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23.
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Die Landschaft ändert sich. Schon weit in der Ferne sehen wir mächtige Berge mit Schneebedeckten Spitzen aufragen. Die trockene und eintönige Pampa macht dem fruchtbaren und hügeligen Land platz. Wir sehen am Wegrand Tausende von Lupinienbüsche, deren Blüten in den nächsten Tagen die Umgebung in kräftige Farben tauchen werden. Der Flieder und der Gingster zeigen schon ihre zarten Pastellfarben, auch sie werden in den nächsten Sonnentagen zu voller Pracht erblühen. Wir sind tatsächlich in den Frühling gefahren und mit strahlendem Sonnenschein begrüsst uns die kleine Stadt Esquel. Ich fühle mich hier sofort wohl, Berge, Schnee.... Doch die Frage, ob wir nicht noch etwas früh für unsere Wanderung sind, kreist in unseren Köpfen wild umher. Nachdem wir uns im Supermarkt in Esquel mit Lebensmittel eingedeckt haben, sodass wir sicher eine Woche autark leben können, geht's ab in den Nationalpark "los alerces". Die Eintrittspeise für den Park werden erst ab Dezember erhoben, Glück für uns. Wir sind wohl die einzigen Touristen im Park und können somit das Personal der Parkaufsicht mit unseren Fragen betreffend Wanderungen durchlöchern und sind erstaunt, dass doch einige Wege zu begehen sind. Im Park befinden sich viele schöne gebührenfreie Plätze, auf denen Camping erlaubt ist. Einige Plätze sind auch mit Kosten verbunden, die mit Duschen und Strom ausgestattet sind, was wir aber nicht benötigen. Wir richten uns auf einem wunderschönen im Wald gelegenen Plätzchen ein, der Lago Futalaufquen ist nur ein Steinwurf von uns entfernt, und wir bereiten die Wanderausrüstung für morgen vor. Am nächsten Tag empfängt uns ein schönes Frühlingswetter und wir fahren die 10 km bis zum Start des Wanderweges. Gerade als wir das Auto parkieren kommt ein Gaucho, seine sieben Hunde um die Fesseln des Pferdes springend, angeritten. Ob wir hier denn auch stehen können, fragen wir ihn. "Claro, no problema". Aber wir sollen doch unser Auto auf seinem Land abstellen, neben seinem Haus, da ist es ganz sicher. Diese Offenherzigkeit der Argentinier verblüfft uns immer wieder. Dankbar nehmen wir sein Angebot an und folgend dem Reiter. Nun kann es losgehen.
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| unser Wanderweg |
Doch schon nach 200 Meter das erste Hindernis. Die Zäune hier haben immer sehr eigene und knifflige "Türen". Ich frag mich, ob diese Viertelstunde, die wir fürs Öffnen und Schliessen benötigen, auch in der Wanderzeit von 4 Stunden mit einberechnet ist? Lockeren Schrittes führt uns der Weg zuerst einem Bach entlang, der glasklares Wasser führt, bevor es dann stetig und immer steiler werdend ansteigt. Wir wandern durch wohlriechende Südbuchenwälder und sind wohl die ersten in dieser Saison, die den Weg beschreiten. Viele umgestürzte Bäume versperren den Weg und wir haben einiges an Kletterarbeit zu bewältigen. Nach zwei Stunden kommen wir zum ersten mal aus dem Wald und können die wunderbare Aussicht geniessen. Doch es geht noch weiter. Zuerst über ein felsiges Stück, dass wieder in einen Wald führt, der aber nicht mehr so dicht bewachsen ist. Es kommen schon die ersten Schneefelder, also müssen wir bald beim Refugio sein. Ein Schild "Refugio 2 minutos" sollte uns den Weg weisen, doch da der Schnee den Wanderweg verdeckt hält, müsse wir etwas suchen. Zuerst schlagen wir die falsche Richtung ein, kehren wieder um und versuchen es nach rechts. Dann ruft Erich: "ich gseeehs...". Nach ein paar Schritten kommt das Häuschen auch in mein Blickfeld, doch was ist das? Das kann doch nur das Klogebäude sein, so winzig. Doch auch beim näherkommen sehen wir kein anderes Haus. Das letzte Stück vor dem Refugio ist das kniffligste. Wir müssen einen Bach überqueren. Das wäre ja nicht so schlimm, doch plätschert der unter einer Schneebrücke durch, die wir überqueren müssen. Erich meint, die Decke hält schon und stapft voraus. Sicher auf der anderen Seite angekommen, will er sofort das Refugio begutachten. Doch ich schreie, er soll zu mir hinsehen, falls ich in der Schneedecke verschwinde, weiss er wenigstens, wo er suchen muss. So wage auch ich mich hinüber und tatsächlich, es hat gehalten. Das Refugio Cocinero (Cerro Situation) lädt uns nach der Überwindung von 900 Höhenmeter in seine trockene Stube ein, genau 2x3 Meter Wohnkomfort.
