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Bevor ich etwas über unsere
Reiseerlebnisse berichte, möchte ich euch einen kurzen Überblick über die
ereignisreiche Geschichte von Schottland näherbringen.
Schottland wurde durch Religion und Innenpolitik gespalten, von einem reicheren
und mächtigeren Nachbarn begehrt und 400 Jahre lang als Partner im Machtkampf
zwischen England, Frankreich und Spanien umworben wie bestraft. Es erlebte
Aufstieg und Niederlagen, erwarb sich romantik aus der Tragödie, Genialität aus
der Armut und bewies einen ununterdrückbaren Geist.
Die frühesten Siedler waren, wie man annimmt, keltische Iberer, die ihren Weg
entlang der Mittelmeerküste nach Schottland fanden und dort vor rund 8000 Jahren
ankamen. Etwa 2000 v. Chr. errichteten ihre Nachfahren majestätische Monolithe,
die man über das ganze Land verstreut findet. Deren Anordnung bei Callanish auf
den Western Isles zeugen von einer fortgeschrittenen Kenntnis der Astronomie.
Damals baute man auch unterirdische Rundhäuser und Forts, die auf Invasionen und
Kriege verweisen.
82 n. Chr. drangen die Römer in "Kaledonien", wie sie dieses Land nannten, ein,
und Tacitus berichtete von Siegen gegen die Pikten (das "bemalte Volk") sowie
andere Stämme. Doch gelang es den Römern nicht, Kaledonien zu erobern, ihre
Mittel waren zu begrenzt. Stattdessen bauten sie den Hadrianswall. Obwohl das
Land vom übrigen Britannien isoliert war, geht man davon aus, dass der
ursprüngliche schottische Kilt auf die römische Tunika oder Toga zurückgeht. 400
n. Chr. hatten die Römer ihre nördlichen Vorposten verlassen, Schottland wurde
in vier Stämme mit je eigenem König aufgeteilt: die Reichen der Pikten, Briten
und Angeln im Süden des Landes sowie der Schotten, der kleinsten, ursprünglich
aus Irland stammenden Gruppe im Südwesten.
Im späten 4. Jahrhundert reiste der Schotte St. Ninian nach Rom und baute nach
seiner Rückkehr in Whithorn eine Kirche. Er führte in "Dalriada", dem Königreich
der Schotten, das Christentum ein.
Die allen gemeinsame Religion erleichterte die Verschmelzung der Stämme. 843
vereinigten sich Pikten und Schotten unter Kenneth MacAlpin. Dabei verloren die
einstmals so starken Pikten ihre Eigenständigkeit. Geblieben sind ihre
herrlichen Steingravuren mit verworbenen Mustern und eine wundersame Mythologie.
890 begann die verheerenden Wikingerüberfälle. Danach waren die Western Isles
370 Jahre lang, Shetland und Orkney fast 600 Jahre lang besetzt. Die Überfälle
veranlassten die Briten, sich "Scotia" anzuschliessen. 1018 wurden die Angeln
besiegt, und Schottland wurde zu ersten Mal ein vereintes Königreich.
Unter dem starken Einfluss von Margaret, seiner englischen Frau, vollzog Malcom
III (1057-93) die Abkehr von der gällischen Kultur und Sprache, die den grössten
Teil Schottlands prägten, und wandte sich der englischen Kultur zu. Diese Kluft
wurde unter dem "guten König" David I (1124-53) noch grösser. Auf seinem Land
entstanden Städte (Burghs), die für jährliche Abgaben an den König besondere
Handelsprivilegien erhielten. Er führte auch ein nationales Rechtssystem sowie
Gewichte und Masse ein, und in den Lowlands ein anglonormannisches Feudalsystem.
