| zurück |
Eigentlich wollten wir in Buenos Aires in ein Hotel, um zentral gelegen in der Stadt all unsere Erledigungen bewältigen zu können, doch es kommt wieder mal anders, als wir dachten. Wir verlassen frohen Mutes den Hafen von Buenos Aires und fahren ins Zentrum. Wir klappern alle Hotels ab, die wir uns schon auf dem Schiff aus unseren diversen Reiseplanern rausgesucht haben und auch noch solche, die uns vom Aussehen her einen guten Eindruck machen. Doch entweder haben die Unterkünfte keinen Parkplatz oder sind einfach zu teuer. Als wir endlich unser herziges Hotel gefunden haben, suchen wir vergebens eine weitere Stunde einen sicheren und in der Höhe entsprechenden Parkplatz für unser Auto. Doch wir haben keinen Glück und so entscheiden wir uns, nach vier schweisstreibenden Stunden des erfolglosen Suchens aus der Stadt raus zu fahren. Nach 80 Minuten Fahrt erreichen wir Tigre, wo wir uns auf dem kleinen Campingplatz am Rio Lujan gemütlich einrichten. Bis wir endlich den Schweiss und Staub abgeduscht haben und uns an den Tisch im Garten setzen können, ist es schon weit über 21.00 h, doch immer noch taghell. Die Sonne geht erst nach 22.00 h unter.
Am nächsten Tag wollen wir in Tigre unsere diversen Aufgaben erledigen, doch wir kommen nicht dazu. Kaum sind wir in die kleine Stadt gefahren, winkt uns ein Mann vom Gehsteig aus zu. Ich denke noch, die Argentinier sind einfach freundliche Leute. Als wir gleich um die Ecke vor einer Wechselstube parkieren, spricht uns der Mann an. Es stellt sich heraus, das wir nicht die einzigen Reisenden mit einem Toyota Landcruiser in Tigre sind, denn Ingo und seine Frau Joly sind auch schon über ein Jahr in Südamerika unterwegs.
Wir gewöhnen uns ein paar Tage in Tigre an unser neues Leben und verbringen erholsame Weihnachtstage mit Joly und Ingo beim Asado und plaudern. Nach fünf Tagen packt uns aber die Reiselust und wir starten, Richtung Villa General Belgrano. Bis dorthin sind es aber zwei lange Fahrtage, in denen wir im Auto mächtige schwitzen. Die Fahrt führt uns entlang an Viehherden und mit Soja und Mais bewirtschafteten Felder. Auf dem Camping La Florida werden wir herzlich von Bettina und Ralf begrüsst, die Besitzer, die wir schon von unserer früheren Reise kenne. Auch hier bleiben wir wieder ein paar Tage. Im Schatten ist die Hitze gut auszuhalten, doch wenn wir zu Fuss ins Dorf spazieren, kommen wir doch mächtig ins Schwitzen. So gerne ich auch Sommerwetter habe, hier ist es mir zu heiss und ich sehne mich nach den patagonischen Winden. Das neue Jahr begrüssen wir dann auch in Shorts und T-Shirt bei einem fantastischen Asado von Ralf und Bettina.
![]() |
||
| Ralfs Asado |
Und am 1. Januar bricht der Vulkan Llaima aus. Für uns hat das bis anhin noch keine Bedeutung, denn wir sind noch viele Kilometer von ihm entfernt. Am 3. Januar geht es bei uns weiter. Wir verabschieden uns von allen auf dem Camping und fahren in die Sierras nahe bei Belgrano. Auf dem Cerro de los Linderos (2'700 m.ü.M.) geniessen wir einen fabelhaften Ausblick und eine kühle Nacht bei 15 ° Grad. Am nächsten Tag spazieren wir noch zum Gipfelkreuz.
![]() |
||
| Vulkan Llaima |
Nach einem kühlen Tag in den Bergen erscheint mir der nächste Tag im Tal umso heisser. Die 40 ° Grad im Auto sind kaum auszuhalten. Wir fahren drei Tage, bis wir Neuquen erreichen, drei Tage, in denen die Hitze nicht abnimmt und die Pampa unverändert kahl und trocken bleibt.
![]() |
||
| kleines Dorf am Lago Aluminé |
In Neuquen haben wir noch einige Dinge
zu erledigen und kommen dann erst nach der Mittagspause aus der Stadt raus. Wir
düsen an Ölpumpen vorbei und kommen durch Plaza Huincul, wo uns ein riesiger
Dinosaurier aus Eisengeflecht begrüsst. Hier im Nirgendwo entdeckte 1989 G.
