Auf und Ab in den Peruanischen Cordilleras
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Nachdem wir über eine Woche in der interessanten Stadt Cusco
verbracht haben und der unübliche Schneefall nachgelassen hat, zieht
es uns weiter Richtung Norden. Wir sind wieder mit unseren Reisepartner Waltraud
und Jürgen unterwegs.
Unser erstes Etappenziel ist Abancay. Grünen Terrassen, die
landwirtschaftlich benutzt werden, viele Eukalyptusbäume und Lehmhütten
begleiten uns auf unserem Weg. Von 2'600 m geht es
zuerst auf 2'000 m runter, nur um kurz darauf wieder anzusteigen.
In der Höhe von 4'000 m wird die Luft dünn, unser Auto spukt blaue und weisse
Rauchwolken hervor und schleppt sich holpernd über den Pass. Wir übernachten
in einer netten Parkanlage auf angenehmen 2'800 m. Am nächsten Tag lassen wir
Abancay hinter uns biegen auf eine schmale Schotterstrasse ein, die sich steil und
nicht enden wollend den
Berg hoch kämpft. Wir können Abancay noch sehr lange erkennen, immer sehen wir
die Stadt im Tal schimmern, wenn wir wieder hinter einer Kurve hervor kommen.
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keine Lamas sondern wollige
Alpakas |
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Diese Nacht verbringen wir an einem netten See. Leider können wir keine "Truchas" erstehen und so kochen wir ein
vegetarisches Menü, wie so oft. Auch die nächsten Tage bringen nichts Neues, es
geht auf Schotter Auf und Ab. Wir hören, dass in Ayacucho, diese Stadt müssen
wir auf unserem Weg durchqueren, Blockaden sind. Den ersten entgegenkommenden LKW-Fahrer fragen wir
nach dem Zustand. Er sagt uns, die Stadt sei immer noch blockiert. Doch nach
einer weiteren Stunde Fahrt kommen uns immer mehr Fahrzeuge entgegen und so
hoffen wir! Die Strassen sind schmierig, da es die ganze Nacht geregnet hat.
Kurz vor
Ayacucho steht mitten in einer Kurve ein uns entgegenkommender LKW, er hat keine Traktion
mehr. Es ist eng doch wir kommen mit unserem schmalen Fahrzeug gut durch, bei
Waltraud und Jürgen wird es schon etwas knapper. Es ist Zentimeterarbeit, denn
unser Weg führt am Abgrund entlang. Doch auch der Iveco kommt durch und so
können wir nach Ayacucho reinfahren, dass nun in der Zwischenzeit offen
ist. Überall liegen grosse und kleinere Steine herum, auch wurden
Autoreifen verbrannt und die schwarzen Überreste bleiben wohl ewig auf der
Strasse liegen. Wir machen, dass wir schnell aus dieser Stadt rauskommen, wer
weiss, wie lange sie noch offen bleib. Für die Weiterfahrt gibt es zwei
Varianten: die längere, sichere und breite Piste über die Berge (4'000 m und mucho
frio) oder
die kürzere Strecke, die an manchen Stellen etwas schmal dem Fluss
entlang führt und wo auch mit Erdrutsch gerechnet werden muss. Wir entscheiden uns
für die Fluss-Strasse und ich schwitze bei einigen engen Stellen, vor allem, da
ich meine Höhenangst nicht ganz im Griff habe. Erich macht aber immer einen sehr sicheren
Eindruck, was mich beruhigt, und so kommen wir mit 20 km/h gut voran. Nach
diesen vielen Fahrtagen bleiben wir einen Tag im Flussbett stehen. Es regnet den
ganzen Tag und wir "geniessen" ihn mit lesen und schreiben. Am
nächsten Tag hat es aufgehört zu regnen doch die Auffahrt zur Strasse ist ganz schön schlammig.
Endlich können wir wieder mal den "Allrad" zuschalten. Gleich nach
der dritten Kurve liegt ein LKW halb in der engen Kurve und all seine Mandarinen
purzeln überall herum.
