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Warten, bis die Sonne kommt 
oder 
wieso die Diesel-Standheizung im Altiplano nutzlos ist 

La Paz, die höchstgelegene Metropole der Welt, liegt in einem 400 bis 700 m tiefen Talkessel am Ostrand des Altiplanos.  Die oberste Region El Alto (4'100 m) besteht aus an den Hängen liegenden Häusern, oft ohne Stromversorgung, in denen die ärmeren Bevölkerungsschichten wohnen und die von ihrem bitteren Logenplatz auf die schmucken Viertel der Reichen und das pulsierende Stadtzentrum hinab blicken. 

La Paz

Die Vororte von La Paz begrüssen und uns mit buntem Treiben auf der Strasse. Schon bald sehen wir die meterhohen Metallkugeln, die uns den Weg zur Gasfirma weisen. Das grosse Eisentor öffnet sich und ein LKW mit vielen Gasflaschen beladen fährt heraus und wir sofort herein. Ups, das war wohl etwas voreilig! Ein hektisches Händeringen einiger Militärbeamten beginnt und Erich legt sofort den Rückwärtsgang ein und fährt wieder raus. So gehen wir zu Fuss rein und ein Soldat begrüsst uns und stellt uns einige Fragen. Wir sollen ihm unsere Gasflasche zeigen und zusammen, wir bekommen noch einen Besucherausweis, gehen wir schnellen Schrittes über das Gelände in ein Häuschen.  Dort wird unsere Gasflasche herumgezeigt und einer verschwindet mit ihr. Ich werde nach meinem Namen gefragt und bekomme dann einen Zettel in die Hand gedrückt. Mit diesem rennen wir wieder zu einem anderen Häuschen, es muss schnell gehen, denn in 15 Min. haben alle Feierabend. Am Schalter 1 bekomme ich einen Rechnung per Computerausdruck in dreifacher Ausführung, schön mit meinem Namen als Kundin versehen, beim Schalter 2 muss ich die Rechnung wieder abgeben und ca. Fr. 1.00 bezahlen, bekomme natürlich wieder zwei Exemplare der Rechnung zurück. Nun geht es wieder im zackigen Laufschritt in das Häuschen, wo wir die Flasche abgegeben haben und müssen wieder ein Exemplar der Rechnung abgeben bekommen dafür unsere Flasche gefüllt zurück. Das ging ja schnell, es sind noch keine 10 Min. vergangen. Beim Ausgang geben wir den Besucherausweis wieder ab, meine Rechnungskopie wird noch abgestempelt und wir verabschieden uns von den freundlichen und hilfsbereiten Leuten. Nun haben wir wieder Gas für etwa 5-6 Wochen. Weiter geht es bis zur Zahlstelle, wo wir ein paar Bolivianos abtreten, etwas weiter vorrollen, um den Anblick auf La Paz erhaschen können. Mein Mut sinkt für einen kurzen Augenblick ins bodenlose, ohje, so viele Häuser.... Jürgen fragt uns nur ganz trocken: "Und ihr wisst, wo da Euer Mechaniker wohnt?" Eigentlich kennen wir nur den Namen der Strasse, wo der Mechaniker zu finden ist, aber das reicht ja, denk ich. Wir fahren los, zuerst alles bergab und schon sind wir mitten im Gewühl. Natürlich ist auf meinem kleinen Stadtplan nur das Zentrum enthalten, wo wir nicht hinmüssen. So frage ich mich durch, meistens bei den Taxichauffeuren, und nach 8 x fragen stehen wir vor der Türe des Mechanikers. Er hat im Moment keine Zeit und der Spengler ist auch nicht da, wir sollen in zwei Tagen nochmals kommen. So geht es für uns weiter ins Hotel Oberland im Valle de la Luna. Auch hier muss ich öfters fragen, doch eigentlich finden wir uns gut zurecht. Wir können beim Hotel Oberland auf einem bewachten Platz stehen und richten uns ein wenig ein. An diesem Abend lassen wir uns mit Schweizer Küche am knisternden Kaminfeuer im Restaurant Oberland verwöhnen. 

Zuerst waren wir noch alleine, aber dann füllte sich der Platz allmählich. 