Heredia einen Dinosaurierknochen. Paläontologen untersuchten den Fundort und
fanden bei Grabungen ein Dutzend Knochen eines Tieres, das später Argentinosuarus
huinculensis genannt wurde. Es entpuppte sich als der grösste bekannte
Dinosaurier der Welt. Der riesigen Pflanzenfresser, der aus der mittleren
Kreidezeit stammte, war unglaubliche 40 m lang und 18 m hoch.
Nach Plaza Huincul fahren wir wieder durch die Pampa und ich meine, in der flimmernden
Hitze eine Dinosaurierherde in der Ferne ausmachen zu können...
Nach Zapala fängt ein wilder Wind an zu blasen, der uns nicht erlaubt, aus dem Auto zu steigen, denn der starke Wind reisst uns die Tür gleich aus der Hand. Die Landschaft ändert sich, die dürre und flache Ebene übergibt ihr Territorium sanften Hügeln und schon kommen die ersten Bäume in sicht - Araukarien.
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
| mächtige Araukarien | Zapfen | Astende | Samen |
Wie bei vielen Nadelbäumen ist der
Stamm der Araukarie im Jugendstadium ganz mit Ästen bewachsen. Mit zunehmendem
Alter werden die Äste abgeworfen, so dass bei den alten Bäumen das
schirmartige Aussehen der Krone zum Tragen kommt. Die Baumart bildet auf
felsigen Hängen der Anden im südlichen Patagonien lichte Waldbestände, die
einen charakteristischen Unterwuchs aus Sträuchern und Kräutern haben. Die
Zapfen werden von den indianischen Völkern wie den Mapuche und Araukanern
gesammelt, um sie ähnlich wie Esskastanien zuzubereiten. Das weiche Holz hat
eine hellgelbe Färbung und lange Fasern und findet bei der Konstruktion von
Gebäuden als Bauholz Verwendung. Der nächste Verwandte dieses beeindruckenden
Baumes, die Brasilianische Araukarie (Araucaria angustifolia), kommt in
Nordargentinien in Misiones vor. (Quelle: Kosmos, Naturreiseführer)
Auch Südbuchen biegen sich mit dem Wind. Nun sehen wir auch schon
Pferde und Schafe auf den immer grüner werdenden Wiesen grasen und auch schon
ein Bächlein, dass seinen Weg kreuz und quer über die Wiese sucht. Das
glasklare Wasser plätschert über die Steine. Der Wind nimmt noch weiter zu und
der Staub der Schotterstrasse versperrt uns oft die Sicht. Und dann sehen wir ihn, den Lago Aluminé, unser Ziel. Wir erholen uns hier von der strapaziösen
und langen (1500 km) Fahrt und verbringen die Zeit mit relaxen, spazieren
und nichts tun. Hier lesen wir in der Zeitung, dass der Vulkan Llaima zum
zweiten Mal Asche gespuckt hat. Die Säule war anscheinend sehr hoch und wurde
mit dem Wind bis zur Atlantikküste getragen. Auch war das Rumoren des
Ausbruches weit zu hören.
![]() |
||
| Lago Aluminé |
Wir sind wieder fit für eine Runde um den Lago Aluminé. Zuerst fahren wir auf der Teerstrasse Richtung chilenische Grenze, bevor wir dann aber noch in Argentinien südwärts abbiegen. Wir kommen in eine ursprüngliche Gegend mit wunderbaren Flüssen, Seen und grünen Südbuchen- und Araukarienwälder. Hier kann Erich seine Angelruten auspacken und sich im Fliegenfischen üben. Und schwups, am Ende des Nachmittags beisst auch eine kleine Forelle an.
![]() |
||
| unser Uebrnachtungsplatz am Lago Norquenco |
Zurück am Lago Aluminé überqueren wir die Grenze zu Chile. Uns sind die Zollbestimmungen nicht mehr so geläufig und so müssen wir unsere beiden Orangen, unseren Salat und zwei verschrumpelte Karotten am Zoll abgeben. Die restlichen Zollformalitäten klappen reibungslos und schon fahren wir durch chilenisches Seengebiet. Der kleine Süden, wie die Gegend von Temuco bis Puerto Montt genannt wird, hat eine bewegte Geschichte. Sie war das Siedlungsgebiet der Mapuche-Indianer, desjenigen Indianervolkes, das der spanischen Eroberung den zähesten Widerstand leistete. Die Spanier sicherten die Grenze zum Indianergebiet mit Festungen - 1550 Concepción, 1552 Valdivia und Villarica -, konnten es aber nicht erobern. Erst im 19. Jahrhundert waren die Mapuche verdrängt. Heute leben noch etwa eine halbe Million Indianer im Süden, die meisten in grosser Armut. Wir kommen zur Laguna Icalma, die bei uns im chilenischen Reiseführer als Nationalpark ausgewiesen ist. Die Umgebung ist nicht ein Nationalpark im Sinne von viel Natur, Wald und keine Bewohner sondern bietet den Mapuche Land und Boden. Wir fahren in die Hügeln vor Lonquimay und finden ein nettes Übernachtungsplätzchen mitten unter alten Araukarien.
