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Wir haben den Nationalpark Pumalin hinter uns gelassen, fahren an Chaiten vorbei Richtung Süden. Wieder steht eine Wanderung zu einem Gletscher an. Der Weg ist sehr einfach, leichte ansteigend immer gegen den Flusslauf und durch bewaldete Landschaft. Nach 1,5 Stunden erreichen wir den Aussichtspunkt, von dem wir zum Gletscher Yelcho herübersehen.
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| Gletscher Yelcho |
Leider haben wir uns am Vorabend am chilenischen Aperitif Pisco Sour vergriffen und sind heute sportlich nicht ganz auf der Höhe. Pisco ist ein starker klarer Traubenschnaps, der aus dem Valle del Elqui und anderen nordchilenischen Tälern stammt. Dieser klare Weinbrand wird aus säurearmen Muskatellertrauben gewonnen, die hervorragend in Hochtälern auf stark mineralischen Böden bei hoher Sonneneinstrahlung gedeihen. Die besseren Sorten, beispielsweise von Alto del Carmen, kann man gut pur trinken, die billigeren sollte man zu Pisco Sour veredeln: mit Limonensaft, Puderzucker und Eischnee.
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| nette Wohnung an der Carretera Austral |
Wieder mal überqueren wir die Grenze zu Argentinien. Heute wollen es die Grenzbeamte in Argentinien ganz genau wissen und schaue in unser Auto, wollen wissen, was in den Staufächern ist, wollen auch hineinsehen. Trotzdem geht die Zeremonie nicht lange und wir rattern zuerst noch auf Schotterstrassen und bald auf Asphalt nach Esquel. Die etwa 25'000 Einwohner grosse Stadt liegt am Ostrand der patagonischen Ebene fernab von jeder anderen grossen Siedlung. Bis nach Bariloche in Norden sind es mehr als 250 km, entlang dem Andenrand nach Süden folgt überhaupt keine grössere Stadt mehr, und im Osten erstreckt sich über Hunderte von Kilometern die patagonsiche Steppe. Dennoch ist Esquel ein beliebtes Touristenziel. Der Ort ist der beste Ausgangspunkt für eine Erkundung des Nationalparks los Alerces. Wir füllen unsere Vorräte auf und gehen zum ersten mal in ein Restaurant "Tenedor Libre" (Freie Gabel). Wir bezahlen Fr. 4.00/Person und nehmen an einem Tisch im einfach ausgestatteten Restaurant platz. Wir bestellen unsere Getränke und werden zum Grill geschickt, um unser Fleisch auszusuchen. Weiter geht es zum Buffet, wo viele volle Töpfe auf uns warten. Ich kann mich kaum entscheiden, nehme ich nun von diesen feinen chinesischen Nudeln, dem bunten Reis, den feinen Kartoffeln, den Pommes, den Spinatkugeln oder doch lieber gebackene Kartoffeln oder Empenadas??? Auch beim Gemüse- und Salatbuffet geht es mir nicht viel anders. Nur beim Dessertbuffet ist es einfach, da hat es auf dem Teller für jede Spezialität platz.
