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Der mächtige Zuckerbaron Ledsman, der
riesige Zuckerrohrfelder in Salta und Tucuman besitzt, war massgeblich am
Bestehen des Nationalparks Calilegua beteiligt. Würde nämlich ein Teil des
subtropischen Regenwaldes des Nationalparks verschwinde, würden die Berge nicht mehr so viel
Wasser spenden und der Zuckerbaron könnte seine Felder nicht mehr bewässern.
Somit hat die Erhaltung dieses Gebietes nichts mit Naturliebhaberei und Umweltschutz zu
tun sondern nur mit Macht und Geld. Dieser Nationalpark liegt nord-östlich von
Salta und in bergigem Gebiet, in den Yungas. Yungas bezeichnet man bewaldete
Berge. So wachsen am Fusse des Berges andere Pflanzen und Bäume, wie in
den höheren Lagen. Der höchste Punkt im Calilegua-Park liegt auf 3'600 m.ü.M.
Wir bleiben für zwei Nächte hier, unternehmen kleine Spaziergänge und fahren
mit dem Auto hoch hinaus in die Berge. Die Flora ist toll und wir bekommen auch
noch einen Bronzeguan (Pava de monte común) zu sehen. Sein Fleisch ist sehr
schmackhaft, deshalb ist er auch nur noch in geschützten Wäldern anzutreffen.
Ebenfalls rennt noch irgendetwas grosses, pelziges durch den Wald. Es war kleiner wie ein
Puma und doch grösser als ein Fuchs. Was könnte das wohl gewesen sein?
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| Nationalpark Calilegua |
Für uns geht es nun weiter Richtung Osten auf der Ruta 81 durch den Chaco, ein flaches Schwemmland, das sich von den nördlichen Rändern der Provinzen Santa Fe und Cordoba nordwärts über die ganze Provinz Chaco bis ins westliche Paraguay, das östliche Bolivien und den südwestlichen Zipfel von Brasilien erstreckt. Im Westen beginnt der Chaco Seco (trockener Chaco) mit fast undurchdringbaren sperrigen Dornengebüschen, und geht dann zum Chaco Humedo (feuchter Chaco) mit Galeriewäldern, Sümpfen und Palmsavannen über. Zum Glück ist die ganze Strecke schon geteert, denn bei Regen kann es hier auch im trockenen Chaco recht schlammig werden. Die Fahrt ist gigantisch! Das Asphaltband endet am Horizont in einem kleinen schwarzen Punkt, rechts und links säumen Flaschenbäume den Weg. Dazwischen sitzen oder flattern allerlei verschiedenartige Vögel. Andauernd sehen wir wieder Guirakuckucke, die mit ihrer struppigen Frisur einfach köstlich aussehen, erhaschen einen Blick auf die Kappenblauraben, die mit ihrem schwarz-gelben Kleid und dem leuchtenden Blau um ihr Auge stolz von ihrem Sitz herabblicken. Grünleuchtende Aras und Sittiche fliegen in Schwärmen und laut kreischend über uns, Raubvögel sitzen auf ihrem Aussichtspunkt und würdigen uns keines Blickes, wieso auch? Herzige kleine Vögel ganz in Weiss mit einem kleinen schwarzen Fleck fliegen flink davon, wenn wir vorbei fahren und auch die Graukardinale bleiben keinen Moment stehen, damit wir sie näher betrachten können. Störche, Jaribus und Rosalöffler lassen auch nicht auf sich warten und stolzieren in voller Pracht auf und ab.
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| Graukardinale, hier still stehend, da am futtern |
Der zweite Tag wird regnerisch, der trockene Chaco ist in den feuchten Chaco übergegangen und wir haben Abends wirklich mühe, einen Übernachtungsplatz zu finden, denn alles ist sumpfig und nirgends können wir von der Strasse wegfahren. Bevor es eindunkelt, finden wir aber einen geteerten Platz gleich neben der Strasse bei einem Gaucho Gill-Schrein.