Die Macht Davids I basierte auf einer meist französisch sprechenden Aristokratie
und einem System der Landpacht. Der Versuch Davids I, dieses System dem Norden
aufzuzwingen, scheiterte, denn dort hatte man seine eigenen "Könige", die Lords
der Inseln. In den Highlands entwickelte sich ein anderes, auf Verwandtschaft,
d.h. auf Clans basierendes System, Der "Chief" war ein Patriarch, der im Namen
seines Volkes Land besass. Diese Position war vererbbar, das Oberhaupt musste
sich jedoch seinem Clan gegenüber verantworten und konnte im Unterschied zu den
Feudalherren, deren Macht in dem Rechtsanspruch auf ihr Land basierte, durch
gemeinsamen Beschluss abgesetzt werden. Dieser Unterschied spiegelte sich auf
nationaler Ebene: In England wurde der Monarch als König von England bezeichnet,
in Schottland als "King of Scots".
Der Löwe des schottischen Wappens erschien erstmals 1222 auf dem Siegel
Alexanders II in einer relativ friedlichen Periode einer ansonsten von Unruhen
gekennzeichneten Zeit, in der Schottland mehrmals auseinanderzubrechen drohte.
Als die Tochter Alexanders III 1290 im Kindesalter starb, gab es keinen
Thronfolger. Edward I von England setzte einen Marionettenkönig ein, befehligte
1296 eine Invasion und verschleppte den "Schicksalsstein", den schottischen
Krönungsthron, nach London. Schottland lag am Boden und schien verloren. Doch
William Wallace führte einen Aufstand an und entfachte bis zu seiner
Gefangennahme und Hinrichtung sechs Jahre später die Hoffnung der Schotten neu.
Robert the Bruce stellte eine Armee auf, die mit ihrem Sieg über die Engländer
in der Schlacht von Bannockburn bei Stirling am 23. Juni 1314 den Lauf der
Geschichte veränderte: Die Schotten sahen sich einer übermächtigen englischen
Armee gegenüber, die weitaus bessere Waffen besass. Doch Bruce hatte Schauplatz
und Strategie klug gewählt, und die Schotten errangen trotz der geschickten
Bogenschützen und Kavallerie Englands den Sieg. Die Unabhängigkeit Schottlands
war zurück gewonnen, doch erst 1329 wurde ihr souveräner Status durch eine
päpstliche Bulle anerkannt. Dennoch dauerten die Kriege mit England weitere 300
Jahre an.
1371 begann die Dynastie der Stuarts, einer mit Intelligenz und Gespür
gesegneten, aber für Tragödien anfälligen Familie. James I führte Rechtsreformen
durch und gründete die erste Universität. James III heiratete die Tochter von
König Christian von Norwegen und gewann damit Orkney und Shetland. James IV
beendete seine Herrschaft durch eine Fehleinschätzung in der Schlacht von
Flodden, in der 10'000 Schotten umkamen. Die berühmteste der Stuarts war Mary,
Queen of Scots (1543-87), die den Thron schon als Kind bestieg.
Die in Frankreich erzogene Mary war schön, intelligent und geistreich, ihre
Herrschaft aber nicht unproblematisch. Sie war Katholikin in einem Land, das zum
Protestantismus überwechselte, und eine Bedrohung für Elizabeth Im deren
Anspruch auf den englischen Thron umstritten war. Marys unkluge Wahl ihrer
Ehemänner befremdete potenzielle Anhänger.
Als sie mit 18 nach Schottland zurückkehrte, war Mary bereits die Witwe des
französischen Thronerben. Nur sechs turbulente Jahre war sie Schottlands
Königin. sie heiratete erneut, es kam jedoch zu einem Skandal, als ihr zweiter
Ehemann ihren Sekretär ermordete und danach sich selbst. Sie heiratete ein
drittes Mal, jedoch akzeptierten weder die Kirche noch die Öffentlichkeit diesen
Schritt. Nach ihrer Entthronung und Gefangennahme floh Mary nach England, wo sie
jedoch weitere 18 Jahre lang eingesperrt und schliesslich auf Befehl ihrer
Cousine Elizabeth hingerichtet wurde.
