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24. 
Liebliche Insel Chiloé (Chile)

"Im Winter ist das Klima schauderhaft, und im Sommer ist es nur ein wenig besser. Die Winde sind sehr stürmisch, und der Himmel ist beinahe immer bewölkt", notierte Charles Darwin im November 1834. Es ist wahr, echte Sonnentage sind auf der nach Feuerland zweitgrössten Insel Südamerikas selten, doch von besonderem Glanz: Freigefegt vom Wind blitzt der Himmel und taucht das Meer in tiefes Blau. Er lässt die Farbenwelt der Wiesen explodieren und die bunt gestrichenen Holzhäuser und -kirchen erstrahlen. In den Wäldern glitzern Moose und Spinnweben, und die Fuchsiengewächse leuchten in knalligem Rot aus dem Unterholz. Chiloé ist ein Archipel, bestehend aus der Hauptinsel Chiloé und vielen kleinen Inseln und Inselchen. Die Hauptinsel ist etwa 180 km lang und nur 50 km breit. Sie ist vom Festland nur durch die schmale Strasse von Ancud getrennt und macht aus dem Golfo de Ancud an der Ostseite fast ein Binnenmeer. Diese Ostseite, die in unzähligen Fjorde zerfranst ist und vor der die vielen kleinen Inseln liegen, ist besiedelt, während die Westseite, dem offenen Pazifik zugewandt, überwiegend von dichtem Wald bewachsen und nur an wenigen Stellen, vor allem am Nationalpark Chiloé, zugänglich ist.
Chiloé ist die Insel der Mythen und der Kirchen. In den Wäldern leben Götter und Göttinnen, Hexen und Zauberer, darunter auch der Trauco, ein kleiner Unhold, dessen ungeheure sexuelle Anziehungskraft vor allem junge Mädchen leicht verfallen. Knoblauch schützt vor ihm, ebenso ein Sandhaufen, der vor die Tür geschüttet wird. Denn dann beginnt der Trauco die Sandkörner zu zählen und vergisst, warum er eigentlich ins Haus kommen wollte.
Am Geisterglauben der Insulaner konnten auch die Jesuiten nichts ändern, die 1607 auf die Insel kamen und dort für einen Bauboom sorgten: Heute schmücken mehr als 150 wundervolle, ganz aus Holz erbaute Kirchen die Insel. Sie sind von aussen oft mit Alerce-Schindeln oder bunt bemaltem Blech verkleidet. Neun davon sind heute als nationale Denkmäler anerkannt.

Doch wir sind noch nicht auf der Insel Chiloé sondern haben eben erst die Grenze zwischen Villa la Angostura (Argentinien) und Osorno (Chile) hinter uns gelassen und düsen auf Puerto Montt zu. 

der Yachthafen Oxxean in Puerto Montt

Wir finden den Yachthafen Oxxean auf Anhieb und es gibt ein freudiges Wiedersehen mit unseren Landsleuten Sabina, Patrick, Stefano und Luca. Während uns Sabina ihre Yacht "Stenfis" vorführt, wegen Motorarbeiten liegt sie gerade trocken, und uns ein Tässchen Tee kocht, streckt Patrick nur ab und zu den Kopf in die Kabine um ein Werkzeug zu schnappen, das er für den Einbau der Schraube und das Getriebe benötigt. Die beiden Jungs sind damit beschäftigt, den Bewuchs vom Schiffrumpf zu scheuern, keine sehr angenehme Arbeit. Ich bin von der Yacht ganz hingerissen, der Salon mit herzigem Ofen ist total gemütlich und bietet für unsere Verhältnisse viel, viel Platz. Wir dürfen auf dem Parkplatz des Yachthafens übernachten, haben sogar Stromanschluss und heisse Duschen. Wir verbringen vier wunderbare Tage und geniessen das Zusammensein mit den vier Seglern. Zum Abschluss startet Patrick den Motor und wir können für einen Nachmittag zur Isla Mallén fahren, dort ankern, "zVieri neh" und wieder zurück tuckern. Um zu segeln hat es leider zu wenig Wind, doch auch so ist der Ausflug sehr spannend und schön für uns.

Segelyachtausflug mit der Stenfis

Die Stenfis segelt mit Sabina, Patrick und den Kindern in den chilenischen Kanälen bis nach Ushuaia während wir uns auf den Weg zur Insel Chiloé begeben. Ca. 60 km sind es bis zur Landspitze nach Pargua, wo auch schon ein Fährschiff auf uns wartet. Die Überfahrt bei ruhiger See dauert knappe 30 Minuten. Es ist schon später Nachmittag und der erste Eindruck der Insel würde ich mit lieblich, hügelig, grün, ländlich und bezaubernd bezeichnen. Am nächsten Tag kommen wir in das Dorf Tenaun, dessen Sandstrand viele wettergegerbte, buntbemalte Fischerboote beherbergt und betrachten die herzige blau-weisse Kirche des Dorfes. 

Kirche von Tenaun (1837) 

Wir besichtigen viele kleine Dörfer, die alle mit sehr schöne buntbemalte und auch mit Schindeln verzierte Kirchen und Häuser bestückt sind.

weitere Kirche...

Im Nationalpark Chiloé unternehmen wir einen kleinen Rundgang durch valdivischen Regenwald, den wir es schon von der Carretera Austral her kennen. 

Palafitos in Castro

Inselhauptstadt ist Castro (20'000 Einwohner), auf einem schmalen Landsteifen gelegen, der in den lang gezogenen Fjordo de Castro hineinragt. Castro ist die älteste Stadt der Insel, auch wenn ihm Ancud wirtschaftlich den Rang abgelaufen hat. Das Ortzentrum ist sehr kompakt und umfasst nur wenige Blocks um die Plaza, auf der die Kathedrale aufragt. 1906 wurde sie erbaut, und zwar vollständig aus Alerceholz und nicht, wie vorgesehen, aus Beton. Das mit dünnem Blech verkleidete Holz arbeitete, und so stehen die beiden Türme an der Fassade heute etwas schräg.
Palafitos sind Häuser, die auf Stelzen gebaut wurden und meist von Fischern bewohnt werden. Bei Flut können diese direkt mit ihren Booten unter die Häuser fahren, bei Ebbe fällt der Strand trocken. Doch ich habe kein einziges Boot unter den Häusern entdecken können.

Ochsenkarren

Wir erspähen auf unserer Rundreise durch Chiloé unglaublich viele alte landwirtschaftliche Arbeitsmittel. Stämmige Ochsen ziehen einen Karren mit Holzräder oder einen Holzschlitten. Da es auf der Insel viel regnet und die Bauern daher viel im Schlamm arbeiten müssen, sind diese Schlitten sicher sehr nützlich.

Holzschlitten

In den sieben Tagen, die wir auf Chiloé verbringen erleben wir nur zwei Regentage. Wir verlassen die Insel wieder an der Nordspitze und geniessen eine tolle Fährfahrt bei Sonnenschein über das tiefblauem Meer. 

Chiloés Küste, nordwestlich von Ancud

 

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