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20.
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Nach unseren abwechslungsreichen und vielfältigen Tierbeobachtungen im Pantanal wollen wir uns etwas nördlich von Cuiabá bei einem kleinen Dorf, Chapada dos Guimarães, einen Wasserfall ansehen. Im Jahre 1989 wurde der Nationalpark Chapada dos Guimarães, 33'000 ha eingerichtet. Das Naturschutzgebiet liegt auf einer Hochebene im Herzen Südamerikas: Sowohl von der Atlantik- als auch von der Pazifikküste ist das Parkgelände ungefähr 1'500 km entfernt. Galleriewälder, Cerrado-Buschsteppe, gut 200 Wasserfälle, zahlreiche Höhlen und hoch aufragende Felswände prägen die Landschaft. Seine bis zu 350 m tief in den Sandstein am Rand des zentralbrasilianischen Schilds eingeschnittenen Canyons werden von zahlreichen Wanderwegen erschlossen, auf denen man zu verschiedenen Steinskulpturen, wie dem Cogumelo da Pedra (dem steinernen Pilz), gelangen kann, die Wind und Wetter aus dem Fels gemeisselt haben. Der Cogumelo da Pedra zählt ausserdem zu den bisher 46 archäologischen Stätten des Parks, an denen man prähistorische Felsinschriften gefunden hat. Zuerst wollen wir aber zum Wahrzeichen des Nationalparks wandern, zum berühmten Wasserfall "Véu da Noiva" (Brautschleier), dessen Kaskade - fein zerstäubt - 86 m tief ins Tal des Rio Coxipozinhos stürzt. Die Sonne brennt gnadenlos auf uns nieder und die paar Meter ohne Schatten sind nicht gerade ein Vergnügen zum Gehen. Plötzlich werden wir durch ein bekanntes Geschrei aufgerüttelt und da sehen wir schon 3 Hellrote Aras an uns vorüberziehen. Dieser Papagei (Ihr kennt ihn alle, denn er hat einen roten Kopf, ist um die Augen weiss, die mit feinen roten Strichen umrundet sind, wird über die Flügel gelb und ein wunderschönes Blau ziert die Schwanzfedern) wird fast ein Meter gross und kann bis zu 1,5 kg schwer werden. Dieser farbenprächtiger Vogel lässt uns die Hitze vergessen und nach kurzer Zeit stehen wir auch schon vor dem Wasserfall, der uns stark an ein Brautschleier erinnert.
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| von der Nähe ist er wirklich eindrücklicher... |
Für weitere Ausflüge ist es uns viel zu heiss und so verbringen wir mit Waltraud und Jürgen ein paar Tage auf einem Campingplatz, wo wir gemütlich im Schatten rumlungern, auf gut Berndeutsch "blättere". Wir stellen unsere Kochgewohnheiten um. Erstens gibt es hier überall zu Mittag wunderbare Buffet mit riesigen superfeinen Fleischspiesse, meistens in angenehm gekühlten Restaurants und Zweitens ist es auch noch Abends zu heiss um zu kochen. So können wir uns an der brasilianischen Küche laben und dick und rund werden. Weiter geht's, etwa 900 km gegen Süden nach Bonito. Waltraud und Jürgen haben in Campo Grande etwas zu erledigen und wir werden sie später wieder treffen. Wir fahren am späten Nachmittag auf einen netten Campingplatz, der direkt neben einem Fluss liegt. Wir können uns an ein schönes Plätzchen stellen, ziehen sofort die Badehose an und ab geht's ins kühle Nass. Herrlich, wir haben den Fluss für uns alleine, er fliesst an dieser Stelle sehr langsam und kommt uns eher wie ein See vor. Kleine Fische schwimmen zwischen unseren Beinen herum. Gemäss Auskunft des Campingbesitzer leben keine keine Piranhas, Schlangen oder Kaimane im Fluss. Als ich dann aber durch das glasklare Wasser riesige Fische auf mich zuschwimmen sehe (Karpfen oder so) hab ich mich doch plötzlich genug abgekühlt. Wir geniessen einen kalten Mate, während der Nachmittag zum Abend wird. Am nächsten Morgen sind wir richtig aufgeregt, weil wir dieses schönes Plätzchen zum verweilen gefunden haben, und wollen uns in den Schatten stellen. Als wir alles schön eingerichtet haben kommt der Campingplatzbesitzer und sagt, wir müssen uns auf einen anderen Platz stellen, direkt in die Sonne. Wieso ist uns nicht so ganz klar geworden, denn er hat gesagt, Abends können wir wieder auf das Schattenplätzchen zurück. So ein Quatsch. Wir packen unsere Sieben Sachen ein und verduften. In Bonito hat es noch einen anderen Camping und als wir dort eintreffen, steht der Iveco auch schon da. Da ziehen wir doch die nette Gesellschaft von Waltraud und Jürgen vor. Es ist sehr heiss und so unternehmen wir eigentlich nicht viel in Bonito, waschen Wäsche, ruhen und aus und plaudern. Es zieht uns weiter Richtung Süden und wir fahren in zwei langen und heissen Tagen die Strecke Bonito-Foz do Iguaçu.
