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21.
Misiones, Corrientes, Entre Rios, Santa Fee, Cordoba (Argentinien)

Heimatgefühle in Villa General Belgrano

Sauerkraut und Spätzle......

In den letzten Wochen haben wir so viele grandiose Highlights besucht und bestaunt, dass wir eine Steigerung im Moment kaum verarbeiten könnten. Die Reise durch die nächsten paar Staaten bietet auch nicht allzu Grosses und das ist uns gerade recht, denn Geist und Seele benötigt etwas Ruhe.  
Wir besuchen den Ort San Ignacio Mini der mit der besterhaltenen und bestrestaurierten Jesuiten-Reduktion aufwarten kann. Doch wir sind nicht sonderlich daran interessiert und steuern das Balñeario, den Strand am Parana-Fluss an. Hier verbringen wir zwei wunderschöne Ruhetage und können uns im kalten Nass des Flusses etwas von den heissen Temperaturen abkühlen. Hier trennen sich unsere Wege von Waltraud und Jürgen endgültig. Unsere Route führt uns immer nach Westen gegen Cordoba, wo doch die Räder des Iveco nach Uruguay rollen. In Posadas schliessen wir bei der Versicherung wieder eine neue Haftpflichtversicherung ab und bekommen von den Angestellten die Information, wo wir eine Mateplantage besichtigen können. Am gleichen Tag will der Polizist der ersten Strassenkontrolle auch schon unsere Haftpflichtversicherung sehen. 

die Estancia von Las Marias, Baujahr 1920 

Am Abend fahren wir an die Tore von "Las Marias", eine grosse Mateplantage, und können auf dem Gelände übernachten, heisse Duschen und "agua caliente" für den Mate inbegriffen. Am nächsten Morgen bekommen wir die Plantage mittels einem schönen, auf die Tränendrüsen drückenden, romantischen und verkaufsfördernden Film näher gebracht. Mit einem kleinen Bus geht's zuerst zur Jungpflanzenabteilung. Die Zucht kostet der Plantage wohl nicht viel, denn die Pflanzen wachsen aus abgeschnittenen Ästchen, die in die Erde gepflanzt werden. Der Matestrauch wird bei 2-2.3 Metern Höhe gehalten, ungeschnitten könnte er 8 Meter erreichen.

Mate-Jährlinge 

Nach 7 Jahren ist der Matestrauch zur ersten Ernte bereit, die letzte nach 40-50 Jahren, und es werden ganze Äste abgeschnitten, diese werden etwas zerkleinert und dann drei Stunden im heissen Wasser gewaschen, getrocknet und in Säcke abgefüllt, die in riesige Lagerhallen stationiert werden. Nach 4 Monaten wird mit einem speziellen Prüfstab in einen Sack gestochen, um die Qualität zu testen. Je nach Matesorte lagern die Säcke 9-15 Monte in den Lagerhallen. 

Die Lagerhalle ist bis unters Dach gefüllt

Mit der Lagerung erhält der argentinische Mate, Brasilien und Uruguay lagern ihren Mate nicht, den ganz besonderen Geschmack und auch eine blasse Farbe. Der linke Sack wurde vor einem Monat zur Lagerung abgefüllt und der rechte Sack steht schon fast ein Jahr hier. 

Matesack zur Lagerung 

Nach der Lagerung wird der Mate in die Mühle gebracht. Dort werden die Ästchen von den Blättern getrennt, gemahlen und je nach Matesorte wieder zusammengemischt. Die Verpackung passiert in grossen Fertigungshallen, fast alles maschinell. Riesige Trichter lassen exakt 500 g in die Packungen rieseln, welche 5 Sekunden später auch schon Luftdicht verschweisst ist und mit 9 anderen Packungen in eine Folie gewickelt wird. Nur 20 % der Produktion geht in den Export. Wir staunen, als wir hören, dass das meiste Exportgeschäft nach Syrien geht und noch ein paar % nach Chile und Spanien. Auf der Plantage wird auch "normaler" Tee gepflanzt und geerntet. Daraus entstehen dann Schwarz- und Grüntees. Unsere Führung ist somit zu Ende und wir bekommen alle noch ein kleines Säckchen mit ein paar Mate-Müsterchen und ich kann nicht wiederstehen, ein Päckchen Mate zu kaufen. Klar, sehr günstig. (Im Bericht "Mate und Petri Heil" haben wir unsere ersten Mateerfahrungen  und über die Matekultur erzählt) 