Marys Sohn, James VI, hatte 36 Jahre lang regiert, als er englischer Thronfolger
wurde. 1603 verlegte er seinen Hof nach London (wohin er seine Golfschläger
mitnahm). Schottland behielt zwar sein eigenes Parlament, fand es wegen der
restriktiven englischen Gesetzte aber immer schwieriger eigenständig Handel zu
treiben.
James VII wurde 1698 abgesetzt und floh nach Frankreich. 1707 wurde die Union
ausgerufen und das schottische Parlament aufgelöst.
1745 landete Prinz Charles Edward Stuart, Enkel James' VII, mit sieben Männern
heimlich an der westlichen Highland-Küste. Die von Frankreich versprochene
militärische Unterstützung blieb jedoch aus. Sein Aufruf zur Entmachtung des
hannoveranischen Usurpators George II stiess bei den Highland-Chiefs auf wenig
Resonanz. Zudem wurde sein erstaunlich erfolgreicher Vorstoss durch die
unentschlossene Führung vereitelt. Die Rebellenarmee stand schon 200 Kilometer
vor London, als sie sich plötzlich mutlos zurückzog. Bei Culloden, nahe
Inverness, besiegte die hannoveranische Armee (mit vielen Schotten, da dies
keine Frage des Nationalismus war) die Jakobiten (Stuarts) am 16. April 1746.
Bonnie Prince Charlie wurde sechs Monate lang fieberhaft verfolgt, trotz einer
ausgesetzten Belohung von 30'000 Pfund aber nie verraten.
Culloden war der Wendepunkt in der Geschichte der Highlands. Die Schlacht wurde
mit unglaublich repressiven Massnahmen vergolten. Ein Gesetz verbot das Tragen
von Tartans und Waffen sowie das Dudelsackspielen. Die Blutsbande zwischen
Oberhaupt und Volk wurden zerschlagen und eine Gesellschaftsform vernichtet. Die
Chiefs übernahmen die Rolle der Feudalherren, und das Land, das sie einst im
Namen des Volkes besessen hatten, wurde ihr Privateigentum. Als sie befanden,
dass ihr Land günstig für die Schafzucht sei, wurden die dort lebenden Menschen
verjagt. ("Highland-Clearances").
Die Auseisung oder "Entvölkerung" begann um 1760. Manchmal ging sie dank
finanzieller Anreize friedlich vonstatten, meist wurde sie aber mit Gewalt und
Brandschatzung erzwungen. Die bekannteste fand 1814 auf den Ländereien des
Herzogs von Sutherland statt. Als um 1860 durch Königin Victoria die Highlands,
die Hirschjagd und Sportgelände der letzte Schrei wurde, waren die Täler
Schottland so verlassen wie heute.
(Quelle: Vis-à-Vis Schottland)
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| Trockenmauer, Lebensraum für viele kleine Tiere |
Schottland erwartet uns mit typischem
Wetter - feucht und nass. Wir besuchen zuerst den Galloway Forest Park mit
seiner zarten Hügellandschaft und den Seen, und fahren zum Höhepunkt, dem Loch
(See) Trool. Wir nutzen den nächsten Tag zu einer 3-stündigen Wanderung um den
See, natürlich in Regenmontur. Zwischendurch geben die tief hängenden Wolken
einen kleinen Platz frei, damit die Sonne kurz hindurch scheinen kann, doch
sobald wir den Fotoapparat zur Hand haben, um ein Bild zu schiessen, tröpfelt es
schon wieder. Der See liegt zwischen Hügeln und Bergen und ist mit wunderschönem
Nadel- und Mischwald umgeben. Die gelb, nassen Blätter glitzern, sobald ein
Sonnenstrahl sie berührt und verzaubern das dunkle Tal in eine leuchtende Oase.
Der Waldboden ist feucht, struppige zähe Grashalme eignen sich um auf ihnen an
den vielen Sumpflöchern vorbeizugehen. Trotzdem kommt immer wieder ein lautes
schmatzendes Geräusch von unseren Schuhen. Wir kommen am Hang vorbei, wo Robert the Bruce 1307 die
englischen Truppen besiegte.