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das hat vielleicht gut nach
Mandarinli "geschmeckt" |
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Die
Strasse ist zum Glück schon wieder etwas eingetrocknet, an manchen Stellen ist
sie noch schlammig. Wir hätten eigentlich nur noch ca. 40 km dem Fluss entlang
bis zur Teerstrasse doch eben, hätten..... Ein Erdrutsch, der gestern
niederging, hat die Strasse blockiert und so müssen wir einen Umweg von 80 km
fahren, über einen Pass (4'200
m) nach Pampas, dort nochmals über einen Pass (4'300 m) bis wir dann endlich
die lang ersehnte Teerstrasse erreichen. In Huancayo schlemmern wir Abends ein
wohl verdientes feines Grillhähnchen mit Pommes.
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Teamwork beim Schuheputzen... |
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Dieses Mal hat unsere Gasflasche 2 Monate gehalten. In Huncayo
ist es kein Problem, die Gasflasche wieder zu füllen. Klar, wir müssen schon
ein bisschen herum rennen, hier und dort nachfragen, doch eigentlich war es einfach.
Wir nehmen von
Waltraud und Jürgen Abschied, denn unsere nächsten Ziele sind nicht
identisch. Wir haben uns entschlossen, ein bisschen ins Tiefland zu fahren
während der Iveco nach Norden tuckert. Auf der Teerstrasse kommen wir locker
vorwärts, durchqueren das hässliche Minenstädtchen La Oroya, überqueren
einen Pass von 4'820 m, bevor es nur noch runter geht. Wir habe die Anden hinter
uns gelassen. Nach Tarma geht es über langgezogene Kurven steil abwärts. Auf
1'100 m finden wir ein nettes Plätzchen für die Nacht. Es ist auch Abends
noch über 20° C warm und draussen zirrpt und zwitschert es.
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Strasse nach Pozuzo. Bildmitte
= Webernest (Vogel) |
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Die Strecke nach
Oxapampa ist nett, doch so richtig schön wird's erst von Oxapampa nach Pozuzo.
Wow, steile Berghänge sind mit Urwald bewachsen, ab und zu stürzt ein
Wasserfall von grossen Höhen in die Tiefe, überall blühen Orchideen,
übergrosse Zimmerpflanzen säumen den Weg und zwischendurch müssen wir einer
herunterhängenden Liane ausweichen. Wir haben das Gefühl, durch pure
unberührte Natur zu fahren. Am Wegrand halten wir für ein Foto und da sieht
Erich einen Baum mit herabhängenden Früchten, die grosse Erdnüsse gleichen. Klar,
gucken reicht nicht und Erich muss so eine Nuss anfassen. Und schon gehts los:
"Fränzi, schnäll, Wasser, Aua...." Diese Nuss ist mit ganz feine
Häärchen bewaffnet und diese bleiben bei Berührung sofort in der Haut stecken.
Natürlich gehen die mit wiederhaken versehenen Häärchen nicht einfach weg,
doch mit viel Wasser können wir sie abspühlen. Also, fürs nächste Mal, nur gucken!
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nicht anfassen ! |
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nochmals, nicht anfassen! |
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In Pozuzo endet die Strasse. Weiter kommt man nur noch zu Fuss. Wir fahren zur
Albergue Maria Egg und werden auf herzlichste mit "jo, griess eich, scheen,
dass ier do seid" begrüsst. Nein, wir haben Maria noch nie vorher gesehen, aber es
wundert uns nicht, denn wir kennen die österreichische Gastfreundschaft. 1857 bestiegen 200 Österreicher, vorwiegend aus Tirol und 100 deutsche
Rheinländer ein portugisisches Guano-Schiff. D.h., das Schiff führte von der
südamerikanischen Pazifikküste Guano (Vogelmist = Dünger) nach Europa und
nahm auf dem Rückweg die 300 Passagiere auf. Die vier Monate auf See waren
sicher nicht einfach, der Gestank überragte alles. Bei Lima angekommen, begann
die beschwerliche Wanderung nach Pozuzo, die zwei Jahre dauerte. Durch den Urwald mussten die
Menschen zuerst einen Weg bauen. Marias Ur-Ur-Grossvater war mit seiner Frau und
sieben Kindern dabei. Er starb an Erschöpfung noch auf dem Weg, ebenso
ein Kind, dass mit einem Erdrutsch ums Leben kam. In Pozuzo kamen schlussendlich
noch 170 Menschen an. Als wir durch das Dorf schlenderten, sahen wir viele
Menschen mit europäischen Gesichtern. Auch drangen immer wieder tirolerische
Gesprächsfetzen an unser Ohr.
