Pumalin, wo der Puma wohnt
Wir befinde uns auf der Carretera Austral, also in Chile,
nähren uns dem nördlichen Ende der Strasse, d.h. 50 km nördlich von Coihaique.
Im Nationalpark Quelat unternehmen wir eine Wanderung zum Colgante-Gletschter. Das Wetter ist etwas
unsicher, vielleicht regnet es in 10 Minuten, die Wolken können aber auch
hinwegwehen und der Sonne platz bieten. Der Parkranger macht uns darauf aufmerksam, dass der Weg
sehr nass ist und so schnallen wir alle unsere Gamaschen an. Gut ausgerüstet gehen
wir los, überqueren zuerst eine Holzhängebrücke, die über einen wilden Fluss
führt und kommen schon bald in einen dicht bewachsenen Wald. Der Weg wird schon bald zur Schlammpartie und jeder Schritt muss sitzen. Wir hören fröhliches
Vogelgezwitscher, kommen an grossen Rhabarberblättern (Gunnera) vorbei, die bis
zu 3.5 Meter hoch werden und einen gigantischen Durchmesser erzielen, bestaunen
die Moos- und Flechten bewachsenen Baumstämme an denen wunderschön rot
leuchtenden Blüten von Kletterpflanzen hängen, die stramm in die Höhe
wachsen, die abgestorbenen Bäume aber kreuz und quer im Wald herumliegen. Wir
sehen auch die Copihue-Blüte (Lapageria rosea), eine glockenförmige Blume, die
Nationalblume von Chile. Ihren lateinischen Namen hat die als Liane wachsende
Art zu Ehren von Josephine Bonaparte, geborene de la Pagerie, der Frau von Napoleon Bonaparte, bekommen. Die zähen, biegsamen Wurzeln werden zu
Flechtarbeiten verarbeitet, weshalb sie in einigen Gebieten, insbesondere in der
Nähe von Siedlungen, nicht mehr häufig ist. Versuche, sie in Europa zu
kultivieren, bleiben den botanischen Gärten vorbehalten, da sie in Kultur sehr
schwer zu vermehren ist. Nach schweisstreibenden eineinhalb Stunden kommen wir
zum Aussichtspunkt.
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wo ist der Gletscher ??? |
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Zuerst sehen wir nicht viel, denn der Nebel hängt in den
Bergen. Wir essen unsere Brote und plötzlich bekommen wir doch noch den ganze
Anblick des mächtigen, sich drohend über den Kamm zwischen zwei Bergen
hervorschiebenden Gletschers zu Gesicht. Die Sonne kommt etwas hervor und wir können
durch den dampfenden Wald den Abstieg geniessen.
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der Colgante-Gletscher |
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Wir fahren weiter nach Puerto Puyuhuapi und wollen wieder mal
im Restaurant essen. Doch oh je, wir bemerken,
dass wir unseren Wassertankdeckel verloren haben. Somit heisst es für uns
um 19.00 Uhr, nicht wie die anderen sich gemütlich im Restaurant niederzulassen, sondern auf der
Schotterstrasse die 20 km zurückfahren und nach dem Tankdeckel Ausschau halten.
Wir finden auf dem Hinweg nichts und ich gebe offen gesagt auch jede Chance auf.
Doch plötzlich, als wir schon einige Kilometer auf dem Weg zurück nach Puerto Puyuhuapi sind
sehe ich tatsächlich den Tankdeckel auf der Strasse liegen. Die Suche hat
sich also gelohnt und um so mehr können wir das Abendessen (Gnagi mit gem. Salat)
im Restaurant, das von einer deutschstämmigen Dame geführt wird, geniessen.
Puerto Puyuhuapi ist eines der schönsten Dörfer an der Carretera - eine Hand
voll niedriger, holzverkleideter und -gedeckter Häuser am Ufer des Fjords. Die
Siedlung wurde 1935 von vier sudetendeutschen Familien gegründet. Eigentlich wollten andere nachziehen, doch der Zweite Weltkrieg machte deren Pläne
zunichte. Die vier bauten ihre Farmen auf, und einer, Walter Hopperdietzel, gründete
eine Teppichmanufaktur, die heute noch produziert und besichtigt werden kann.