Unser Aufenthalt in La Paz beträgt genau 13 schöne Tage. Während unser Auto sechs Tage beim Spengler steht ziehen wir in ein Hotelzimmer im Oberland um. Wir bekommen ein tolles Zimmer mit Cheminé und fühlen uns sehr wohl. Unser Auto ist wie neu, der Spengler hat absolut super Arbeit geleistet. Ich hätte nicht gedacht, dass er aus diesem zusammengedrückten Kotflügel noch was raushämmern kann. Den letzten Tag in La Paz wollen wir nutzen, um die Fahrspur zu kontrollieren und einen Ölwechsel vorzunehmen. Bei der Spureinstellung bricht doch tatsächlich das Kugelgelenk der Spurstange. Na toll! Der Chef rennt persönlich rum, um uns zwei neue Kugelgelenke zu organisieren. Es klappt und so sind wir mit neuen Kugelgelenken und eingestellter Spur nach 13.00 h fertig. Am Nachmittag kann Erich  beim Mechaniker Ernesto Hug noch den Ölservice vornehmen. Oh Schreck, das Öl im Getriebe hat sich fast verflüchtigt. Es kommt statt 2.2 Liter nur noch knapp 1 Liter raus, und es wäre eigentlich noch gar keine Zeit gewesen, dieses Öl zu kontrollieren!!!! Da haben wir doch nochmals Glück gehabt. Aber sonst ist unser Auto wieder in einem Top Zustand. Im Hotel Oberland essen wir zum vorläufigen Abschied von La Paz (wir wollen unbedingt nochmals in diese tolle Stadt kommen) zu Abend. In diesen 13 Tagen in La Paz haben sich einige Auto- und Motorradreisende eingefunden und es war immer etwas los. 

Plaza Murillo in La Paz

Wir haben uns entschlossen, mit Waltraud und Jürgen eine Tour in den Süden von Bolivien (Salar de Uyuni, Laguna Colorado, Potosi, Sucre) zu unternehmen. Wir Schweizer haben im Gegensatz zu den Deutschen ,die ein dreimonatiges Visum bekommen haben, nur ein Einmonatsvisum erhalten. Somit können wir nicht rumtrödeln. Die Fahrt aus La Paz ist einfach, kennen wir uns doch schon etwas in dieser 1.5 Mio.-Stadt aus. In Oruro füllen wir all unsere Tanks voll, da es die letzte Gelegenheit für längere Zeit ist. Im Abendlicht kommen wir an einem riesigen Meteoritensee vorbei und finden etwas weiter mitten im Nichts einen schönen Übernachtungsplatz. 

Meteoritenkrater 

Ich bin schon etwas nervös, wie wird die Auffahrt auf den Salar wohl sein? Der Rand des Salzsees ist der schwierigste Teil, d.h. einfach, man soll den Weg nicht verlassen sonst könnte es schon etwas feucht werden. Doch wir finden einen sehr guten Einstig und sind total fasziniert von der wunderschönen weissen Fläche, die im Abendlicht besonders schön glänzt. 

der etwas feuchte Einstig in den Salar de Uyuni

Nach der schlechten Schotterpiste ist der Salzsee eine wahre Erholung für unsere durchgerüttelten Glieder. Wau, wir gleiten nur so dahin.  

ist kein Schnee sondern Salz...

Mitten auf dem Salzsee befindet sich die Isla Pescado, auf der viele Kakteen wachsen. Ein Kaktus ist über 12 Meter hoch und somit 1'200 Jahre alt. Wie viele cm der im Jahr wächst, kann jeder selber ausrechnen. 

typisch Weibchen typisch Männchen ups, Hände hoch

Es bläst ein starker und eisiger Wind über den Salzsee und wir suchen auf der windstillen Seite der Insel Schutz zum Übernachten. Wir befinden uns auf 3'660 m und staunen nicht schlecht, als das Thermometer um 20.00 h draussen schon Minusgrade anzeigt. Da unsere (wie auch alle übrigen) Dieselstandheizung über ca. 2'500 m nicht funktioniert (ist es nun, weil der Diesel versulzt und nicht mehr durch die Leitung in die Heizung kommt oder weil das Luft/Dieselgemisch in der Höhe nicht mehr stimmt? Wir haben es nicht rausgefunden uns aber entschieden, die Heizung in der Höhe nicht zu benützen, denn eine kaputte Heizung bringt uns auch nichts!) müssen wir uns warm einpacken. Am Morgen um 7.30 h beträgt die Temperatur im Auto um die -7 ° C, was etwas Überwindung kostet, um aus dem warmen Schlafsack zu kriechen. Alles ist eingefroren, die Wasserpumpe funktioniert noch nicht, mein Linsenreinigungswasser ist geliert, die Sicht aus den Fenstern ist milchig trüb, da diese mit einer dicken Eisschicht überzogen sind und jedes gesprochene Wort bringt eine vulkanähnliche Wolke hervor. Doch kurz vor 8.00 h kommt die Sonne hervor und, falls wir die Berechnungen des Sonnenaufganges und die richtige Ausrichtung des Autos am Abend korrekt einstudiert haben, scheint die Sonne auch am rechten Ort in unser Auto und taut uns auf. Das ist der Moment, wo wir wieder Freude am Leben haben. Die nächsten 10 Stunden haben wir es schön warm, weil wir im Auto sitzen und fahren.
Es geht weiter in südlicher Richtung und wir verlassen die fantastische Landschaft des Salar de Uyuni um auf sehr schlechten Schotter- und Sandpisten weiterzurütteln. Die Landschaft ist grandios und der Weg ist gesäumt von wunderschön konisch geformten Vulkane, aus dem Vulkan Ollagü sehen wir sogar noch Rauchwölkchen aufsteigen, farbige Berghänge und bizarre Felsformationen. Wir kommen an fünf kleinen Lagunen vorbei, die wunderschön in die Umgebung eingebettet und von vielen Wasservögel bewohnt sind, natürlich auch von Flamingos.