Die Wasserfälle von Iguaçu sind das spektakulärste Naturschauspiel, das Brasilien bereithält. Sie liegen ganz im Westen des Bundesstaates Paraná, an der Grenze zu Argentinien und Paraguay, wo der Rio Iguaçu in einem von 272 Kaskaden gebildeten 2,7 km langen Halbkreis von einem ca. 80 m hohen Basaltplateau donnernd in die Tiefe stürzt. In der Regenzeit prasseln hier bis zu 6'500 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu Tal und verwandeln das Bett des Grenzflusses in eine brodelnde dunstige Waschküche. Rückschreitende Erosion hat einen V-förmigen Ausschnitt in die zerklüftete vulkanische Decke gefressen, den die Brasilianer "Gargante do Diablo" (Teufelsrachen) nennen. Nicht weniger als 14 mächtige Wasserfälle donnern in diesem von der Natur geformten Kessel nebeneinander in die tiefer liegenden Abschnitt des Iguaçu. Sonnenstrahlen werden von dem zu feinem Nebel zerstäubten Wasser als schillernde Regenbogen reflektiert. Rechts und links der Fälle säumen mächtige Urwaldbäume, dazu Moos, struppiges Dickicht und von Vogelkot geweisste Felsen, das Ufer. Papageien, Reiher und Tukane sind in den angrenzenden Wäldern zu Hause, ausserdem Fledermäuse und 40 weitere Säugetiere, 18 unterschiedliche Fisch-, 700 Schmetterlings- sowie 60 verschiedene Reptilienarten. Fauna und Flora in der Umgebung der Cataratas do Iguaçu stehen seit 1934 auf argentinischer Seite (55'000 ha), seit 1939 auf brasilianischer Seite (185'265 ha) unter Naturschutz. Schliesslich erklärte die UNESCO das gesamte Gebiet 1986 zum Weltnaturerbe.
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| Blick von der brasilianischen Seite; links die Isla San Martin |
Auf dem Campingplatz in Foz do Iguaçu angekommen richten wir uns gemütlich für den Abend ein. Bald fängt es an zu regnen, der nächste Tag wird kalt (15 ° C) und wir unternehmen nichts, liegen im Auto und trinken Mate. Am nächsten Tag können wir wieder blauen Himmel erspähen und machen uns auf ins Städtchen. Einen Tag später, in der Zwischenzeit sind Waltraud und Jürgen auch eingetroffen, unternehmen wir den Ausflug zu den Wasserfällen gemeinsam. Der Eintrittspreis ist schnell bezahlt, mit dem Bus geht's noch 10 Minuten durch den "Dschungel" und dann können wir aussteigen und WOW, schon stehen wir auf der ersten Aussichtsplattform, von wo aus wir einen Teil der Wasserfälle sehen können. Busse und Touristen kommen und gehen, doch wir wollen uns den Anblick einprägen und stehen einfach nur da und staunen. Irgendwann ziehen auch wir weiter. Ein netter Pfad führt uns den vielen gegenüberliegenden Wasserfällen entlang und immer wieder sehen wir schönere und spektakulärere Fälle. Zum Schluss führt ein Steg übers Wasser an den Felsabbruch, von wo aus man zum "Gargante do Diablo" hinspähen kann. Doch der feine Wasserstaub macht eine Sicht fast unmöglich, wir können nur erahnen, wie viel Wasser sich dort in die Tiefe stürzt.