Wer kennt es nicht, das Paisley-Muster. Ich habe mir bis heute keine Gedanken
gemacht, wieso dieses Muster nun diesen Namen trägt. In der Stadt Paisley, ein Vorort von Glasgow, besichtigen wir das Museum, um mehr über
diese tropfenförmigen bunten Muster zu erfahren.
Der Ursprung des Paisley-Muster entstand in Persien, wo es durch Mogule nach
Indien gelangte. Soldaten brachten aus der Kolonie Indien Kaschmir-Schals, die
mit einem wunderschönen Tropfenmuster bestick waren, nach Grossbritannien mit.
Königin Victoria gefielen die mit Paisleymuster bestickten Tücher aus Indien und
kreierte damit einen Modetrend. Viele Webereien in Europa haben diese
wunderbaren grossen Tücher, die früher den Frauen von den Schultern bis in die
Kniekehle reichten und eine Länge von gut zwei bis drei Metern hatten,
hergestellt, meist für die Oberschicht. In Paisley selber wurde für die breite
Bevölkerung gewoben, d.h. wesentlich billiger und mit heimischer Wolle. So wurde
das Tropfenmuster, das traditionell in verschiedenen Rottönen gehalten wurde, in
allen Farben weltbekannt. Die Weber allerdings arbeiteten hart und hatten oft
nur das nötigste zu Leben. Als die grossen Tücher aus der Mode kamen, verschwand
die Textil-Industrie in Paisley fast ganz.
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Als wir aus dem Museum kommen, scheint
uns die Sonne ins Gesicht. Wir nehmen dies als Aufforderung zu Fuss durch das herzige Städtlein zu schlendern und die windschiefe Abbey zu besuchen. Doch es dauern
nur einige Minuten, bis Wolken wieder die Sonne verdeckt, ein Wind aufkommt und es zu regnen
beginnt. Wir suchen im Kreuzgang der Abbey zuflucht und sehen, wie eine Windböe rot gefärbte Blätter mit einem Sog vom Boden aufhebt, sie zuerst nur sanft ein
paar Meter über dem Boden wiegt und dann hoch in die Luft wirbelt, bevor sie
sachte wieder zu Boden gleiten. Ich höre ein Summen und stelle mir vor, auch
Fussgetrappel von den Mönchen zu hören. Der Krimi von Ellis Peters schleichen
sich wieder in meine Gedanken. Ich stosse das grosse Holzportal zur Abbey auf
und erschaudere, denn es kommt ein wunderschöner Gesang aus der Kirche. Ein
Sänger gibt ein Konzert vor ausgesuchtem, kleinen Publikum. Seine geschulte Stimme erklingt
wunderschön in diesem hohen Gemäuer.
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| Paisley-Abbey |
Bei sehr nassem Wetter geht es für uns weiter. Wir umrunden das 40-km-lange Loch Awe und bekommen Ehrfurcht, da ein starker Wind an unserem Auto rüttelt und die tief liegenden Wolken, die immer fleissig Tropfen nieder lassen, über den Himmel jagen. Am nächsten Tag haben wir einen milden Herbsttag und fahren die zerstückelte Küste entlang bis nach Oban. Unterwegs halten wir für eine feine und megafettige Portion Fish & Chips, die wir genüsslich am Hafen auf einer Bank essen. Nicht nur wir geniessen den Sonntag. Es sind viele Leute unterwegs, die meisten noch in Sommerkleider und die sockenlosen Füsse in Sandalen steckend.
Das Glen Coe ist mit Sicherheit ein
Höhepunkt jeder Schottlandreise. Sei es zum Wandern, zum Skifahren, zum
Durchfahren und Fotografieren oder um sich der Geschichte Schottland etwas näher
zu fühlen. Glen Coe ist auch bekannt durch das Massaker, das hier 1692
stattfand. Der Chief der MacDonalds aus Glen Coe sollte einen Treueeid auf
William III schwören und verspätete sich dabei um fünf Tage. Dies gab der
Regierung einen geeigneten Vorwand, um das Zentrum der Jakobiten zu zerschlagen.