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| Refugio Cocinero |
Wir richten uns ein und wollen Feuer machen. Doch das stellt sich nicht als so einfach heraus wie es scheint. Wir haben kein richtig trockenes Holz und der Ofen qualmt, der Rauch quillt aus dem Türlein, das nicht dicht ist. Wir müssen ein paar mal das Refugio verlassen, weil wir sonst einer Rauchvergiftung erlegen wären. Irgendwann ist der Ofen so heiss, dass er nicht mehr qualmt und wir unser Abendessen in einer wohligen Wärme von 32° geniessen können. Draussen pfeift der patagonische Wind, der uns aber nichts anhaben kann.
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| Rauch, Feuer, Wärme, Rauch..... |
Wir müssen Petrus irgendwie gezürnt haben, denn er lässt viele Regen- und Schneetropfen nieder rieseln. Uns kann das aber nicht erschrecken, denn wir sind gut ausgerüstet. Nach einem ausgiebigen und feinen Frühstück machen wir uns, eingepackt in unseren Regenklamotten, zum Abstieg bereit. Auch diesmal hält die Schneebrücke über den Bach und bald haben wir auch die Schneefelder hinter uns gelassen. Der Regen ist nicht stark und so geniessen wir den Abstieg. Am Abend ruhen unsere müden Knochen und Muskeln im warmen Auto bei einem feinen Glässchen Rotwein. Am nächsten Tag, es regnet immer noch, wollen wir zur Laguna Larga (auch im NP) fahren. Ein steiles Erdsträsschen führt uns immer Höher und plötzlich hören wir ein eigenartiges hohes Geräusch aus der Motorhaube. Mist!!! Wir drehen um, fahren runter und auf einem ebenen Stück hält Erich an, zieht seinen "Schafferlisanzug oder Blaumann" an und liegt unters Auto. Klar, im Getriebe ist der Ölstand unter dem Niveau, also zu wenig. Somit brechen wir unsere Vergnügungsfahrt ab und tuckern langsam nach Esquel. Dort lassen wir alle Öle nachfüllen. Wir finden heraus, dass im Verteilergetriebe zu viel Öl drin ist, das kann nur vom Getriebe kommen und somit muss ein Simmering zwischen Getriebe und Verteilergetriebe undicht sein. Von Toyota-Fachleuten aus der Schweiz und Deutschland bekommen wir per Email die Auskunft, dass wir trotzdem weiterfahren können, sofern wir nicht mit zu wenig Öl rumfahren. In den nächsten paar Hundert Kilometer werden wir sehen, wie oft wir Öl nachfüllen müssen. Unsere Pechsträhne ist nicht zu Ende. Leider verlässt unsere teure und noch relativ junge Standheizung die Lust am Heizen und versagt ihre Dienste. Tja, so schnell kann's gehen und so schnell kann man, bzw. Fränzi und Erich wieder frieren. Wir haben eine grandiose Idee und denken uns, wir könnten doch eine elektrische Heizung kaufen. Dann hätten wir es wenigstens in den Zeiten gemütlich warm, in denen wir auf einem Campingplatz stehen. Mit diesem Vorsatz schauen wir uns in Esquel um. Eigentlich schwebte uns eine Heizung mit Ventilator vor, doch so was fanden wir nicht. So erstehen wir günstig eine Heizung mit zwei Glühstäben. Natürlich finden wir dann, nachdem wir die Glühstäbchenheizung erstanden haben, die wir natürlich nicht mehr in dem Ramschladen zurückbringen können, eine supertolle Ventilatorenheizung. Doch jetzt ist es zu spät und wir fahren zum nahen Camping und freuen uns auf einen warmen Abend im Auto. Wir richten uns ein, die Heizung läuft und gibt warm und ich koche. Dann nimmt Erich die Heizung mal genauer in Augenschein und bekommt doch tatsächlich Strom vom Gehäuse ab. Auch sieht er, dass die Plastikteile, auch der Knopf zum ein- und ausschalten langsam vor sich hinschmelzen. Dieser Kauf war wohl nichts. Wir haben genau noch eine Halbe Stunde Zeit, dann macht das Geschäft, in dem wir die Ventilatorenheizung gesehen haben zu und erst Übermorgen, Montag wieder auf. Wir haben wohl noch nie so schnell abgewaschen alles zusammengeräumt und das Dach zugezogen. Der Gedanke an einen Abend ohne Wärme verleit uns Flügel. Im Städtchen kaufe wir fünf Minuten vor Ladenschluss die Ventilatorenheizung und düsen zurück auf den Camping und ENDLICH können wir den schönen warmen Abend geniessen. Wie heisst doch das Sprichwort: "Doofe kaufen zwei Mal?"
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| ein wunderschönes Blockhaus an der Laguna Larga |
Am nächsten Tag machen wir uns auf, zurück in den NP los alerces und fahren ohne aussergewöhnliche Geräusche aus der Motorhaube zur Laguna Larga. Wir werden von einer wunderschönen Landschaft begrüsst und spazieren etwas am See entlang. Im Nationalpark unternehmen wir viele kleine Spaziergänge und übernachten an traumhaft schönen Plätzen, an einsamen Seen, glasklaren Bächen und am Waldrand der wilden Natur.
