle, die man unbedingt nutzen sollte.

Felssturz, natürlich führt links daneben ein Weg vorbei

Seit ein paar Monaten führt die Carretera Austral bis zum Dorf Caleta Tortel. Vorher konnte dieses Dorf, welches in einer schönen Bucht liegt, nur mit dem Fischerboot erreicht werden. In Caleta Tortel können die Holzhäuser nur durch Holzstege erreicht werden. 

Caleta Tortel

Nach Caleta Tortel führt die Carretera Austral weiter nach Villa O'Higgins. Dafür muss der Fjord Mitchell mit einer Autofähre (gratis) überquert werden. Die Fähre hat für max. vier Autos platz. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und wieder an Land führen 100 km Schotter bis zum Ende der Carretera Austral, nach Villa O'Higgins. 

Es hat auch noch für uns platz.

 

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