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Von San Pedro de Atacama bis zur nördlichsten Grenze nach Bolivien

Der grosse Norden Chiles:
.... ist gross und grandios, eine weite Wüstenlandschaft von erhabener Schönheit. Einöden, hoch aufragende Vulkane, schroffe Salzfelder und immer wieder uralte Zeugnisse menschlichen Lebens. Winzige Dörfer mit alten wunderschönen Kirchen, Geoglyphen (Erdzeichnungen) und in einzelnen Museen Mumien, die beweisen, dass hier seit Jahrtausenden Menschen siedeln. Der Hohe Norden Chiles ist sehr dünn besiedelt. Die meisten grösseren Sätdte wie Arica, Iquique und Antofagasta liegen entlang der Küste, im Inland finden sich nur kleinere Orte mit Ausnahme von Calama, einer Bergbaustadt in der Nähe der grössten Kupfermine der Welt.

Mitte April treffen wir in San Pedro de Atacama, ein kleines staubiges Wüstennest auf 2'500 m.ü.M. ein. Zuerst besuchen wir den Salar de Atacama, gut fünfmal grösser als der Bodensee,  der sich südlich von San Pedro erstreckt. Der Salzsee, der sich als braun-weisse Kruste über die ganze Fläche entpuppt, wird zwischendurch von Wasserlöchern unterbrochen, in denen Überlebenskünstler wie winzige Krebse leben, die sich von roten Algen ernähren. Von den Krebsen wiederum leben die Flamingos und auch viele andere Wasservögel sind hier anzutreffen. Der Besuch bei Sonnenuntergang verzaubert den Salar de Atacama und die darum liegenden 5'000 bis 6'000 Meter hohen Vulkankegeln  in wunderschöne Farben und Formen.

bei der Laguna Chaxa im Salar de Atacama

Der nächste Ausflug bringt uns auf gewaltige Höhen von 4'300 m.ü.M. zu den Lagunen Miscanti und Meñiaque, die zu den Füssen der gleichnamigen nicht ganz 6'000 m hohen Vulkanen liegen. Die Luft hier oben ist schon sehr dünn und wir müssen uns beide aufs Atmen konzentrieren. Auch unser Auto zieht immer wieder blaue, schwarze oder weisse Rauchwolken hinter sich her.

bei der Laguna Miscanti

Wir wollen noch nicht auf über 4'000 m Höhe die Nacht verbringen und fahren wieder nach San Pedro de Atacama runter. Am nächsten Tag wagen wir uns wieder auf 4'300 m.ü.M., und wollen auf dieser Höhe übernachten. Wir kommen am späten Nachmittag an und geniessen das wunderbare Licht, dass auf das brodelnde und dampfende Geysirfeld trifft. 

Achtung heiss!

Es wird dunkel und ich bin mitten in meinen Kochstudien fürs Abendessen, als Erich sich über starke Kopfschmerzen und Sehbeschwerden (Höhenkrankheit?) beklagt. Ich drehe das Gas des Kochherdes zu und stelle den gefüllten Duromatic-Schnellkochtopf zu den Füssen des Beifahrersitzes und los geht's. In vollkommener Dunkelheit, begleitet von einer leuchtenden Sternenpracht fahren wir auf der Schotterstrasse zuerst auf 4'500 m.ü.M., bevor es endlich nach 2 Stunden wieder auf 3'700 m.ü.M. runter geht. Erich geht es sofort wieder besser und somit ist auch die Höhenkrankheit für uns bestätigt. In der Zwischenzeit ist auch unser Nachtessen fertig (Duromatic macht's möglich) und wir können noch etwas warmes essen.  

das Wüstenklima ist der ideale Ort um...
Pfefferschoten zu trocknen...