Flamingos bei den fünf Lagunen

Wir übernachten hier auf 4'170 m und es geht uns allen sehr gut. In der Zeit in La Paz haben wir uns gut akklimatisiert. Wieder geht es durch tolle Landschaften, wüstenähnlich, bergig, steinig und immer auf schlechter Piste. Wir kommen mancherorts nur 3-7 km/h vorwärts, nicht gerade schnell. Doch uns stört es nicht, denn wir haben viel zu sehen.

Zwei typische Andenbewohner: 

das Lama
die Puna-Hasenmaus (Bergviscacha)

In mitten dieser menschenfeindlichen Landschaft tauchen immer wieder Lehmhäuser auf, deren Dächer mit Wildgras bedeckt sind. In dieser Abgeschiedenheit, wo das Land nichts hergibt wohnen Menschen. Endlich, am sechsten Fahrtag erreichen wir die Laguna Colorado. Es bläst ein eisiger Wind und ich kann genau viereinhalb Minuten die Kamera halten, bevor die Finger gefühllos werden und ich wieder ins Auto stürme, um mich aufzuwärmen. In der Laguna Colorado tummeln sich ca. 2'500 Flamingos, die mit ihren dünnen Beinen im eisigen, z.T. gefrorenen Wasser stehen und mit ihren Schnäbeln durchs Wasser ziehen, um Futter zu suchen. 

Schnee und Eis bei der Laguna Colorado

Letzte Nach hatte es bei der Laguna Colorado -28° C, d.h. für uns, dass wir nicht hier übernachten wollen. Um 16.00 h umgibt die Laguna ein schönes Licht, wir schiessen die letzten Fotos und ab geht's. Wir wollen etwas tiefer übernachten, sind wir hier doch auf 4'250 m. Doch wieder einmal stellen wir fest, dass es nicht so einfach ist, schnell tiefer zu kommen. Der Typ vom Eintrittshäuschen hat uns zwar gesagt, es geht nur noch runter, doch der ist die Strecke wohl noch nie gefahren. Es geht zuerst eben, 45 km auf super Schotterstrasse und dann fahren wir in einen Vulkankrater, der mit einer Salzkruste bedeckt ist. Dort geht es am Ende des Kraters rauf, auf 4'600 m. Wir erleben einen fantastischen Sonnenuntergang und sind uns bewusst, dass wir erstens noch tiefer und zweitens im Dunkeln nach einem Plätzchen Ausschau halten müssen. Es geht wieder etwas runter nur um nachher wieder auf 4'600 m zu steigen. Verflixt... in einem Bachbett auf 4'500 m entschliessen wir uns, zu übernachten. Es ist kein schöner Ort, doch Platz genug für unseren beiden Autos und beim Anblick des weiteren Verlauf der Strasse sehen wir nur noch, wie sie erneut ansteigt. Wir sind am einparkieren unserer Autos als von der Gegenrichtung ein Auto herkommt. Ich schnappe mir die Landkarte und halte das Auto an. Ja, es geht noch rauf, doch nach dem Hügel geht es nur noch runter bis zum nächsten Dorf Villa Mar (was für ein seltener Name in der Wüste?), das auf 3'800 m liegt, Dauer: media hora mas o menos. Super, obwohl es schon stockdunkel und nach 19.00 h ist, und ich natürlich vermute, dass es eher mas media hora wird als menos, und die Vorstellung, auf der Höhe von 4'500 m zu übernachten bei einer Kälte von sehrwahrscheinlich -20° C lässt uns schnell den Motor starten. Und tatsächlich, nach 10 Min. Fahrt geht es nur noch runter, runter und runter. Im Dunkeln können wir schemenhaft erkennen, dass wir in einer Schlucht fahren doch um es genau zu erkennen, fehlt und der Vollmond. Endlich, nach einer Stunde Fahrt finden wir ein einigermassen ebenes Plätzchen zum übernachten auf 3'990 m. Wir kochen uns eine Bouillon und verkriechen uns in unsere Schlafsäcke. Auch am nächsten Morgen, wie schon lange, ist alles gefroren und eiskalt. Ohne Sonne würde hier die Eiszeit herrschen......

