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27. Carretera Austral zum 2. (Chile)

Als ich noch ein Kind war, da dachte ich, dass jedes Land seine eigene Währung, seine eigene Sprache, seine eigene Kultur und Traditionen und auch sein eigenes Wetter hat. Nach meinen ersten kleineren Ausflügen in andere Länder wurde ich jedoch eines besseren belehrt, vor allem was das Wetter anbelangt. So merkte ich, dass wenn ich die Schweiz verlasse, es in Deutschland, Frankreich oder Österreich genauso regnete oder die Sonne schien. Petrus schert sich keinen Deut um Landesgrenzen sondern die massigen Steinerhöhungen wie der Jura, die Alpen oder die Andenkette bereiten ihm wohl mehr Kopfzerbrechen. Doch hier in Südamerika ist alles anders. Wir haben wunderschöne Sommertage in Argentinien hinter uns und überqueren den Grenze zu Chile bei Futaleufu und es fängt unweigerlich an zu tröpfeln, bis es in einen mehrtägigen Dauerregen übergeht. Nun bin ich wieder bei der Annahme meiner Kindheit angelangt; jedes Land hat sein eigenes Wetter, und der chilenische Teil der Carretera Austral hat sein ganz besonders nasses Klima. Bei diesem schauderhaften Wetter räkelten wir uns zuerst in den Thermen "El Amarillo" bevor wir weiter zum Pumalin Nationalpark fuhren. Doch dort regnete es pausenlos und so kutschierten wir, ohne jeglichen Spatziergang oder Wanderung unternommen zu haben weiter südwärts. Als wir zum Wanderweg des Ventisquero Yelcho kommen, sprudelte uns das Wasser auf dem Pfad entgegen und so verzichteten wir auch dort auf einen Ausflug. Bei La Junta fuhren wir in jedes Stichsträsschen, nach Osten, nach Westen, und da es überall regnete, fuhren wir weiter nach Süden. Wir kamen an einem Viehmarkt vorbei und verbrachten endlich mal zwei Stunden ohne Niederschlag.

Gauchos an der Arbeit

In der Zwischenzeit sind wir schon 11 Tage auf der Carretera Austral und der Regen begleitet uns seit dieser Zeit. Wir schreiben den 24. Dezember 2004, doch heute Morgen ist irgend etwas anders, eigenartig. Es dauert ein paar Sekunden bis ich merke, dass es nicht regnet. Kein klatschendes Geräusch auf unserem Dach. Sofort hüpfe ich aus dem Bett und tatsächlich sehe ich keine dichten, dunkle Regenwolken mehr am Himmel. Wir haben gestern Irene und Hans aus Luzern kennen gelernt und so steuern unsere zwei Landcruiser ein nettes Plätzchen am Rio Cisne (ca. 30 km vor Puerto Cisne) an, wo wir uns für ein schönes Weihnachtsfest einrichten. Die Sonne wagt sich immer weiter hinter den Wolken hervor und wir können den ganzen Nachmittag in den Campingstühlen im Freien verbringen. Erichs Adlerauge sieht noch den Bus von Antonette und Bernd vorbeihuschen, packt unser Auto und fährt hinterher. Kurze Zeit später kommt er zurück, Antenette und Bernd kommen zwei Stunden später nach. Erich fängt drei schöne Forellen und so geniessen wir ein etwas anderes Weihnachtsmenü; Forellen vom Grill mit Salat. Abends sitzen wir alle ums grosse Feuer, essen "Weihnachtsguzzi", trinken Whisky und denken an unsere Lieben zu Hause. 

unser Weihnachtscamp 2004

Der nächste Tag entschädigt uns für die vielen Regentage, es wird ein heisser Sommertag mit 30° C. Wir geniessen alle das fabelhafte Wetter und Abends schlemmern wir Bernds sagenhaftes Gulasch aus dem Zauberkessel.

Mmmmmmmmm.......