In San Pedro de Atacama treffen wir auf unsere Freunde Waltraud und Jürgen, die mit uns die Atlantik-Überquerung von Europa nach Buenos Aires genossen haben. Wir haben den selben Weg und fahren zusammen an die Pazifikküste. Die Vogelwelt der Küste entlang ist gigantisch. Wir beobachten Pelikane und viele Tölpel- sowie Scharbenarten, wie sie an der Küste entlang nach Nahrung suchen. In meinem Naturreiseführer kann ich folgendes nachlesen: 
Die pazifische Küste Südamerikas ist bis etwa Nordperu geprägt durch die relativ niedrigen Wassertemperaturen (durchschnittlich 18.9°C) des Humboldtstromes, der kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser aus subantarktischen Gebieten an die Oberfläche transportiert. Diese Bedingungen sind die Grundlage für eine der produktivsten marinen Nahrungsketten, die es auf der Erde gibt. Das mineralienreiche Wasser erlaubt ein üppiges Wachstum kleinster Algen, von denen sich kleine planktonische Tiere verschiedenster Grössen ernähren, darunter Massen von Garnelen. Diese Tiere bilden die Nahrungsgrundlage für riesige Schwärme von kleinen, sardellenartigen Fischen, den Anchovetas. Vor allem diese Fischen stellen dann die Vogelschwärme nach, aber auch Robben und zahlreiche Wale. Die gewaltigen Mengen an Vogelkot, die auf diese Weise ständig an unzugänglichen Küstenabschnitten und auf vorgelagerten Inseln produziert werden stellen eine wichtige Einnahmequelle für Chile/Peru dar, da dieser "Guano" überall auf der Welt als Pflanzendünger geschätzt ist. Hauptproduzenten des Guano sind die Riesenscharben von Guanoscharben und Gaunotölpeln, deren Zahl in die Hunderttausende geht. Die beiden anderen Kormoranarten, Olivenscharbe und Buntscharbe, sowie der Blaufusstölpel treten dagegen deutlich zurück. Während die Kormorane ihre Beutefische unter Wasser tauchend verfolgen, stürzen sich die Tölpel aus grosser Höhe mit angelegten Flügel wie Pfeile ins Wasser, wenn sie einen passenden Fisch entdeckt haben. Eine ähnliche Technik des Sturztauchens wenden auch die viel schwereren Braunpelikane an. Unter Wasser öffnen sie ihren Schnabel mit dem Kehlsack und schliessen die Beute ein. Gross ist natürlich die Zahl verschiedener Möwen und Seeschwalben, die die chilenische/peruanische Küste zum Nahungserwerb oder zum Brüten besiedeln. Die schönste unter ihnen ist sicherlich die Inca-Seeschwalbe, die ausschliesslich an der Küste von Peru bis Zentralchile lebt. Nicht zu den Möwen gehören die Wellenläufer, so genannt nach ihrer Art, mit hängenden Beinen knapp oberhalb der Wasseroberfläche nach Nahrung zu suchen. Zwischen den vielen exotischen Vögeln kann man auch regelmässig Watvögel beobachten, die z.T. von europäischen Küsten bekannt sind, wie der Steinwälzer, oder die den europäischen Arten sehr ähnlich sind wie z.B. der Südamerikanische Austernfischer oder der Seeregenpfeifer. Im Vergleich zur europäischen Vogelwelt echte Besonderheiten sind hingegen die Humboldtpinguine, die nach den Galapagospinguinen am weitesten nach Norden vorgedrungen Pinguine, die Amerikanischen Scherenschnäbler, die im Flug mit dem längeren Unterschnabel das Wasser durchpflügen und kleine Fische fangen, oder die prächtigen Tropikvögel. Ihre Erscheinung wird nur noch übertroffen durch die Prachtfregattvögel, die zwar nicht auf den Guanoinseln brüten, aber regelmässig Besucher dieser Gegend sind und darauf lauern, ob sie einem anderen Seevogel die Beute abjagen können. Etwas seltsame Bewohner der Guanovogelkolonien sind die kleinen Lummensturmvögel, die sich Bruthöhlen in die Guanoschichten graben. Am Ende der Nahrungskette des Humboldtstromes stehen die Truthahngeier, die regelmässig über den Vogel- und Seelöwenkolonien kreisen.

rechts, ausserhalb des Bildes  ist der Pazifik...

Wir verlassen die Pazifikküste bei Iquique, nicht ohne in Iquique auf dem Fischmarkt eine superfeine und frische Portion Fisch gegessen zu haben, um im Landesinnere die verlassene Salpetermine Humberston zu besichtigen.
Der Boden in dieser Gegend ist mit derart hohem natürlichem Kaliumsalpetervorkommen einzigartig und würden den Weltbedarf für viele Jahrhunderte abdecken, hätte da nicht der deutscher Wissenschaftler Fritz Haber 1909 herausgefunden, dass Salpeter, das zur Herstellung von Schiesspulver und Kunstdünger verwendet wird, auch synthetisch und damit viel billiger hergestellt werden kann. Der Untergang der vielen Salpeterminen war damit beschlossen. Der Chemie-Ingenier Stantiago Humberstone führte unter Berücksichtigung auf die Bedingungen der Pampa in den meisten Minen das Abbauverfahren "Shanks" ein. Nachgehend versuche ich, dieses System zu erläutern. Für die Erdproben wurden mittels Pickel und Schaufel geschürft und die Analyse im Labor vorgenommen. War der Fund positiv, wurden das Gebiet von der Verwaltung in Arbeitsfelder aufgeteilt, deren harte Erdkruste unter der heissen Wüstensonne mit Sprengstoff aufgerissen wurde. Mit Schaufeln wurde so tief gegraben, bis man zur Ader vorgedrungen war. Mit einem 12 kg schweren Rammklotz oder Hammer wurden handgrosse Stücke herausgeschlagen, die in einem anliegenden Feld aufgeschichtet wurden. Eselskarren zogen das Mineral zur nächstgelegenen Zuglinie, von wo es zum Werk gebracht wurde. Hier wurde in grosse, trichterförmige Holzfässer umgeladen, die mit schweren genieteten Eisenplatten abgedeckt wurden. Um die Stücke weiter zu verkleinern, vielen die Holzfässer in einen tiefergelegenen Raum, dann weiter über ein Förderband zur Mühle. Hier wurden die Stücke weiter, etwa auf die Grösse eines Pfirsichsteines, zerkleinert. In riesige Eisenbehälter wurde der Salpeter mittels Wasser und Dampf vom restlichen Schutt getrennt. Diese nun dickflüssige Masse wurde bei 60 ° in Eisentanks zum Ruhen umgeschaufelt. Die Arbeiter dieser schweren Tätigkeit hatten Spezialkleidung und Schuhe und wurden auch mit einem höheren Tageslohn als die restlichen Minemitarbeiter vergütet. In abgekühltem Zustand und geklärt durch das Hinzufügen von kleinen Mengen von Weizenmehl wurde die Flüssigkeit in grosse flache Holzbecken gefüllt, wo der Auslaugprozess mittels Verdunstung durch die Sonneneinstrahlung stattfand. Der kristallisierte, trockene Salpeter wurde in spezielle Säcke gefüllt und war fertig für den Transport zum Versandhafen, der in diesem Fall Iquique war. 