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| im Nationalpark los alerces |
In El Bolson verbringen wir einige Tage. Kein Wunder, das Städtchen ist traumhaft gelegen mit einem wundervollen Bergpanorama des Piltriquitron-Massiv auf der einen und den Andengipfeln auf der anderen Seite, umgeben von dichte Wälder und einen wunderschönen Markt mehrmals die Woche. Auch hier könnte man toll wandern, doch die Refugios befinden sich noch im Winterschlaf und so begnügen wir uns mit Spaziergängen.
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| Das Piltriquitron-Massiv hinter dem Rio Azul |
Von El Bolson geht es weiter Richtung San Carlos de Bariloche. Doch wir wollen noch einen Abstecher zum Lago Steffen unternehmen. Der Lago Steffen ist wunderschön in einem Tal gelegen. Die Zufahrtsstrasse ist steil und eng, doch mit unserem kleinen und schmalen Auto kommen wir auch unter den Bäumen durch, die quer über die Strasse hängen. Eigentlich wird der Verkehr auf der engen Strasse so geregelt, dass man nur zu bestimmten Zeiten runter oder rauf fahren darf. Natürlich sind wir zur falschen Zeit hier, da wir aber schon lange keinem Auto mehr begegnet sind, wagen wir die "verbotene" Fahrt runter. Der Lago Steffen liegt ganz einsam zwischen den Bergen. Wir geniessen die Stille, bevor wir den Rückweg antreten.
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| Lago Steffen |
Kaum auf dem schmalen Waldsträsschen kommt uns ein PW mit chilenischem Kennzeichen entgegen. Ha, auch andere fahren zu verbotenen Zeiten talwärts. Der Wagen hält, die Frau steigt aus und winkt uns zu. Wir halten an und schauen verblüfft, als sie uns auf Schweizerdeutsch anredet. Wir stehen auf dem schmalen Strässchen und unterhalten uns. Als das erste Auto kommt und wir unsere Auto sowieso umparkieren müssen entscheiden wir uns spontan, mit den vier, Sabina, ihr Mann Patrick und die Kindern Stefano und Luca, zu campen. So fahren wir wieder abwärts, doch nicht zum Lago Steffen sondern zum Rio Manso, wo eine traumhaftes Plätzchen zum campen einlädt. Wir verbringen einen netten Abend am Lagerfeuer und geniessen es, uns wieder mal in der Muttersprache zu unterhalten. Am nächsten Mittag verabschieden wir uns. Sabina und Patrick fahren mit ihren Kindern weiter, sie müssen in drei Tagen ihren Wagen in Puerto Montt abgeben und hoffen, dass die bestellten Ersatzteile für ihre Segelyacht angekommen sind. Sie haben uns eingeladen, sie auf dem Schiff im Hafen zu besuchen.
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| unser Übernachtungsplatz am Rio Manso |
Wieder auf der Hauptstrasse nach San Carlos de Bariloche sehen wir, wie so oft, einen Schrein: Ausgangspunkt ist die Legende, die sich, in leicht unterschiedlichen Versionen, um Maria Antonia Deolinda Correa und ihren Sohn rankt. Maria machte sich im Bürgerkrieg 1841 mit ihrem Säugling auf dem Rücken auf, um ihrem Mann zu folgen, der von den Truppen des Caudillos Facundo Quiroga gefangengehalten wurde. Sie verlief sich in der Wüste und starb schliesslich an Hunger und Durst. Aber als eine Gruppe von Maultiertreibern zufällig einige Tage später ihren Leichnam fand, lebte das Kind immer noch. Es lag säugend an der Brust seiner toten Mutter. Wo die Leiche gefunden wurde, liegt heute der Wallfahrtsort der Difunta Correa, der "Entschlafenen Correa". Selbstgezimmerte Schreine finden sich häufig entlang der grossen Überlandstrassen im gesamten Argentinien, aber auch in Nordchile. LKW-Fahrer verehren die Difunta Correa besonders, sie gilt als Beschützerin aller, die allein durch die grosse Weiten reisen. In den Schreinen liegen häufig ein wenig Geld, einige Kerzen, auch ab und an ein Reifen oder ein Lenkrad als Opfer, viel häufiger aber gefüllte Wasserflaschen. Denn Wasser ist in vielen Regionen selten, und so ist es nicht nur ein besonderes Opfer, sondern eventuell auch wichtig für andere.
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| Schrein der Difunta Correa |
In San Carlos de Bariloche besuchen wir zuerst den Club Andino, der uns Auskunft über das Wandergebiet erteilt. Leider liegt immer noch viel zu viel Schnee und so können wir nicht hoch hinaus. Frühestens Mitte Dezember sollten die Wege wieder begehbar sein. Wir sind schon etwas enttäuscht, dass uns Petrus Steine, bzw. Schnee in den Weg legt. Trotzdem verbringen wir schöne Tage in Bariloche, treffen Michi und Andi wieder, mit denen wir ein feines Asado essen. Nach einer Woche starten wir den Motor, um die Grenze nach Chile zu erreichen.
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