In Uyuni (12'000 Einw.) wollen wir tanken, doch die Tankstelle wird von vielen Leuten blockiert. Somit gehen wir zuerst auf den Markt und kaufen ein und verpflegen uns. Zwei Stunden später ist die Tankstelle wieder frei. Gegenüber befindet sich auch ein Wasserhahn und ich staune, wie viele Leute ihren Wasserkanistern auffüllen und diese wieder nach Hause tragen. Die haben alle kein fliessendes Wasser im Haus! Auch wir füllen unseren Wassertank mit diesem feinen frischen Wasser auf. In Uyuni befindet sich ein Eisenahnfriedhof den wir besuchen. Viele grosse rostige Loks stehen rum und werden von uns besichtigt und abgelichtet.

ein Paradies für Lokomitiven-Fans

Unsere Fahrt geht weiter nach Potosi, die Silberstadt. Neben Lhasa ist Potosi (4'065 m) die höchstgelegene Grossstadt der Welt. Gegründet wurde Potosi 1545 in einer Gegend, in der bereits zuvor Diego Huallpa auf den Spuren entlaufener Lamas auf eine Silbermine gestossen war. Im 17. Jh. war Potosi, die "Villa Imperial" im wilden Hochplateau, dank des Silberbergbaus eine Glitzerstadt mit mehr Einwohner als die Grossstädte dazumal in Europa. Leider können wir beim Besuch von Potosi nicht viel besichtigen, wir kommen immer wieder demonstrierenden Massen entgegen, denen wir aber aus dem Weg gehen wollen. Wir steigen auf zwei Kirchtürme und schlendern durch die Gassen und Märkte. 

in den Gassen von Potosi

Der Weg von Potosi nach Sucre (2'790 m) führt durch eine tolle Berglandschaft, durch Schluchten und auf kurvenreichen Strassen durch die Cordillera Central. Irgendwo müssen wir zwei Stunden warten, da ein Autorennen stattfindet. Wir nutzen die Gelegenheit, um unser Auto etwas zu entstauben. Sucre, die weisse Stadt, ist eigentlich die Hauptstadt Boliviens. Doch ausser dem Senat sind alle wichtigen Ämter in La Paz. Die Stadt mit den niedrigen Häuschen und roten Ziegeldächern und Holzbalkonen ist nicht gross und wir können sie gut zu Fuss erkunden. Am Pfingstsonntag ist die Plaza voller Menschen, die Strasse rundherum abgesperrt und überall dröhnen laute Motoren der Rennautos. Hier findet wohl das Schlussrennen statt.  Wir geniessen das bunte Treiben und verpflegen uns in der Markthalle mit feinen gegrillten Würstchen.

die Plaza von Sucre

Von Sucre geht's nach Cochabamba weiter, wo wir eine nette Übernachtung bei einem Restaurant mit Gartenwirtschaft finden und uns mit Schnipo völlern. Am nächsten Morgen hören wir einen riesen Krach, Böllerschüsse gehen los und Menschen singen im Chor. Eine Strassenblockade! Die Besitzer des Restaurant erzählen uns, dass die Lehrer streiken und dass es das letzte mal zwei Wochen gedauert hat. Was sollen wir tun. Wir erfahren, dass wahrscheinlich die Durchfahrt durch Cochabamba nicht gesperrt ist, aber sollen wir es trotzdem versuchen? Wir diskutieren bis 12.00 h und dann löst sich plötzlich die Blockade  auf. Super, wir fahren auch los und kommen gut durch Cochabamba. Die Besichtigung der Kirchen fällt wieder aus. Am nächsten Tag informieren wir uns in Caracollo telefonisch, ob wir nach La Paz kommen. Wir bekommen von verschiedenen Personen (Konsulat, LKW-Fahrer und den Kassierern der Strassengebühr) immer die gleiche Auskunft. La Paz ist mehr oder weniger zu (Blockaden) und auch den Grenzübergang zu Peru im Norden beim Titicacasee ist sehrwahrscheinlich nicht offen. Wir entschliessen uns, wieder auf dem gleichen Weg wie wir gekommen sind nach Chile einzureisen und nach Arica zu fahren, und von dort nach Peru einzureisen. Der Grenzübergang nach Chile verläuft wieder ohne Probleme und rasch. In Arica freuen wir uns auf den Pazifik, das milde Klima und die Fischrestaurants. 

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