zerfallene Salpeterfabrik

Wir schlendern durch diese verlassene Stadt, besichtigen das Theater, welches noch so gut erhalten ist, dass heute Abend eine Vorstellung laufen könnte, spazieren auf der Plaza hin und her, können noch fast das frische Brot des Bäckers oder das frische Gemüse auf dem Markt riechen und gehen zum Schluss zum Schwimmbad, um uns abzukühlen. Natürlich ist in diesem aus Eisenplatten hergestellten Schwimmbad kein Wasser mehr drin, trotzdem setzten wir uns etwas auf die Bank und lassen uns verträumt vor unseren Augen die Szenen von früher vorspielen und hören das fröhliche Gekreische spielender, spritzender und schwimmender Kinder. 

Diese Nacht übernachten wir beim Gigant de Atacama, angeblich die grösste menschliche Abbildung, die Archäologen bislang weltweit gefunden haben. Man weiss wann und wie die Figur zustande kam, aber nicht warum. Wir können uns mit unserer eigenen Phantasie selber eine Geschichte ausdenken, wie der Gigant hierher kam und werden noch durch viele Sternschnuppen unterstützt.

Nun müssen wir uns überlegen, in welchen Höhenschritten wir vorwärts fahren, denn vom Meeresniveau (Arica) bis auf fast 5'000 m Höhe, das ist zuviel für einen Tag. So lassen wir uns Zeit und geniessen die Wüstenlandschaft, die uns bis zum Altiplano begleiten wird. In Putre, ein kleines Dorf auf 3'700 m, besichtigen wir eine wunderschöne alte Kirche. 

die Kirche von Parinacota (4'450 m) kurz vor der Grenze zu Bolivien

Die vierte Nacht wollen wir auf 4'250 m übernachten. Leider machen sich bei mir sehr starke Kopfschmerzen bemerkbar und mir ist nach einer halben Stunde so elend, dass ich auf den Abstieg bestehe. Um 21.00 h fahren wir los. Zuerst geht es noch auf 4'600 m rauf, was mir gar nicht gefällt. Nach 2 Stunden sind wir wieder auf 3'700 m und mir wird auch sofort besser. Die Kopfschmerzen wollen nicht ganz vergehen, doch trotzdem schlafe ich sehr gut. Am nächsten Tag kommt mir alles wie ein Traum vor, mir geht's wieder blendend. Trotzdem habe ich Respekt vor dem heutigen Tag, wird es mir wieder übel? Es hilft nichts, wir müssen weiter rauf und so nehmen wir nochmals einen Anlauf. Die Landschaft wird immer wie schöner und im Lauca Nationalpark können wir viele Vicuñias, Lamas, Pampa-Hasenmäuse und Chincillas beobachten. Vor der Grenze halte wir bei dem höchstgelegenen See der Welt (4'570m) für eine Mittagspause. Natürlich darf unser "Gipfelfoto" nicht fehlen, uns geht es allen gut und auch unser neuer Freund "Rodriguez" spielt mit.

... liegt wohl an der dünnen Luft auf 4'570 Meter Höhe.....

Wieder einmal staunen wir über die unkomplizierte Grenzabfertigung. Wir sind in weniger als einer halben Stunde in Bolivien. Die offizielle Wechselstube ist etwas ungewöhnlich. Eine in bunten Tücher gehüllte Frau sitzt auf dem Gehsteig und als ich ihr etwas Geld zum tauschen hinhalte, wühlt sie in ihrer Tasche und bringt ein paar Bolivianos hervor, die bolivianische Währung. So geht das...... 

Einer der Zwillingsvulkane (sein Zwilling ist hinter ihm versteckt) Pomerape (6250m) oder Parinacota (6330m)

 

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