Auch am 26. Dezember empfängt uns der Tag mit herrlichen Sonnenstrahlen. Heute versuche ich mich im Brotbacken über dem Lagerfeuer, dass eigentlich seit drei Tagen ununterbrochen züngelt, mal etwas weniger und mal etwas mehr. Das Brot wird superfein und auch Erichs Forellen sind wieder spitze. Nach so viel Backen und Fischen legen wir noch einen sonnigen Ruhetag dazu. Irene und Hans zieht es weiter nach Süden. Auch wir packen am Tag darauf unsere sieben Sachen zusammen und tuckern bei bewölktem Himmel südwärts. Wieder mal erwache ich mit dem vertrauten Geräusch auf dem Dach. Es regnet. In der Bezirkshauptstadt Coihaique finden wir nach einigem Suchen einen "Campingplatz". Na ja, wir können im kleinen Garten auf der Wiese stehen, haben Stromanschluss, heisse Duschen und ein Quincho (Festhütte). Diese bewährt sich als äussert nützlich, da es die nächsten Tage regnet und wir in dieser netten Hütte mit Ofen Abends essen können. Wir laden Antonette und Bernd zu einem selbstgemachten Käse-Fondue ein und an Silvester begrüssen wir das neue Jahr mit einem Spaghetti-Festival. 

Blumenpracht auf der Carretera Austral

In Coihaique bekommen wir auch neuen Pneus, diesmal ein französisches Produkt, Michelin O/R XZL. Mit unseren neuen Pneus rollen wir zu einem Abstecher nach Norden, nach Puerto Aisen. Doch dort ist das Wetter so schlecht, dass wir am nächsten Tag wieder umdrehen, durch Coihaique fahren und weiter nach Süden düsen. Bei Villa Cerro Castillo tut sich das Wetter auf und wir erleben einen fantastischen Nachmittag mit strahlend blauen Himmel. Doch am nächste Tag, wir wollten eigentlich wandern gehen, ist der Cerro Castillo in dicke Wolken gehüllt. So fahren wir weiter nach Puerto Tranquillo. Hier unternehmen wir einen fantastischen Tagesausflug in ein sich noch im Bau befindendes Stichsträsschen, dass irgendwann Zugang zum Meer bringen soll. Von dort könnte man dann leicht zum bekannten Gletscher San Rafael kommen, was heute nur mit Flugzeug oder teuren Schiffstouren möglich ist. Nur schon die Fahrt ins Tal hinein ist ein Erlebnis. Die Berge türmen sich rechts und links der Strasse in die Höhe und das Wasser fliest in allen Variationen in die Tief. Mal kommt ein donnernder Wasserfall ins Tal oder das Wasser rieselt leise plätschernd über ein paar Moose oder aber es rutscht über eine von tausend Jahre bearbeitete glatte Felsplatte hinunter. Wir erblicken zwei Kondore, die sich mit Leichtigkeit in die Lüfte erheben, immer kreisend den thermischen Luftstrom ausnützend. Wir kommen um eine Felsnase und sehen plötzlich einen blauen hängenden Gletscher vor uns. Obwohl es stark bewölkt ist und immer wieder mal regnet, leuchtet der Gletscher hellblau. Wie fabelhaft muss das mit Sonnenlicht aussehen!? Bald ist die Strasse zu Ende doch ein paar Bauarbeiter erklären uns, dass ein Kilometer weiter der Strasse entlang der Spatzierweg zum Gletscher St. Valentin abzweigt. So parkieren wir dort, montieren die Regenklamotten und steigen durch den nassen Regenwald. Bald kommen grosse Steine, über die wir klettern müssen und nach 15 Minuten stehen wir vor dem gigantischen Gletscher. 

Gletscher St. Valentin im Regen

Cochrane ist diesmal unser südlichster Punkt der Carretera Austral. Wer kennt nicht den wundersamen Laden "Ferreteria" an der Plaza, der von Aussenbordmotor, Holzofen, Weingläser, Pferdesattel, Kollonialwaren, Schuhbändel bis Zahnpaste alles verkauft. Wir fahren wieder etwas nordwärts und verlassen die Carretera Austral und Chile über den Paso Roballo.

am Lago Bertrand nach einer regenreichen Nacht... 

 

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