Matesträucher 

Nun folgen ein paar Fahrtage (300-400 km/Tag) durch flache Landschaft, die zu langweiligem Weideland verdingt wurde, welches immer eingezäumt ist. Wir durchqueren die Staaten Misiones, Corrientes, Entre Rios, Santa Fe bis wir nach Cordoba kommen, wo wir die grosse Provinz-Hauptstadt mit demselbigen Namen auf der Ringstrasse umfahren und uns in Villa Carlos Paz auf dem Campingplatz niederlassen. Von hier aus unternehmen wir einen Ausflug mit dem Auto in das nahegelegene La Cumbre, wo aber eigentlich nichts spezielles zu sehen ist. Sicher, es sind viele Wanderwege angelegt, doch bei dieser Hitze haben wir keine Lust, einen kahlen Berg zu besteigen. Bei der Rückfahrt treffen wir auf zwei Schweizer Päärchen. Treffen ist vielleicht nicht das richtige Wort. Wir kreuzen den Mercedes Sprinter, der uns aber nicht gesehen hat, stoppen und drehen um. An der nächsten Kreuzung ist nichts mehr von einem Auto mit ZH-Kontrollschild zu sehen. Für uns gibt es nur eine Versuch, denn fahren wir in die falsche Richtung, kann der Sprinter nach ein paar Minuten über alle Berge sein. Erich entscheidet sich für Rechts und nach einem Kilometer sehen wir den Sprinter vor dem Supermarkt. Ein freudiges Wiedersehen, wir kennen Silvia und Gianni sowie Dorli und Wolfgang von Ushuaia und verbringen einen netten Nachmittag zusammen. So hat unser landschaftlich eher langweiliger Ausflug eine gesellschaftlichen fröhlichen und netten Abschluss bekommen.

im Zentrum von Villa General Belgrano

Am nächsten Tag treffen wir auf dem Campingplatz La Florida, wohl allen Selbstfahrer in Südamerika ein Begriff,  ein. Wir werde sofort herzlich von Bettina und Ralf aufgenommen und finden hier einen Platz, der uns etwas unser "zu Hause" ersetzt. In Villa General Belgrano leben viele Deutsch-, Österreich-, und Schweizstämmige und das kleine Dorf quillt über vor lauter Geschenkartikel wie Bierhumpen, Kochschürzen, Backhandschuhe und Tischdecken mit Alpenmotiven, Kuhglocken in Miniformat, alpenländische Schlüsselanhänger oder Matetöpfchen mit Enzian verziert und Bombillas mit herzigen Mädchenmotiv im Dirndel. Für mich der Ideale Ort, um einen neuen Leinenbrotsack mit Alpenmotiv zu erstehen. Doch bei den anderen Artikel kommt bei uns nur ein müdes Gähnen auf. Nach vier Tagen haben wir eigentlich alles Wichtige erledigt und wir wollen weiter. Doch über das informative Kommunikationsmedium Internet erfahren wir, dass Michi und Andi morgen hier eintreffen werden und so verlängern wir unseren Aufenthalt ohne mit der Wimper zu zucken. Am zweiten Abend wollen wir zusammen Grillen. Hier in Argentinien findet man keinen Camping-, Rast- oder Wiesenplatz, auf dessen keinen Steingrill platziert wurde. Ohne viel Geld auszugeben, kaufen wir je 500 g Rinder- und Schweinsfilet, Würste und Koteletten. Wir Frauen sind für die Salate zuständig, während die Männer ihrer Pyromanieträume ausleben können. Erich steigert seine Grillkünste ins absolut höchste Niveau und wir schlemmern Filets, die so zart und rosig sind, dass sie auf der Zunge zergehen. Michi, die eigentlich Vegetarierin ist, kostet ebenfalls Filet und meint, es wäre eine Sünde, kein Fleisch zu essen, auch als Vegetarierin. Die ruhige Zeit hier nützen wir, um uns über die weitere Route klar zu werden. Für uns steht schon lange fest, dass wir wieder auf der patagonischen Andenseite wandern und fischen wollen und diese Orte nochmals besuchen wollen, die wir vor etwa sechst Monaten nicht oder in strömendem Regen gesehen haben. Doch welcher Weg soll uns dorthin führen? Wir haben noch bis Ende Oktober Zeit, ab dann beginnt die Wandersaison. Uns beiden spukt schon seit ein paar Tagen der Gedanke vom Besuch der Peninsula Valdes und vor allem "die Wale sehen" im Kopf herum. Den Gedanke einmal ausgesprochen, ist es auch schon beschlossene Sache. Auch Michi und Andi sind von der Idee begeistert und machen sich mit uns auf den Weg von Villa General Belgrano, 1'290 km südwärts. Die vier Fahrtage sind nicht sehr erwähnenswert, landschaftlich viel Viehwirtschaft und Pampa, flache Ebenen und selten mal eine Kurve.  

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