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| die letzte Plattform auf der brasilianischen Seite |
Unser Spatziergang auf der brasilianischen Seite ist beendet, doch wir sind nicht traurig, denn wir können die Wasserfälle nochmals von der argentinischen Seite aus besuchen. Gleich neben dem Eingang zu den Wasserfällen befindet sich ein Vogelpark den wir uns noch ansehen wollen. Ich erwarte nicht zuviel und bin etwas von dem happigen Eintrittspreis überrascht. Wir kommen nach drei Stunden wieder aus dem Vogelpark herauskommen, und ich kann sagen, dass sich der Besuch wirklich gelohnt hat. In ein paar grosse Volieren konnten wir hindurchschreiten, wo die Tucane, Ibisse und anderes Federgetier "frei" herumfliegen können. Die Tucane sind überaus neugierige Vögel. Bleibt man etwas an einem Ort stehen, kommen sie zu einem hin und wollen wissen, was da passiert. Schmeckt die Mütze von Erich, kann man die mit dem grossen Schnabel wegziehen? Die Fototasche von Jürgen ist zu schwer, trotzdem hat so ein kleiner Kerl versucht, mit seinem grossen Schnabel die Tasche fortzuziehen. Mein Styroporschutz für mein Markoobjektiv jedoch war schnell weg. Der Tucan war auf einem Baum und biss mit seinem Schnabel auf dem Ding rum. Doch nach fünf Minuten war es nicht mehr interessant und Erich konnte es für mich wieder retten. Auch viele Papageien konnten wir beobachten und uns ab ihrem wunderschönen, farbigen Gefieder erfreuen.
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| der neugierige Tucan beschnabelt Erichs Mütze |
Der Grenzübertritt war wieder mal ganz einfach und unkompliziert. Auf der argentinischen Seite fuhren wir auf den schönen Campingplatz des Ortes und richteten uns ein. Für unser Abendessen fuhren wir zu viert mit unserem Auto kurz in den nahegelegenen Supermercado. Wir wollen heute Grillen und bestaunen das feine Fleisch in der Metzgerabteilung. Ich habe mir schon ein tolles Stück ausgesucht und frage den Metzger, ob das auch gut fürs Grillen ist. Oh nein, meint er, dafür solle man doch dieses überaus fettige Stück nehmen. Iiii, nein, ich bleibe bei meinem Stück und kaufe ein Pfund. Waltraud hört auf dem Metzger und kauft von diesem fettigen Fleisch. Zurück auf dem Camping, Feuer machen, Fleisch marinieren, Salat rüsten, mmmhh.... es duftet schon fein vom Grill, am Tisch platz nehmen und das wunderbare feine Stück Fleisch auf dem Teller bewundern. Aber was ist das, ich kann schneiden und säbeln wie ich will, ich bekomme das Fleisch kaum auseinander. Zäh und hart wie eine Schuhsohle. Waltraud und Jürgen schlemmern ihr zartes feine, durch das Feuer viel Fett verloren und jetzt von aussen knuspriges Fleisch. Da hab ich wieder mal was gelernt, entweder muss ich auf den Metzger oder eine erfahrene Köchin hören!!! Wir sind gerade fertig mit dem Essen, da kommt doch ein Mitsubishi Pajero mit Schweizer Kontrollschild angefahren. Wir lernen Simonetta und Emanuel kennen, die auch schon eine Weile in Südamerika rumfahren. Wir Schweizer plaudern bis spät in die Nacht und merken gar nicht, wie die Weinflaschen leer werden. Am nächsten Morgen bin ich alles andere als fit, und benötige einen Ruhetag. Waltraud und Jürgen waren klüger, haben sich mit Trinken und Feiern gemässigt und strotzen vor Energie und Unternehmungslust. So verbringen sie den Tag bei den Wasserfällen. Unser Tag ist richtig gemütlich, schönes Wetter, etwas Kleider waschen, zwischendurch wieder mal hinsitzen und "pläuderle" und den Tag einfach an einem vorüberziehen lassen. Am nächsten Morgen sind wir zwei wieder fit und munter und freuen uns riesig auf den Besuch der Wasserfälle. Von Simi und Manu nehmen wir Abschied, wer weiss, wo wir sie wieder mal treffen werden?
