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...die, in der vieles anders ist und einiges auch nicht ... (Folge 102)

Wir machen Ferien! Und dies inmitten einer prachtvollen Landschaft und Sonnenstrahlen, die unser Gemüt erfreuen. Die gelben Inkalilien, die wie Sterne am Abendhimmel glühen, blühen hier an den Waldrändern, entlang der Strassen und auch vor unserem kleinen Hausberg in der wilden Blumenwiese.

 
Inkalilie

Die Inkalilie kommt in Südchile und -argentinien in Lichtungen und Ränder des Valdivischen Regenwaldes vor. In Europa ist sie durch Kulturformen, die als Schnittblumen verkauft werden, bekannt. Die Pflanze wird durch die schöne, orangefarbige bepelzte grösste Hummel der Welt, (Bombus dahlbomii) bestäubt. Die Königinnen dieser Insektenart können eine Länge von 4 cm erreiche, Es handelt sich um den südlichsten Vertreter einer vorwiegend auf der Nordhalbkugel verbreiteten Bienengruppe, die wahrscheinlich innerhalb der kühlen Klimazonen entlang der Anden bis Feuerland vorgedrungen ist. (Quelle: Kosmos, Naturreiseführer)

Der Tag kommt, an dem wir uns vom dem schönen Ort zwischen Lonquimay und Curacautin und von Joly & Ingo trennen. Wir wollen ganz früh los, doch als ich von der Dusche Richtung Wagen zurückschlendere, ruft Ingo: "der Llaima qualmt". Ich sprinte los, hole den Fotoapparat, anstatt wie üblich mich nach dem Duschen einzucremen und die Haare zu kämme, rufe Erich noch zu, dass es was zu sehen gibt und schon bin ich springend und hüpfend auf dem Weg zum Hausberg. Das Bild ist einzigartig, der Llaima umwölkt von dunklem Rauch und ich meine, rote Lava austreten zu sehen, oder doch nicht? Der Ausbruch dauert etwa eine Stunde, dann ist wieder alles ruhig, als ob nie etwas passiert wäre. Schläft der Llaima nun für hundert Jahre oder schlummert er nur vor sich hin, bis er in den nächsten Tagen wieder ausbricht? 

 
Rauch aus dem Vulkan Llaima

Nach diesem morgendlichen Schauspiel ist für uns doch der Zeitpunkt zum Aufbruch gekommen und wir verabschieden uns und fahren Richtung Norden zum Rio BioBio. Die Schotterstrasse führt uns zuerst an eingezäumten Weiden entlang, ohne dass wir die Chance haben, an die Ufer des Rio BioBio zu gelangen. Dann wird die Strasse nur noch einspurig und wir stehen verduzt vor einem Tunnel, durch den unser Auto just noch passt. Also durch!

 
knapp, aber geht gerade noch...

Die Strasse wird immer wie schlechter und wieder kommt eine Höhen- und Breitenbegrenzung in Form eines Tores, durch das wir mit wenig Spiel noch durchpassen. (Wie sich etwas später herausstellt, wäre dieser Durchgang wohl nur für Pferd und Radl gedacht gewesen.) Nun wir die Strasse wirklich übel, sogar "Modell Bachbett" ist ein Luxus gegen unseren Weg, der nur noch aus schwer erkennbaren Spuren besteht. Wir begegnen fröhlich winkenden Einheimischen auf Fahrrädern oder Pferden, kein Auto mehr weit und breit. Erich hat immer wie mehr Spass und ich mache mir so meine Gedanken, wo der Weg wohl hinführen mag. Auf unserer Karte ist er wohl noch eingezeichnet, doch die ist auch schon 4 Jahre alt. (Als wir ein paar Tage später die aktuelle Ausgabe der neuen Strassenkarte kaufen, sehen wir, dass diese Strasse nicht mehr eingezeichnet ist. Doch diese Erkenntnis kommt etwas spät!) Wir sehen ein nettes Wiesenplätzchen, das zum Übernachten einlädt. Als wir ein paar Minuten den Platz begutachten, sehe ich doch tatsächlich, wie ein Marder vor unserem Auto vorbeihuscht, ein Vogel baumelnd in seiner Schnauze. Was ist, wenn er nach dem Vogel noch Hunger verspürt und Lust auf ein bisschen "Toyota-Gummi" hat? Somit ist für uns klar, wir fahren noch ein Stück weiter. Die Strasse wird jedoch nicht besser und auch noch leicht hügelig. Auf den Kuppen können wir nicht erkennen, wo wir eigentlich hinfahren, wenn es wieder runter geht. Wir fahren durch kleine Bäche, die aber in so engen Kurven liegen, dass ich schon fast sicher bin, dass wir im Bach den Rückwärtsgang einlegen müssen, damit wir die Kurve schaffen. Uff, aber es geht ohne. Als wir dann zu einer äusserst lädiert und wackeligen Brücke gelangen, ist bei mir der Spass vorbei. Auch Erich meint nach einer genaueren Untersuchung der Brücke, dass er nicht sicher ist, ob die 3 Tonnen hält. Wir drehen um und fahren alles zurück, an Lonquimay vorbei  und kommen gegen 21.00 h zu einem netten Übernachtungsplatz zwischen riesigen Araukarien.  