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| Morgennebel über dem See |
Etwa 60 km westlich von Esquel beginnt der Nationalpark Los Alerces, der etwa 263'000 ha umfasst. Er erstreckt sich entlang der chilenischen Grenze. In ihm liegen bis zu 2300 m hohe Berge, zahlreiche fischreiche Seen und relativ grosse Bestände von den Bäumen, die ihm den Namen gab: die Alerce. Den ersten Tag wagen wir uns nur auf eine kleine Tour, ca. 20 min. und werden doch tatsächlich vom Regen getroffen. Der lässt sich für diesen Tag nicht mehr vertreiben. Am nächsten Tag können wir leider nicht auf den Cerro el Dedal, da die Strecke wegen Schnee gesperrt ist. So wandern wir ein Alternativprogramm, einen Rundweg, der etwa drei Gehstunden dauert, aber nicht sehr beeindruckend ist. Von den uralten Alerces ist nichts zu sehen. Wie wir im Infozenter erfahren, kann man die paar Exemplare, die für die Touristen zugänglich sind nur mit einer teuren Tour bestaunen, die für uns nicht in Frage kommt. Wir fahren zum nördlichen Ende des Parks und nächtigen an einem wunderschönen Plätzchen direkt am See. Am nächsten Morgen rüsten wir uns für eine längere Wanderung auf den Cerro Alto el Petiso. Bis wir nur schon beim effektiven Wanderwegbeginn sind, haben wir schon eine Stunde laufen hinter uns. Dann geht es in Bambuswälder und in einer 45° Steigung bergwärts. Nach weiteren 1,5 Stunden steilem marschieren kommen wir in ein Flussbett, wo wir an einem sonnigen Plätzchen unsere Brote verzehren. Es geht weiter aufwärts, noch eine halbe Stunde über die Steine im Bach, dann eine Geröllhalde hinauf, alles der Kannte entlang. Immer wieder rieseln die losen Steine auf beiden Seite in die Tiefe. Wir kommen höher und höher und es ist inzwischen schon nach 14.00 Uhr. Plötzlich ruft Tom, ich denke schon, wir sind am Ziel aber nein, er ruft: "Hey, cool, Pumaspuren...." Ganz klar und deutlich sehen wir die niedlichen Pfotenabdrücke eines Pumas. Zum Glück führen die Spuren abwärts und nicht aufwärts, sonst könnte der Puma hinter dem nächsten Gebüsch hervorspringen. Wir haben schon 800 Höhenmeter hinter uns und noch 500 vor uns. Erich und mir wird es zu spät und so kehren wir nach drei Stunden um, Sandy und Tom gehen weiter. Auch für den Abstieg benötigen wir 2,5 Stunden, geht es doch steil runter bei viel losem Untergrund, wo jeder Schritt passen muss. Bis Sandy und Tom, zwei Stunden nach uns eintreffen, sind wir schon geputzt und gestrählt. Wir suchen uns einen netten Übernachtungsplatz und ich koche für die müden Wanderer ein feines thailändisches Gemüsecurry.
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| Aussicht von hoch oben |
In El Bolson geniessen wir einen netten Sonntag auf dem Markt. Wir bewundern die handgefertigten Kunstwerke, die zum Verkauf angeboten werden. Lederware, Schmuck, Trockenblumengestecke, Holzwaren und vieles mehr. Wir erstehen sogar einen feinen frischgepressten Apfelsaft sowie einen geräucherten Käse, der von einem Bauer, ursprünglich aus Rosenheim (D), angeboten wird.
Warum San Carlos de Bariloche, wie die 100'000 Einwohner-Stadt wirklich heisst, als "Hauptstadt der argentinischen Schweiz" bezeichnet wird, ist jedem Besucher sofort klar. Zum einen erinnert die zauberhafte Berg- und Seenlandschaft der Umgebung wirklich an die schönsten Regionen der Alpenrepublik, zum anderen präsentiert sich das Stadtzentrum schweizerischer als so mancher Schweizer Ort: Es gibt Hotels, die Edelweiss oder Matterhorn heissen, die Restaurants bieten Käsefondues an und das Centro Civico, die Stadtverwaltung, wurde in einem pseudo-schweizer Chaletstil erbaut. Selbst die Bernhardiner fehlen nicht! Auf der Plaza kann man sich mit dem Hunden fotografieren lassen. Zu allem Überfluss riecht es auch noch allerorts nach Schokolade, denn aus San Carlos de Bariloche kommt die beste Schokolade des Landes, und zahlreiche Läden auf der Hauptstrasse bieten ihre selbst gemachten Schokoladenspezialitäten an. Bevor wir uns aber an der Schokolade laben, wollen wir zuerst etwas wandern. Diesmal haben wir uns eine dreitägige Tour ausgesucht. Wir können unsere Autos auf dem Campingplatz sicher stehen lassen und fahren mit vollen Rucksäcken geschultert per Bus bis nach Villa Catedral, eine Ansammlung von Restaurants, Hotels, Kiosk und Bergbahnstationen - wie bei uns zu Hause. Der sandige Weg führt uns quer über einen Berghang, durch abgebrannten Wald mit schöner Aussicht auf den See. Weiter geht es über einen glasklaren Bach, wo wir Wasser auffüllen wollen. Plötzlich hüpft der Deckel aus Erichs Fingern und verschwindet im Wasser . Ich versuche noch, ihn einzuholen, doch leider ohne Erfolg . Zum Glück haben wir eine Wasserflasche mit Schweizer Qualität und können auch ohne Deckel die Flasche mit dem Drehverschluss schliessen. Ab hier geht es steil bergwärts und unsere Wasservorräte schrumpfen rapide. Plötzlich kommt eine riesen Staubwolke auf uns zu, nein, keine Lawine sondern ca. 30 Jugendliche, die abwärts mehr rennen wie gehen und den feinen Sand aufwirbeln. Etwas später kommen noch einige Militärleute mit Packpferden den immer schmaler werdenden Weg entlang. Nach vier Stunden, 600 Höhenmeter und 12 Kilometer erreichen wir das hübsche aus Stein gebaute Refugio Frey. Wir kochen uns heisses Wasser für Tee und Suppe als Vorspeise, zur Hauptspeise schlemmern wir Polenta mit Tomatensauce. Natürlich darf nach einem Wandertag ein Dessert, feine "Schoggiguzzi", nicht fehlen.