![]() |
||
| Vulkanlandschaft nordoestl. von Lonquimay |
Am nächsten Tag fahren wir nach
Lonquimay und kaufen ein. Das Städtchen ist eigentlich eher ein Dorf und die
Häuser sind alle einstöckig und sehr einfach gebaut. Wir fahren weiter,
durchqueren den längsten Tunnel Südamerikas, den Tunnel Las Raíces mit
4557 Metern Länge und
kommen gegen die Mittagszeit auf den Camping Suizandino an, wo uns Joly und
Ingo schon fröhlich zuwinken.
Die Landschaft ist atemberaubend schön und wir stehen zwischen Wildblumen und
Nadelbäumen. Vom Camping haben wir ungehinderten Blick auf den Vulkan Lonquimay
(2740 m.ü.M.)und die Sierra Nevada. Damit wir auf den Vulkan Llaima sehen, müssen wir einen
kleinen Hügel hinaufsteigen (5 min.).
![]() |
||
| Vulkan Lonquimay mit Krater Navidad im Vordergrund |
Nach einem erholsamen Tag wollen wir die
Umgebung mit dem Auto erkunden. Schon nach 15 km verändert sich die liebliche,
blühende Wald- und Wiesenlandschaft zuerst in einen stark bewachsenen Wald.
Doch plötzlich ist die Vegetation auf einen Schlag zu Ende und wir fahren
staunend durch eine karge Aschenwüste, aus der der noch etwas schneebehangene
Vulkan Lonquimay heraus ragt. Wir fahren an seinem Krater Navidad entlang, der
das letzte Mal am 25.12.88 spukte (deshalb sein Name!), und weiter hinein in die
verzauberte, schwarze Mondlandschaft: Eine andere Welt.
Wie kommt es nur zu solch einer bezaubernden Landschaft? Mein Naturreiseführer
hat mir folgende Erklärung geliefert: In Südamerika trifft eine ozeanische
(wassertragende) Platte, die Nasca-Platte, auf eine kontinenttragende. Die
dünnere Nasca-Platte sinkt bei diesem Zusammentreffen ab und schiebt sich mit
hohem Druck unter die andere bis hinab in den Erdmantel. Druck und Hitze lassen
das Gestein schmelzen, und gleichzeitig entstehen Verformungen und
Verkrustungen. Überall bricht die Erde auf, und entlang dieser Brüche dringen
Magma und Gase nach oben - gut zu erkennen an den aktiven Vulkanen entlang den
Anden, z.B. dem Llaima.
![]() |
||
| Vulkan Lonquimay |
Am Morgen erwartet mich ein sagenhaftes "Zmorgen-Buffet" von Joly und Ingo zubreitet und ich verbringe einen einzigartigen, sonnigen Geburtstag mit selbstgebackener "Biirewaie und Chääswaie" (Kuchen mit Birnen bzw. Käse belegt), dazu einen prikelnden Champagner als Apéro. Am Abend grillieren wir Würste und Fleisch und erfreuen uns ab der netten Gesellschaft.
![]() |
||
| Mmm... |
Am Tag danach, einen wolkenlosen Sommertag, wollen wir zum ersten Mal in Südamerika wieder in unsere Wanderschuhe steigen. Wir begehen zuerst den Sendero El Coloradito und wechseln dann zum Sendero Piedra Santa. Die ersten 3 Stunden gehen immer stetig bergwärts, durch wunderschönen Wald bestehend aus Südbuchen und Araukarien. Natürlich darf der Bambus, der überall in riesigen Büschen wuchert auch nicht fehlen. Wir kommen 700 Meter höher (auf 1700 m.ü.M.) und haben eine wolkenfreie Sicht auf den Vulkan Llaima (3125 m.ü.M.), die Sierra Nevada und auf den Vulkan Lonquimay. Aus dem Vulkan Llaima steigen immer wieder kleine Wölkchen auf, oder mein ich das nur?
![]() |
||
| alter Stamm einer Araukarie |
Nach 6 Gehstunden kommen wir wieder im Suizandino an und werden von Joly und Ingo zum Apéro und Abendessen (Pizza aus dem Dutchoven, d.h. auf dem Feuer) eingeladen. Wir geniessen es, nach dieser langen Wanderung nicht mehr kochen zu müssen sondern uns nur noch ausruhen und an den gedeckten Tisch sitzen zu können.
![]() |
||
| Wander-Ausblick auf den Vulkan Lonquimay |
| zurück |