Wir konnten leider keine Besichtigung unternehmen, da wir am Samstag Abend nach
P. Puyuhuapi kamen und die Fabrik am Sonntag geschlossen ist.
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Morgenstimmung am
Übernachtungsplatz an der Carretera Austral |
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Douglas Tompkins nahm Ende der 80er Jahre das Geld, das er mit
den Bekleidungsfirmen "Northface" und "Esprit" verdient
hatte - rund 125 Mio. US Dollar - und begann im grossen Stil Urwald zu kaufen, um
ihn dem Zugriff der Holzkonzerne zu entziehen. Bis heute kamen so 325'000 ha
Land zusammen - oft nach langen und harten Verhandlungen mit rechtsgerichteten Politikern und Behörden. Sein Besitz
erstreckt sich südlich von Puerto Montt
entlang der Carretera Austral zwischen Hornopiren und Chaiten. Dort gründete er
den Park Pumalin (wo der Puma wohnt), ein Naturschutzgebiet, das irgendwann als Nationalpark an den
chilenischen Staat zurückfallen soll. Auch wir wollen uns einen Besuch in NP
Pumalin nicht entgehen lassen, vor allem, da er sehr abgelegen liegt und wir mit
unseren eigenen Fahrzeugen gut dort hin kommen. Wir wollen zuerst zur
Laguna Tronador wandern. Die ersten paar Meter führt ein Holzsteg über einen
Bach, dann wird es rasch sumpfig und steil. Die Wanderwegbauer versuchten ihr
Bestes, schufen viele Leitern, die einem helfen, die steilen Passagen hoch zu kommen,
legten grosse Baumstümpfe in die sumpfigen Stellen, sodass man dank ihnen gut über
das Nass hinwegsteigen kann. Der Wald ist verzaubert. Wieder sind die Baumstämme voller
Moos und Flechten, riesige Rhabarberblätter zieren den Wegrand und überall
riecht es aromatisch. Diese Urwälder des Südens lassen sich am bestens als
immergrüne, kalte Regenwälder charakterisieren, sie werden aber mitunter auch
als Valdivianischer Regenwald bezeichnet. Nach zwei Stunden aufwärts
marschieren kommen wir vollkommen verschwitzt zur traumhaft schönen Lagune, die wir ganz für uns
alleine haben. Klar, da müssen wir doch baden gehen. Das Wasser ist an der
Oberfläche warm, wird aber je tiefer umso kälter bzw. eiskalt.
Doch die Abkühlung ist super, nach diesem anstrengenden Aufstieg. Abwärts geht
es natürlich um so leichter.
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die Lagune Tronedor |
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Am nächsten Tag wollen wir zum Highlight des Parks, zum 700
Meter langen "Wanderweg Alerce". Die auffallende Baumart Alerce (Fitzroya
cupressoides) wird bis zu 4 m dick und 70 m hoch. Solche Bäume sind uralt, denn
im Umfang wächst die Alerce pro Jahr etwa nur einen Millimeter. Mittlerweile ist sie aber
leider fast ausgestorbenen, da deren hartes Holz von den Siedlern als
Baumaterial für Dachschindeln geschätzt wurde, wie die Araukarien, die wie die
Alerce weit über 1'000 Jahre alt werden können. Die Alerce wird zwar oft als Lärche
bezeichnet, hat aber mit der gleichnamigen mitteleuropäischen Art nur wenig zu
tun und sollte eher Chilenische Zypresse heissen. Wir staunen nicht schlecht,
als wir vor diesen Baumriesen stehen und uns vorstellen, dass diese Bäume schon
seit über 1'500 Jahre hier stehen. Wau....
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| über 1'000 Jahre alte Alerce |
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Wassertropfen am Bambus |
Nach dem Mittagessen und der Matezeremonie machen wir uns auf
den Wanderweg zu den versteckten Wasserfällen. Wieder durch würziges Gehölz,
steil aufwärts nur um wieder über Leitern steil abwärts zu klettern. Doch der
Anblick ist wunderschön. Ein versteckter Wasserfall rauscht aus der Höhe in
die tief unten liegende Lagune. Rund um die Felswand blühen Farne und
Rhabarberblätter. Wieder die Leitern hoch und noch weiter rauf, bis wir nach
einer Stunde zu einem weiteren Wasserfall kommen, den wir vom Fels gegenüber
bestaunen können. Der Weg ist wieder etwas sumpfig, doch wir haben fabelhaftes
Sommerwetter.
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es geht durch dichtes Grün |
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Wir sind um 16.00 zurück beim Auto und fahren auf den
nahegelegenen, unbeaufsichtigten Campingplatz und ergötzen uns unter der
eiskalten Dusche. Zur weiteren Abkühlung gönnen wir uns einen
kalten Mate, der mit süssem Zitronen- und Orangeneiswasser zubereitete wird Abends finden wir am
Strand von Santa Barbara (nördlich von Chaiten) ein wunderschönes
Übernachtungsplätzchen.
Vom nahen Felsen aus können wir lange ca. 15 Delfinen beim Spielen und Springen
zusehen. Wir stossen auf unsere 200. Nacht in unserem Toyota Landcruiser an.
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unser 200. Übernachtungsplatz |
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Die Strasse schlängelt sich weiter durch dichte Wälder,
mitunter blitzt das Blau eines Sees zwischen dem Grün hervor. Doch in Caleta
Gonzales ist die Carretera Austral zu Ende. Von hier kann man nur noch mit dem
Boot weiter, das jedoch nur in der Hochsaison (Dez-Feb.) fährt, nach Hornopieren,
von wo die Carretera Austral weiter Richtung Norden zieht.
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das vorläufige Ende der
Carretera Austral |
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