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| Refugio Frey |
Am nächsten Tag könnte das Wetter nicht schöner sein. Es beginnt gemütlich. Links entlang der Lagune Frey laufen wir uns warm, bevor es rechts hinter der Lagune auf den ersten Pass rauf geht.
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| Lagune Frey |
Einen Schritt vor dem anderen erklimmen wir die 400 Höhenmeter bis wir auf dem ersten Pass sind, über 2'000 m.ü.M. und ins nächste Tal blicken.
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| auf dem ersten Pass...... |
Tja, da geht es wieder runter und zwar steil. Doch nach insgesamt drei Stunden können wir im Tal unsere Mittagspause einlegen und uns wieder mit Schokolade stärken, denn der nächste Anstieg steht bevor. Rauf komme wir relativ locker, auf dem Gipfel, 2'050 m.ü.M. bläst ein rechter Wind. Ein Blick zurück zeigt uns nochmals den Weg durchs Tal und etwas rechts im Bild die Kante, über die wir gekommen sind. Sieht doch echt steil aus, oder?
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| auf dem 2. Pass, Blick zurück |
Natürlich steht das Refugio nicht auf dem Pass und so klettern wir wieder 450 Höhenmeter runter.
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| auf dem 2. Pass, skeptischer Blick vorwärts |
Das Refugio Jakob liegt wunderschön am See gelegen, und beim strengen Abstieg kommen wir unserem Ziel stetig näher. Ich spüre den langen Marschtag in den Beinen und kämpfe mich die letzten Meter runter. Zur Erholung der Muskeln gehen die letzten 500 Meter noch gerade aus, bevor wir unsere Rucksäcke abziehen können. Heute sind wir sechs Stunden über relativ anspruchsvolles Gelände gelaufen und ich fühle mich echt gut. Wir kochen uns auf dem Holzofen im gemütlichen Refugio etwas zu Abend und spielen noch Karten.
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| Küche und Aufenthaltsraum des Refugio Jakob |
Am nächsten Tag trennen wir uns von Sandy und Tom. Ihr Weg führt noch zwei Tage weiter, wir wollen absteigen. Der Weg führt zuerst etwas steil abwärts, doch danach geht es gemütlich dem glasklaren Fluss entlang ins Tal.
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| unser Weg ins Tal |
Nach 4,5 Stunden denken wir, wir haben es geschafft. Doch wir haben erst die Schotterpiste erreicht. Da keine Hochsaison mehr ist, verkehrt auch kein Bus und so trotten wir die letzten 90 Minuten der Schotterstrasse bis fast zum Campingplatz entlang. Die letzten 3 km können wir mit dem Bus fahren. Diese sechs Stunden waren eigentlich nicht anstrengend, doch trotzdem die schwierigsten, vielleicht weil alles gerade aus ging. Auf dem Campingplatz geniessen wir eine heisse Dusche und ein feines Abendessen. Wir haben die Wanderung beide total genossen und fallen glücklich in einen erholenden Schlaf.
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