 
im NP Huerquehue

Die Urwälder des Südens:
"Die Füsse versinken im toten Laub, ein brüchiger Zweig knackt, die riesigen Araukarien recken ihre krause Gestalt, ein Vogel des kalten Urwaldes kommt geflogen, flattert, lässt sich im schattigen Gezweig nieder. Weiter entfernt hat sich ein jeder Baum von seinesgleichen getrennt. Sie ragen auf dem Teppich des verschwiegenen Urwalds, und eines jeden Laubwerk, linear, kraus, astreich, lanzenförmig, besitzt seinen eigenen Stil, wie von einer Schere mit unendlichen Bewegungen geschnitten. Wer den chilenischen Wald  nicht kennt, kennt diese Planeten nicht." So beschrieb der chilenische Dichter Pablo Neruda die dichte Vegetation, die Südchile bewuchert. 

 
auf unserem Weg ... oder wir auf seinem ...

Unser Weg führt uns durch eine einsame Landschaft, die hin und wieder durch kleine Dörfer oder einzelne Häuser unterbrochen wird. Wir fahren entlang der Laguna Icalma nach Melipeuco, dann weiter nach Cunco und biegen dort wieder in den Nationalpark Villarrica ab und kommen durch wunderschöne Berglandschaft entlang dem Rio Maichin. Vor Pucon biegen wir ab und fahren in den Nationalpark Huerquehue.

 
jetzt geht's los!

An nächsten Morgen stehen unsere Wanderschuhe parat und wir laufen durch den duftenden und wild wachsenden Wald zu drei kristallklaren Lagunen. Die Wanderung ist nicht sehr anstrengend und für unseren Geschmack hat es doch ein bisschen viele Rotsocken unterwegs. Aber man geht auch nicht in der Hochsaison bei strahlendem Wetter auf Wandertour, oder? 
Als wir zurück kommen steigt uns ein würziger Geruch in die Nase und unsere Mägen geben ein lautes Knurren von sich. Die Campingwartin, deren Sohn in der Schweiz arbeitet, hat ihre Familie zum Asado eingeladen und ein riesiges Fleischstück (Schaf) steckt brutzelnd auf einem Spiess und das Fett tropft im Halbminutentakt mit einem Zischen in die Glut. Nach der wohltuenden Dusche kommt mir die Campingwartin entgegen, eine ältere Frau mit umgebundener bunter Schürze, und überreicht mir einen riesigen Teller mit gegrilltem Fleisch - da wir aus der Schweiz sind! Es hat köstlich gemundet.

 
der aktive Vulkan Villarrica

Die nächsten paar Tage haben wir das Glück, bei klarem Sommerwetter und guter Sicht viele Vulkane zu sehen. Wir befahren die Panamericana (Stecke Osorno - Puerto Montt) und ergötzen uns ab dem Anblick der Vulkane Villarrica, Puntigado, Osorno und Calbuco, die unbeweglich und starr in der Ebene stehen und, wie bei einem Schönheitswettbewerb wollen sie sich von ihrer besten Seite zeigen, ihre bizarr und konische Spitze in die Höhe strecken.  