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| schon wenig Regen verwandelt die Strasse in Schlammpisten |
Der 28. Juni beginnt ruhig und wir wollen es heute etwas lockerer angehen, da wir in den letzten beiden Tagen fast 800 km hinter uns gelassen haben. Wir brausen die paar Kilometer nach Formosa. Kurz vor der Stadt halten wir an der YPF-Tankstelle, da wir noch aufs Klo müssen. Die Damentoiletten ist abgeschlossen und so hole ich den Schlüssel bei der Restaurantkasse. Am Schlüssel hängt ein megamässiger Plastikkanister, wohl damit der Schlüssel wieder den Weg zurück zur Kasse findet. Nun marschiere ich schnellen Schrittes zur Tür, schliesse auf und, während der Drehbewegung des Schlüssels gehen mir mehrere Gedanken gleichzeitig durch den Kopf. Wo soll ich den Schlüssel hintun. Halten? - unpraktisch, auf den Boden legen? - unhygienisch, wieder ins Schlüsselloch? - wohl das Beste, vor allem desalb, weil ich es sehr eilig habe und mir kein weiterer Gedankenblitz durchfährt. Ein paar Augenblicke später bin ich wieder an der Tür, irgendwie hat sich der Schlüssel bewegt - als ich ihn platzierte oder jetzt? - ich weiss es nicht mehr, jedenfalls kann ich am Schlüssel drehen wie ich will, die Tür lässt sich nicht öffnen. He? Mein erste Reaktion ist mich um zusehen, ob da irgendwelche Fenster vorhanden sind. Als ich zwei sehe und ich mir vorstellen kann, notfalls durchzuschlüpfen, beruhigt sich mein Herzschlag wieder etwas. Schon bald ruft Erich, "Fränzi, was isch los?" Ich muss nicht viel erklären und er holt den Typ der Restaurantkasse. Mit einem Zweitschlüssel wird von aussen versucht, die Tür zu öffnen, doch auch die bringen es nicht fertig. Die Mutter des Typ kommt und meint, sie ruft einen "mecanico". Als Erich fragt, wie lange das wohl dauert meint der Typ zur Mutter, es muss was geschehen, man muss mich sofort retten. Die Tür sieht nicht sehr stabil aus und Erich ruft, ich soll ganz weit weg von der Tür stehen, sie versuchen, diese einzuschlagen. Doch auch die harten Hieben hält die Türe stand. Endlich ist der mecanico da und er bricht die Türe mit einer grossen Eisenstange auf. Nun muss ich sagen, dass ich schon 30 Minuten eigesperrt war und natürlich durch diese Aufregung wieder das Bedürfnis hatte, aufs Klo zu gehen. Ha, bin ja am richtigen Ort. Als die Tür aufspringt, passiert des im ungünstigsten Moment. Naja, Erich meint nur, typisch Fränzi. Der Tankstellencrew ist es äusserst unangenehm, dass ich eingesperrt war und wir bekommen eine Schachtel Pralinen. So geht das! (Das war übrigens kein Trick, um an Schokolade ranzukommne)
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| Rio Paraguay |
sumpfig und schlammig, welshalb wir auch nicht in den Nationalpark Pilcomayo fahren können.Im Carrefour in Formosa können wir uns mit Köstlichkeiten eindecken, schlemmern unseren Lunch am Rio Paraguay und Blicken auf die gegenüberligende Uferseite, welches zu Prarguay gehört. Nun fängt die öde Sucherei an. Alle Campingmöglichkeiten stehen entweder unter Wasser oder existieren nicht mehr. Wir suchen Stunde um Stunde und kommen kurz vor dem Eindunkeln in dem naheliegenden Herradura zu einem netten Campingplatz. Wir stellen unser Auto gleich neben den Rio Paraguay, über uns in den Bäumen knabbern die Brüllaffen an den Blättern und die Graukardinale picken am Boden nach Übriggebliebenem. Hier lassen wir es uns 3 Nächte gut gehen und als wir am letzten Abend bezahlen wollen, meint eine Frau, auf unsere Frage, ob wir ihr das Geld geben könnten, ja sie sei dei Schwester. So wäre das wohl erledigt. Doch am nächsten Morgen kommt der Campingwart und meint, wir sollen doch noch bezahlen. Es stellt sich heraus, dass die alte, gefitzte Frau nicht seine Schwester ist und so bezahlen wir ein zweites mal. Nun, unsere Gefühle wechseln zwischen Ärger und Staunen und zum Schluss überwiegt unser Lachen. Die Frau ist clever, und hat somit unsere Pesos mit ihrer spontanen Reaktion verdient.
