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...die, in der wir uns auf die Spur der Drachenjäger begeben  
(Folge 113)

Es ist kalt draussen und wir verlassen die Schweiz Richtung Frankreich. Über den Ballon d'Alsace, der auf 1100 m.ü.M. liegt, fahren wir durch Schneematsch. In Verdun legen wir einen Halt ein uns schauen uns die grausigen Kriegsplätze des 1. Weltkrieges an. Im Jahre 1916 fanden hier 300'000 Soldaten den Tod, und die riesigen Friedhöfe erinnern an diesen furchtbaren Krieg.

       
Soldatenfriedhof bei Fleury

Ein kleiner Rückblick:
Im Januar 1915 spürte man, dass etwas im Anzug war. Zunächst durch Horchposten erkannte Anzeichen, die aber mit jedem Tag deutlicher wurden: Rollen von Karren, immer zahlreichere Kolonnen von Wagen, Ausgraben von Stollen usw. Durch das Hügelland und die darin zerstreuten Buschwäldchen wurden die deutschen Vorbereitungen begünstigt. Eine gewaltige Artilleriemasse wurde zusammengezogen, über 1'200 Geschütze, darunter 700 Schnellfeuerkanonen grössten Kalibers, 33 über 30.5 cm und die 42-Zentimeter-Mörser. Die furchtbaren Flammenwerfer wurden ebenfalls gestapelt.

Am 21. Februar 1916 um 7 Uhr 15 bei klarem Himmel und auf hart gefrorenem Boden entfesselt sich ein Trommel- und Vernichtungsfeuer, das an den Weltuntergang denken liess. Bis 16 Uhr überschwemmt eine wahre Sintflut von Granaten das ganze Gelände. Um 16 Uhr 45 geht die deutsche Infanterie hinter der Feuerwand des Flammenwerfertrupps in den festen Überzeugung vor, das Gelände bald in Besitz zu nehmen.

Am 22. Februar 1916 fällt Oberstleutnant Driant und von 1'200 Jägern kommen nur 98 mit dem Leben davon. Im Haumont, von 8 eingesetzten Kompanien des I.R. 362 bleiben 64 Mann übrig.

Am 23. / 24. Februar wütet die Schlacht weiter. Die Deutschen nehmen die ersten und zweiten französischen Stellungen ein und bahnen sich den Weg nach Douaumont, welches sie am 26. Februar überrumpelten.

Zwischen dem 27. Februar und dem 6. März erreichten 25'000 Tonnen Munition, 488 Geschütze und 190'000 Mann die Verdun-Front.

Im April und Mai herrschen Vor- und Gegenstösse. Es begann eine Zermürbungsschlacht, die der Schlacht um Verdun ihren furchtbaren höllischen Charakter verlieh.

Gewaltige deutsche Vorstösse am 23. Juni und am 11. / 12. Juli. Fleury (die Gegend, wo heute das Gedenkmonument steht und früher ein Dorf war) wechselte zwischen 23. Juli und 17. August 16-mal die Besitzer.

Französischer Angriff am 24. Oktober 1916. Am 2. November wird das Fort Douaumont wieder erobert, das den heiligen Talkessel von Verdun sowie das Fort Vaux beherrscht. Ebenfalls französische Angriffe am 15. Dezember.

Monatelang trat in Verdun beinahe Stille in, wo in Flandern, in der Picardie, an der Somme und auf dem Damenweg erbittert weiter gekämpft wurde.

Französische Angriffe vom 20. August 1917 auf einer Front von 20 Kilometern. Am 25. November 1917 kehren die Nordhänge der Höhe 344 bis zur Anglemont-Schlucht in französischen Besitz zurück.

Als einziger Nachschubstrasse nach Verdun verbindet der "Heilige Weg" die 58 Kilometer entfernte Stadt Bar-Le-Duc mit der Festung. Die einzige Kleinbahn dient dem Transport der Verpflegung und eines Teiles vom Material. 13 Instandhaltungsbataillone, eine rastlose Arbeit und strengste Fahrdisziplin gewährleisteten ab 29. Februar 1916 den Betrieb eines endlosen Kette, der sogenannten "Noria" (Paternosterwerk). 90'000 Mann werde pro Woche transportiert. 3'500 Lastautos und über 11'000 weitere Fuhrwerke, darunter Personenwagen, leichte Lastautos, Sanitäts-, Post- und Pionierwagen, Artillerie und Rundfunktransporte usw. benutzten den "Heiligen Weg" ununterbrochen, d.h. jede 14-te Sekunde fuhr ein Wagen vorbei. Um zu vermeiden, dass der Weg im Winter zu einem Schlammstrom wurde, liess General Pétain am Rande der Chaussee Steinbrüche eröffnen und befahl, die Landstrasse ununterbrochen im Stande zu halten. Sie wurde ohne Verkehrsunterbrechung 24 Stunden am Tag unterhalten.