 
kühles Bad im Rio Petrohue

In Puerto Montt kaufen wir unser Ticket für die Fähre von Hornopiren nach Caleta Gonzalo. So haben wir noch ein paar Tage Zeit, um die schöne Fahr von Puerto Montt nach Hornopiren zu geniesse. Es ist heiss und die Tausenden von Tabaños (eine Art Monster-Bremse) plagen uns. Doch wir finden immer wieder nette Übernachtungsplätzchen, eine sogar mit hauseigenem Pool am Rio Petrohue.

 
Fischerboote in Hornopiren

Am 28. Januar 2008 treffen wir Joly & Ingo am Hafen von Hornopiren und wir fahren zusammen auf die Fähre. Diese ist rudimentär eingerichtet und ich bleibe die etwas mehr als 5 Stunden im Auto, da es dort am bequemsten ist. Der kühle Drink an der Bord-Bar fällt somit ins Wasser. 

 
Fähre von Hornopiren nach Caleta Gonzalo

Nun kommen wir zu einem Teil der Carretera Austral, den wir schon zwei Mal befahren haben. Da dieses Stück aber so wunderschön ist, wollen wir es uns nochmals ansehen. Ich verzichte aber auf eine detaillierte Berichterstattung. Näheres kann unter den Reiseerzählungen von 2004 unter 07 Rodeo und Gauchos / 08 Mate und Petri Heil / 09 Pumalin, wo der Puma wohnt, nachgelesen werden. Dieses Mal fuhren wir 17 Tagen von Caleta Gonzalo nach Cochrane und hatten (ausser an zwei Tagen) traumhaft, warmes Sommerwetter. Die Strasse wird an vielen Orten ausgebaut, d.h. verbreitert, was zur Folge hat, dass der wildromantische Touch etwas verloren geht. Doch in ein paar Jahren wird man wohl von den Strassenbau-Narben nicht mehr viel sehen. Auch werden entlang der Strassen an vielen Stellen Zäune aufgestellt. Und, der Verkehr hat zugenommen, obwohl er sich immer noch sehr in Grenzen hält, trotzdem, es hat mehr Touristen.

Was uns etwas geschockt hat war die Umfrage einer Studentin, die uns mitteilte, dass eine reiche Familie in Norden, die ihr Geld mit dem Minenbau verdient, ihren Strom hier unten beziehen will. Sie wollen mehrere riesige Dämme bauen, vorwiegend am Rio Baker, und den Strom über hässliche Strommasten so in den Norden transportieren. Nun verstehen wir auch die vielen Plakate entlang den Strassen in Patagonien, die auf dieses Dilemma hinweisen. Im März 08 soll die Abstimmung sein und wir sind gespannt auf das Ergebnis. Doch wie so oft wird die Natur wahrscheinlich keine Chance haben.

 
Eines der Plakate gegen den Bau der Dämme !!!

Cochrane habe ich als kleines Dorf mit einer gemütlich aber belebten Plaza, zwischen deren Bäumen peppige südamerikanische Musik mitschwingt, an dessen Strassenseiten Internet-Cafes, Bäckereien und eine wunderbar sehenswerte Ferreteria, die Artikeln wie Nagel, Hammer und Zange, sowie Gewehre, Gusseisenöfen und Pferdezaumzeug, Kleider Garn und Zwirn und natürlich auch Lebensmittel anbietet, stehen, in Erinnerung. Auch war dies beide Male der Platz, wo man sich getroffen hatte, obwohl man nichts vereinbart hat. Mit diesem Gedanken fahren wir an die Plaza, die Musik erklingt wie dazumal und wir treffen hier Erika & Claude, die wir schon in der Schweiz kennen gelernt haben und mit denen wir uns irgendwann und irgendwo in Südamerika mal treffen wollten. Wir verbringen einen schönen Nachmittag auf einer sonnenbeschienen Bank der Plaza, essen frische Empanadas und unser Fuss wippt zur peppigen Musik. Es gibt Dinge, die ändert sich wohl nie. (zum Glück!)

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