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...die, in der wir
unseren ersten Kondor erblicken (Folge
105)
Wir lassen Bariloche hinter uns und durchqueren das argentinische 7-Seen-Gebiet. Wir sind umgeben von Südbuchenwälder, glasklaren Flüssen und Türkis schimmernden Seen. Unsere Augen können sich kaum satt sehen. Wir kommen wieder zum Lago Aluminé und ab hier wird es trockener. Die Südbuchenwälder werden durch einzelne Araukarien ersetzt, die Seen verschwinden und aus den glasklaren Flüssen werden kleine, schlammige Rinnsale.
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| eigenartige Felsformationen umgeben von Araukarien |
Wir fahren über die Ruta 23 nach Las Lajas. Es ist unser 100. Reisetag in Südamerika und wir werden ihn immer in Erinnerung behalten. Die Schotterstrasse führt uns auf eine Höhe von 1500 m.ü.M. Rechts begleitet uns die Bergflanke, die aus bizarren Felsformationen besteht und die alle paar Augenblicke wieder anders aussieht. Die Farben und Formen sind fantastisch. Links von uns liegt in der Tiefe ein Fluss, der nur wenig Wasser führt. Schon von weitem können wir durch den feinen Staub in der Luft, den die Tiere mit ihren flinken kleinen Hufen aufwirbeln erkennen, dass wir wieder einem "Andenabzug" näher kommen. Wir überholen Gauchos, die, gefolgt von ihren 4-6 Hunden, ihre Tiere in tiefere Lagen treiben. Die Herde besteht meistens aus über 1000 langhaarigen Ziegen, ein paar Rinder und einigen Pferden. Die Gruppe ist oft ein bis zwei Wochen unterwegs bis sie in ihr Wintercampo kommt. Wechseln sie dann wieder in ihr Sommercampo, benötigen sie je nach härte des Winters ein bis zwei Wochen länger, da die Tiere geschwächt sind. Beim Wechsel des Campos kommt alles mit, Kleider, Lebensmittel aber auch Kochherd und Töpfe. Obwohl für uns so ein Leben einen romantischen Touch hat, ist es ein hartes Leben ohne Luxus, dafür ein Leben in und mit der Natur. (mündliche Quelle: Thomas und Yvonne)
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Wir kommen auf die Teerstrasse und können locker in unseren Sitzen lümmelnd uns unserem Geschwindigkeitsrausch hingeben. Unser Blick schweift über die trockene Ebene bestehend aus Staub, Steine und dürre Grasbüschel. Kurz vor Chos Malal finden wir ein nettes Übernachtungsplätzchen in einem Kiesbett am Fluss. Wir kochen, während wir dazu einem Hörspiel lauschen und zwischendurch mit einem Glass Rotwein auf unseren 100. Reisetag anstossen. Als wir es uns in unseren Schlafsäcken gemütlich machen, das Buch schon aufgeschlagen und im Krimi eingetaucht sind, erschrecken wir plötzlich, als wir hören, dass jemand über die grossen Kieselsteine schleicht, die um unser Auto liegen. Ich bin plötzlich hellwach und starr vor Schreck. Wir warten beide fünf Minuten und dann flüstert Erich, er will mal rausgehen und nachschauen. Ich bin aber dagegen, denn schon sehe ich vor meinem imaginären Auge mindestens fünf Banditen, die schwer bewaffnet um unser Auto stehen. So kriechen wir ganz langsam und leise wieder aus unseren Schlafsäcken, ziehen das Dach blitzschnell runter und sitzen einige Sekunden später im Führerhaus auf unseren Sitzen. Erich startet den Motor und dann schaltet er das Licht an. Alles um uns ist hell erleuchtet und ich bin fast enttäuscht! Wieso steht da draussen keiner? Es ist totenstill und kein Mensch oder Tier weit und breit in Sicht. Oder sehe ich doch ein Mäuschen, dass über die Kiesel hopst? Trotzdem bin ich fest entschlossen, diese unheimliche Gegend zu verlassen und so fahren wir nach Chos Malal auf den städtischen Campingplatz. Der Campingwart schaut etwas komisch, nicht weil wir "spät" kommen, es ist erst nach 22.00 h, also für argentinische Verhältnisse die richtige Zeit für ein Check-In, sondern weil wir beide noch unsere Schlafmontur tragen. Peinlich, wir im Partner-Look. Mit diesem Outfit würden wir unter normalen Umständen nie unser Auto verlassen. Doch es ist heute ein besonderer Tag, unser 100. Reisetag!
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| Strasse durch die Pampa |
In Chos Malal gibt es nicht wirklich etwas weltbewegendes anzusehen und nachdem wir den Turm der Stadt besichtigt haben, Diesel getankt und nach dem 3 Versuch endlich ein Internetkaffe gefunden haben das offen ist, fahren wir weiter. Die Strasse führt uns nordwärts durch wunderschöne, bergige Pampa, immer zwischen 800 - 1500 m.ü.M. Wir überqueren die Staatsgrenze, d.h. wir wechseln von Neuquen nach Mendoza. Wir sind erstaunt als nach der Staatsgrenze die Schotterstrasse in ein super Teerband wechselt. So düsen wir dahin und können ungehindert unserer Musik lauschen, die aus dem CD-Player trällert. Doch was ist das? Nach 17 km rumpeln wir plötzlich wieder auf einer Art Teer, der aber nur noch durch grosse Löcher zusammengehalten wird. Zum Teil ist nur noch ein dünner asphaltierter Mittelstreifen übrig, dessen Rand wegbröckelt. So erhält doch der Spruch "ein dünnes Teerband durchquert die endlose Wüste" eine ganz andere Bedeutung.