In den schweren Kämpfen war eines der wenigen Kommunikationsmittel die Taube, die eine Botschaft schnell und weit bringen konnte. Die militärischen Taubenschläge besassen 1914 14'000 Tauben, und 1918 24'000 Tiere. Insgesamt haben während des Krieges 60'000 Tauben auf französischer Seite gearbeitet.

Im Rethondes Wald bei Compiègne diktiert Foch als Oberbefehlshaber der Allierten Feldheere am 11. November 1918 die Waffenstillstandsbedingungen. Der Krieg endet mit dem totalen Sieg der Allierten.

      
Schützengraben bei Fleury - Verdun

Wir verlassen Verdun, früher die Hölle und Kriegsschauplatz, heute eine friedliche Landschaft die in der fast winterlichen Kälte wie erstarrt scheint. In Calais können wir um 17.00 h noch auf die Fähre huschen, die uns in 90 Minuten über den Ärmelkanal nach Dover bringt. Etwas ausserhalb verbringen wir die erste Nacht auf englischem Boden und mit Windböen, die uns das Dach schliessen lassen. 

      
unser zweites Übernachtungsplätzchen bei Alfriston

Der Linksverkehr ist etwas gewöhnungsbedürftig, doch wir kommen gut durch den Verkehr. Die Nebenstrassen sind äusserst eng und wir fahren durch tunnelartige Landschaft, da die Hecken hoch hinaus wuchern und rechts und links fast keine Aussicht lassen.

   
eingezäuntes Stonehenge

Einer unser ersten Besuche widmeten wir dem magischen Steinkreis von Stonehenge. Leider sind die gigantischen Steine durch einen Gitterzaun geschützt und ein besinnliches Bestaunen ist nicht mehr möglich. Wir lassen es uns aber nicht nehmen, 200 Meter neben dem Steinkreis unsere fahrbare Wohnung auf einem Feldweg abzustellen und dort vor Ort zu übernachten.

Die Anlage ist in drei Phasen entstanden. Etwa 3'100 v. Chr. wurde ein kreisrunder Erdwall und ein Graben errichtet. Über die zweite Phase bestehen nur ungenaue Daten, doch die dritte Phase um etwa 2'600 v. Chr. wurde in der Mitte des Heiligtums etwa 80 grosse Steine in zwei Halbkreisen aufgestellt. Diese Steine stammen aus Pembrokeshire (Wales), 380 km von Stonehenge entfernt. Um etwa 2'200 v. Chr. fand die Hauptbautätigkeit statt. Nun wurden 74 weitere Steine (Sarsensteine) errichtet, die den heutigen Gesamteindruck von Stonehenge bestimmen. Alle 74 Steine stammen aus dem 30 km entfernten Steinbruch bei Marlborough und die kleineren wiegen um die 25, die grösseren bis 50 Tonnen.

Natürlich gibt es viele Spekulationen, wie die Steine (falls nicht von Gletschern) transportiert wurden. Ein Experiment im 2001 bestand darin, einen grossen Stein entlang des vermuteten Land- und Seeweges von Wales nach Stonehenge zu transportieren. Viele Freiwillige zogen den Stein auf einem hölzernen Schlitten über Land und verluden ihn auf ein nachkonstruiertes Boot, wie man es zu dieser Zeit vermutet. Dieses überstand die raue See im Bristolkanal nicht und sank samt dem Stein.

Für die Errichtung der einzelnen Phasen von Stonehenge gibt es Schätzungen zur menschlichen Arbeitskraft, die notwendig war. Die Summe übersteig dabei mehrere Millionen Stunden. Phase eins hat schätzungsweise 11'000 Stunden Arbeit benötigt, Stonehenge zwei ca. 360'000 und die Phase drei könnte bis zu 1.75 Millionen Arbeitsstunden benötigt haben. Die Bearbeitung der Steine setzt man auf etwa 20 Millionen Arbeitsstunden an, insbesondere in Anbetracht der in dieser Zeit einfachen Werkzeuge. Der Wille zur Errichtung und Pflege dieses Bauwerks muss stark gewesen sein und erforderte eine ausgeprägte Sozialorganisation. Neben Planung, Transport, Bearbeitung und genaue Aufstellung der Steine musste jahrelang eine gut organisierte Produktion der Nahrungsmittel für die Arbeiter sichergestellt werden. Man stelle sich nur die Lohnkosten heute vor?