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| Camping-Brüllaffe |
Wir verbringen zwei Nächte im
Nationalpark El Chaco. Es ist heiss, die Landschaft nicht sehr überwältigend,
vorwiegend Galleriewälder, Staubstrassen und kleine Lagunen. Wir unternehmen
einen kleinen Ausflug zu einer Lagune, wo wir zwei kleine Kaimane aus dem Wasser
lugen sehen. Auch Rallen und andere Wasservögel zwitschern, staken im Wasser
oder fliegen über die Lagune. Zurück im Auto messen wir im Schatten
32°C.
Wir besuchen den Nationalpark Mburucuyá und können viele Wasservögel, Kaimane
und Wasserschweine beobachten. Dann kam der Regen und wir fuhren raus, denn die
Erdstrasse wird bald schlammig.
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| Wasserschwein - nicht Ratte |
Wir fahren wieder nach Resistencia,
kaufen ein und wollen irgendwo am Rio Paraná übernachten. Doch es ist wie
verhext, wir fahren so viele Plätze an, doch nirgends können wir bleiben. Es
wird schon dunkel und mit der spärlichen Strassenbeleuchtung fühle wir uns
nicht mehr sicher auf der Strasse. Zu viele grosse Löcher, zu viele
unbeleuchtete Autos, zu viele Pferdekarren ohne Licht, einfach zu viele Gefahren
für uns. So steuern wir die letzte Möglichkeit an, die YPF-Tankstelle mit
grossem Parkplatz. Es wird gar nicht so übel. Unser Weg führt uns entlang dem
Rio Paraná gegen Süden. Wir wollten noch in die Sümpfe von Iberá, doch der
Regen, der uns wieder überrascht hat, verwandelt die Erdstrasse in eine
unüberwindbare Pappe. So fahren wir ein paar Tage später in Concordia ein.
Durch den Nebel, der die Hitze begleitet und die heruntergekommenen Gebäude der
Stadt bekommt Concordia von uns leider keine Auszeichnung. Auch als wir vor dem
Postgebäude warten, einfach kein Mensch kommt, obwohl die Öffnungszeiten uns
klarmachen, dass die Post offen sein sollte, treibt die Beliebtheitsskala nicht
in die Höhe. Doch das ist, wie sich etwas später herausstelt, unser Fehler,
denn es ist heute der 9. Juli. Da im kleinsten Dorf in Argentinien sicher eine
Strasse 9 julio heisst, hätte uns eigentlich auffallen sollen, das heute ein
Feiertag ist. Am 9. Juli 1816 wurde vom Nationalkongress in Tucumán die
Unabhängigkeit Südamerikas erklärt, der neue Name lautete; Vereinigte
Provinzen von Südamerika.
Wir fahren wieder etwas raus aus der Stadt und finden einen Camping zum
übernachten. Die Frau wollte zuerst den doppelten Preis, ging aber auf unser
Handln ein, und so konnten wir doch noch zu einem vernünftigen Preis
übernachten. Der nächste Tag auf der Post lies mich wieder mal staunen. Ich
war die 36ste in der Schlange. Vier Schalter waren besetz, wobei 2 Mitarbeiter
über 40 Minuten mit dem gleichen Kunden beschäftigt waren. So warteten alle
geduldig, auch ich.
| B |
Unser letzter Nationalpark auf unserer Argentinienrunde ist der NP El Palmar.
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