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Strasse nach Pozuzo |
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Kaum richtig im Dschungel, sehe ich schon eine Schlange. Marias Gärtner, in
Gummistiefel bei dieser Hitze (?), hackt im Gebüsch rum und plötzlich ruft er
aus. Ich bin natürlich neugierig und geh hin. "Jöö, wie herzig!", eine Babyschlange. Vor dieser habe ich also wirklich keine
Angst! Oder doch?
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ist die wohl giftig? |
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Wir verlassen diese wunderschöne Gegend überqueren abermals
die Anden in Ost-West-Richtung und kommen wieder an die
trostlose Pazifikküste. In Lima staunen wir nicht schlecht, als wir
einen grossen Supermarkt sehen. Klar, da machen wir halt und decken uns mit
vielen Köstlichkeiten ein. Die Streck der Küste entlang ist eintönig, links
der Pazifik, rechts wüstenhafte Hügel und alles durch den ewigen Nebel
verschleiert.
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In Pativilca fahren wir ab der Panamericana Richtung
Cordillera Blanca. Ich habe bei den letzten Passüberquerungen die Höhe zu
spüren bekommen und entscheide mich, eine Tablette gegen die Höhenkrankheit
einzunehmen. Zwanzig Minuten später bin ich im Tiefschlaf, aus dem mich Erich
2.5 Std. später aufrüttelt. Von der schönen Passfahrt habe ich nichts
mitbekommen, dafür aber auch keine Höhenbeschwerden. Bis ich wieder so richtig
in Gang komme wird schon später Nachmittag. Tja, das nächste mal probiere ich
es doch wieder ohne Tablette! In Huaraz treffen wir wieder auf Waltraud und
Jürgen und wir verbringen einen unterhaltsamen und netten Abend zusammen.
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der Huascaran mit dem
fehlenden Bergteil (links) |
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Eine der schönsten Regionen Perus ist
das 180 km lange und am Flussbett etwa 8 km breite Tal des Rio Santa im Callejon
de Huaylas. Dies ist das mit Abstand bekannteste und populärste Hochgebirge
Perus. Es umfasst alle 31 über 6'000 m hohe Gipfel, darunter den höchsten Berg
des Landes, den doppel-gipfligen Nevado Huascaran, 30 Gletscher sowie 120
Gletscherseen. Die Suiza Peruana, wie diese Region wegen ihrer eisgepanzerten
Berge von begeisterten Europäern getauft wurde, ist ein Paradies für
Bergsteiger. Nur 100 km vom Pazifik entfernt, bildet sie die kontinentale
Wasserscheide. Das Gebirge ist unruhig und Erdbeben, Lawinen und Erdrutsche
nicht selten. Beim Erdbeben von 1970 ist ein Drittel der
Nordwestflanke des Huascaran abgebrochen und eine gewaltige Stein- und
Schlammlawine begrub die Stadt Yungay mit 25'000 Menschen unter sich.
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riesige verblühte puya
raimondii |
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Die puya raimondii, die vom Aussterben bedroht ist und in den
peruanischen und bolivianischen Hochanden (3'800 - 4'500 m) beheimatet ist,
wächst nur sehr langsam. Am Ende ihres Wachstums, nach 50-100 Jahren bildet sie
einen einzigen Blütenstand, der von Vögeln (Kolibris) bestäubt wird. Bis zur
Entfaltung braucht sie ein Jahr, die Baustoffe für die Blüte entzieht sie den
Blättern. Diese hängen dann vertrocknet herunter. Nach dem Ausstreuen der
Samen stirbt die Pflanze ab. Nur wenige der Millionen von Samen finden geeignete
Keimbedingungen. Die Blütenbildung in einem Gebiet verläuft fast synchron.
Bevor wir wieder an die Küste nach Lima fahren, wollen wir noch die Lagune
Llanganuco besuchen. Dafür geht es wieder steil den Berg hoch, unser Auto hat
wieder schwer mit der Höhe zu kämpfen. Doch es lohnt sich, der Ausblick ist
fantastisch.
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Lagune Llanganuco |
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