Unwahrscheinlich ist, dass die Ausrichtung zufällig ist. Am Morgen des Mittsommertags, wenn die Sonne im Jahresverlauf am nördlichsten steht, ging die Sonne direkt über dem Fersenstein auf und die Strahlen der Sonne in gerader Linie ins Innere des Bauwerks, zwischen die Hufeisenanordnung eindrangen. Die geografische Breite musste also genau errechnet oder durch Beobachtungen ermittelt worden sein. Stonehenge könnte auch dazu benutzt worden sein, die Sommer- und Wintersonnenwende und die Frühlings- und Herbsttagundnachtgleiche vorauszusagen und Priesterkönige benutzten dieses Wissen vielleicht, um das Überleben der Menschen in der Landwirtschaft zu sichern, da Aussaat und Ernte davon abhingen. Stonehenge war eventuelle ein Kalender und diente zur Vorhersage der verschiedenen Jahreszeiten anhand der Positionen von Sonne und Mond zur Erde. (Aber, vielleicht konnte man früher auch in eine andere Zeit reisen?)

Früher war der Fersenstein als Friar's Heel (Mönchsferse) bekannt. Eine Sage, die frühestens auf das 17. Jh. datiert werden kann, erzählt den Ursprung des Namens:
"Der Teufel kaufte die Steine von einer Frau in Irland und brachte sie zur Salisbury Plain. Einer der Steine fiel in den Fluss Avon, den Rest legte er in der Ebene ab. Der Teufel schrie laut heraus, "Niemand wird herausfinden, wie diese Steine hierher kamen." Ein Mönch antwortete ihm "Das glaubst aber nur du!", worauf der Teufel einen der Steine nach ihm warf und ihn damit an der Ferse traf. Der Stein bleib im Boden stecken und bekam so den Namen." 

   
vor der Markthalle

Der übernächste Tag entpuppt sich für uns wieder als Glückstag, denn wir kommen ganz unverhofft in eine Schafsauktion. Wir fahren durch das herzige Rhayader und können uns schon beim durchfahren zwischen den engen Strassen, den hübschen Häusern und vielen alten Schildern kaum satt sehen. Zuerst riechen wir sie und dann sehen wir beim Vorbeifahren die vielen Schafe auf dem grossen Platz. Wir erwischen den letzten Parkplatz an der Strasse und wollen nur rasch gucken.... Auf dem grossen Platz drücken sich viele Schafe in kleine Gruppen umher, blicken etwas ängstlich in die Gegend. Wir hören den Auktionsleiter laut rufen und wollen natürlich in die Markthalle ein Auge werfen - und flutschen in eine andere Welt, in die vom "Doktor und dem lieben Vieh".

   
Spektakel der Schafauktion


 

 
Haus bei Alfriston   herziges Restaurant

Einer meiner Lieblingsautoren, Ellis Peters, die 1995 im Alter von 82 Jahren starb hinterliess viele historische Krimis und Romane, die in der Gegend um Salisbury, und speziell an den Ufern des River Severn, spielten. Klar, dass wir einige der Krimischauplätze besichtigen wollen.

   
  Salisbury-Kathedrale mit Turm  

In Salisbury stellen wir unser Auto auf dem Parkplatz in der Stadt ab und machen uns auf den Weg zur Kathedrale mit dem höchsten Kirchturm (123 m) Grossbritanniens. 1220 wurde der Grundstein der Kathedrale am heutigen Standort gesetzt und 1258, nach relativer kurzer Bauzeit, eingeweiht. Statische Erkenntnisse besass man zur Bauphase noch kaum und die gotische Baukunst wurde auf Erfahrungen von Versuchen bestimmt. Der Turm war mit 6.500 Tonnen für die tragende Konstruktion zu schwer geraten und wäre irgendwann eingestürzt, wenn nicht 400 Jahre später bei einer Inspektion die nachträgliche Stabilisierung durch Strebenpfeiler ergänzt wurde. Trotzdem neigt sich der Turm heute um 70 cm.
Die Uhr im Turm arbeitet seit über 500 Jahren ununterbrochen und ist somit die älteste funktionierende Kirchturmuhr Grossbritanniens.

     
  Front der Salisbury-Kathedrale  

Für uns wird es Zeit, weiterzufahren. Wir fahren zum Ursprung des River Severn, der in Wales als herzig plätscherndes Bächlein entspringt. Weiter geht's durch den Snowdonia Nationalpark. Der Snowdown ist einer der höheren Berge und streckt an dem heutigen Sonntag seine Spitze in den klaren blauen Himmel. Dementsprechend viele Wanderer sind auch unterwegs. Der nächste Tag ist bewölkt und regnerisch, somit bleiben unsere Wanderschuhe vorerst in der Schuhkiste. Wir durchqueren den Lake District und sind ab der atemberaubenden Schönheit der Landschaft, trotz Regen, hingerissen. Auch die Herbstfarben der Bäume mit ihren dunkelbraun bis rot und gelb leuchtenden Blättern und Nadeln sind überwältigend. Dazu kommt der braune Farn- und die dunkelroten Erikaflecken, die die dunklen Hügel übersäen. Und zu guter letzt sind herzige wollige Schafe über die ganze Landschaft gestreut - nur, damit sich unsere Augen ab dem zauberhaften Bild erfreuen können. Wir steuern Schottland an und sind gespannt, wie es dort wohl aussehen mag. 

 

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