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| Teerstrasse oder Schotter? (beim NP El Leoncito) |
Mitten im Nichts kommen wir nach
Malargüe. Hier wurde früher Vieh- und Landwirtschaft betrieben und eine grosse
hydraulische Mühle aus dem Jahre 1878 zerkleinerte Korn für die Bauern. Doch
1932 wurde mit einem Schlag, bzw. mit dem Ausbruch des Vulkans Descabezado alles
anders. Ein heftiger Aschenregen begrub vieles unter sich und die Asche drückte
auch das Dach der Mühle ein. Der Kornanbau wurde aber durch den Vulkanausbruch
so stark erschwert, dass die Mühle nicht mehr gebraucht wurde, und so wurde sie
auch nicht mehr repariert. Heute steht die Mühle immer noch und die Stadt
möchte sie restaurieren.
Wir entschliessen uns, einen Tagesausflug zu der Laguna de Llancanelo zu
unternehmen. Die Landschaft ist flach, doch am Horizont, oder schon etwas näher, erheben sich konische Gipfel der Vulkane.
Die Farben Rot und Braun überwiegen hier stark
und als wir zur Lagune kommen, nimmt noch ein salziges Weiss unsere Augen in
Anspruch. Die Lagune ist riesig und die vielen Flamingos stehen weit in der
Ferne und wir können nur noch kleine rötliche Punkte ausmachen. Am Rande der Lagune können wir parkieren und
spazieren drauf los. Es wird etwas sumpfig und die Feuchtigkeit steigt uns,
begleitet mit einem
muffigen Geruch, in die Nase. Wir fahren auf den Aussichtsberg hoch und
können einen 360° rundum Blick erhaschen.
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| Laguna de Llancanelo |
Wir fahren weiter durch die flache Pampa und biegen kurz vor San Rafael zum Stausee El Nihuel ab und kommen in eine Märchenlandschaft. Zuerst denken wir noch, wo soll hier in dieser Ebene eine Schlucht sein? Doch plötzlich tut sich vor uns die Erde auf und wir fahren eine enge Schotterstrasse in Serpentinen hundert Meter in die Tiefe.
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| Serpentinen in die Atuel-Schlucht |
Die Argentinier vergleichen die Atuel-Schlucht gerne mit dem Grand Canyon in den Staaten. Zuerst begleitet uns ein dünner kleiner Bach, der fast kein Wasser führt. Doch unsere Blicke hängen an den Felsen, die zu beiden Seiten andere Gesichter zeigen. Rechts sehen wir glatte Felsen, die steil in die Höhe führen und sich nicht entscheiden können, ob sie nun Rot oder Orange leuchten. Links ragen eigenartige Säulen in die Höhe die aussehen, als ob ein mächtiger Betonmischer graue Masse aufgehäuft hätte. Wieder Rechts wird die glatte Felswand zu beulenartigen Felswände, die wohl vor Tausenden von Jahren ausgewaschen wurden. Ich komme mir vor wie bei einem Tennisspiel in Zeitlupe - Kopf nach rechts, dann wieder nach links und rasch wieder nach rechts drehen. Unser Übernachtungsplatz ist heute oberhalb der Schlucht mitten zwischen grossen Kakteen.
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Atuel-Schlucht |
Am nächsten Tag sind wir schon um 10.00 h unterwegs und kommen genau 2 Kilometer weit, bis wir zum Mirador El Submarino kommen und dort das Auto von Yvonne und Thomas stehen sehen. Die beiden frühstücken gemütlich auf der Klippe. Mittels E-Mail konnten wir bisher noch kein Treffpunkt vereinbaren, uns so freuen wir uns umso mehr, uns einfach so über den Weg zu laufen. Wir verbringen einen gemütlichen Tag am Mirador El Submarino und können einen Kondor beobachten, wie er die Thermik abwartet, sich dann im geeigneten Moment von der Felswand abstösst und mit ausgebreiteten Flügel 10 Meter über unseren Köpfen davon segelt. Am Nachmittag hüpft Popkorn aus Yvonnes Küche und feines Fleisch wird mit Thomas' neuem Gauchomesser in 4 mundgerechte Stücke (à 200 gr.) geschnitten. Aus unserer Gemüsekiste rollen noch Orangen, die mit dem restlichen Campari einen erquickenden Apéro ergeben. Abends ist es noch angenehm warm doch es wird bald dunkel. Wir testen zum ersten mal unsere super Stablampe, die wir von Sandy und Tom bekommen haben und hängen diese an Thomas' Riesenstativ auf. Wir quatschen bis tief in die Nacht und unsere Gesichter leuchten, nicht von der Stablampe und auch nicht vom Alkohol sondern, weil wir heute doch etwas zu viel Sonne erwischt haben.
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| Frühstücksplatz beim Mirador El Submarino |
Am nächsten Tag trennen sich unsere Wege, denn bei uns geht es weiter nach Mendoza und Yvonne und Thomas wollen noch durch die Schlucht fahren. Wir kommen zuerst durch San Rafael, welches von Weintraubenfelder umgeben ist. Die Früchte hängen prall und reif an den Reben und überall kreuzen wir LKW vollbeladen mit abgelesene Trauben. In Mendoza wollten wir eigentlich ein paar Tage auf dem Camping bleiben, doch es reicht gerade für einen Wäsche-Nachmittag. Nach einer sehr laute Nacht packen wir alles zusammen und fahren weiter nach Tibet.
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