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| Argentinische
Wasserfälle; an der Kante führt der Steg des oberen Rundweges entlang |
Iguazú bedeutet in der Sprache der Guarani-Indianer "Grosses Wasser". Als Don Alvear Nuñez Cabeza de Vaca 1541 als erster Europäer die Fälle erblickte, war er bloss verärgert: Er empfand sie als Verkehrshindernis, da er hier mit seinen Kanus nicht mehr weiterfahren konnte. Er nannte die Fälle "Saltos de Santa Maria", doch der Name der Guarani-Indianer blieb erhalten, vielleicht auch, weil diese die Entsehungsgeschichte der Fälle in eine so schöne Legende kleideten: Der Guarani-Krieger Caroba fuhr mit seiner Geliebten Naipur in einem Kanu auf dem Iguazú. Sie waren auf der Flucht vor dem Schlangengott M'Boi, der ebenfalls in Naipur verliebt war. Aufgebracht schlug der Schlangengott mit seinem starken Schwanz in das Flussbett, die Erde tat sich auf, eine Schlucht entstand, und das Wasser stürzte hinab und riss das Kanu mit den beiden Liebenden hinab. Naipur wurde in einen Stein am Flusse der Fälle verwandelt, Caroba in einen hochaufragenden Baum. Die Wirklichkeit ist nicht so romantisch. Die Fälle entstehen dadurch, dass der Rio Iguazú in Südbrasilien über das hoch gelegene Basaltplateau des brasilianischen Schildes fliesst, das an dieser Stelle plötzlich abbricht. Da der Fluss die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien bildet, haben beide Länder Anteil an den Wasserfällen, die Argentinier aber - wie sie nicht müde werden zu betonen - zu etwa drei Vierteln.
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| Argentinische Wasserfälle |
Das Besichtigungsgelände der Wasserfälle auf der argentinischen Seite ist viel weitläufiger und wir können näher an die einzelnen Fälle herangehen. Zuerst spazieren wir zum oberen Rundweg. Dort führen lange Stege über Bäche, die, blickt man nach rechtens, leise vor sich hinplätschern und blickt man nach links, tobend und wasserspeiend in die Tiefe stürzen. Der Steg ist lang und wir kommen immer wieder an neuen Wasserfällen vorbei und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Auf dem unteren Rundgang können wir einen Teil der Wasserfälle von unten besichtigen, dessen Wasser wir vorher von oben unter unseren Füssen in die Tiefe stürzen gesehen haben. Mit einem Boot fahren wir in zwei Minuten zur Insel San Martin hinüber und dort besuchen wir drei verschieden Aussichtspunkte, der jeder auf seine Art wunderschön ist. Der letzte Weg führt uns zum "Gargante del Diablo". Dafür besteigen wir das Züglein, das uns 4 km flussaufwärts fährt. Weiter geht es etwa einen Kilometer über einen Steg, an dessen Ende wir schon die Wasserdunstwolken aufsteigen sehen, der Teufelsschlund! Wir kommen zur Plattform und hören nichts mehr. Die Wassermassen des Iguazús stürzen hier in einen an drei Seiten geschlossenen Felskessel, ein atemberaubendes Schauspiel. Die aufsteigenden Gischt hinterlässt feine Wassertröpfchen auf der Haut, bei dieser Wärme sehr angenehm.
Am frühe Abend kommen wir erschöpft, glücklich und voller gewaltiger Eindrücke auf den Campingplatz zurück und runden den wunderschönen Tag mit einem feinen Stück Fleisch vom Grill sowie einem Glas Rotwein ab.
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