130 Soldaten wurden von den ahnungslosen MacDonalds zehn Tage bewirtet. Am
Morgen des 13. Februar überfielen die Soldaten ihre Gastgeber und 38 MacDonalds
wurden getötet, viele flohen in die Berge und kamen dort um. Dieser blutige
Vertrauensbruch wurde zum politischen Skandal.
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| dunkle Wolken im Glen Coe |
Wir kommen von der Ostseite im dichten Nebel, der Schneegraupel mit sich trägt, ins Glen Coe. Auf der Höhe tut sich der Himmel auf und wir sind sprachlos. Zwischendurch trifft ein einzelner Sonnenstrahl auf den See und bringt ein Strahlen über das ganze Tal. Doch gleich ist der Zauber vorbei und die tiefen Wolken verdecken die Sonne wieder und ziehen schnell weiter.
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| Glen Coe, Blick nach links |
Der frisch gefallene Schnee funkelt von den Bergen umso mehr, als sich hinter den Giganten wieder ein neuer Schneegraupelsturm zusammenbraut. Fünf Minuten später sieht die Welt wieder ganz anders aus.
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| Glen Coe, ein paar Minuten später, Blick nach rechts |
Am Ende des Tales kommen wir zu den "three sisters" und fahren auf Fort Williams zu.
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| three sisters |
Im Touristeninformationszentrum von Ben
Nevis bekommen wir detaillierte Unterlagen zu den Wanderungen, die hier
unternommen werden können. Die Wettervorhersage für morgen ist, naja, so wie
heute. Von allem ein bisschen. Doch für Uebermorgen und die Tage danach sieht es
übel aus, starker Wind und Regen. Am nächsten Tag, wir haben den 22. Oktober,
steigen wir wieder mal in unsere Wanderschuhe, denn die Sonne scheint vom Wolken
bestückten Himmel. Der Ben Nevis, der höchste Berg von England mit seinen
stolzen 1344 Metern, steckt mit seiner oberen Hälft tief in den Wolken, für uns
ein Zeichen, eine ruhigere Wanderung, die nicht so hoch hinaus geht, anzutreten.
Wir laufen sozusagen um die Rückseite des Ben Nevis, zuerst zu einem Wasserfall und
dann weiter in ein atemberaubendes Tal hinein. Wir sind die einzigen auf dem
Pfad, doch
als wir auf dem Rückweg wieder zum Wasserfall treffen, kommen uns Schwärme von
Touristen entgegen. Kaum sind wir zurück beim Auto und parat für einen kleinen
Einkaufbummel in Fort Williams, da fängt es auch schon an zu regnen. Den nächsten Tag
nutzen wir als Versorgungstag. Zuerst füllen wir in einer Laundery eine Maschine
mit unserer Wäsche. Solche Waschsalons hat es hier in jedem grösseren Ort und
sind für uns sehr praktisch. Ich würde ja die Wäsche vor Hand waschen, nur würde
sie bei diesem Wetter nie trocknen. Zum Glück hat der Waschsalon auch Stühle,
denn es ist draussen windig, regnerisch und kalt. Zum Versorgungstag gehört auch
tanken, Wassertank füllen, einkaufen (was ich besonders gerne tue, denn in
diesen grossen Supermärkten gibt es immer etwas Neues zu entdecken) und noch
zur Kaffee- und WiFi-Station beim MacDonald's. Wir fahren wieder zurück zu
unserem Übernachtungsplatz am River Nevis, wo wir die vorigen zwei Nächste schon
standen. Uns ist schon aufgefallen, dass der Wind stark über das Land zieht,
doch dass wir das Dach deshalb nicht öffnen können, hätten wir uns nicht
träumen lassen. An unserem gemütlichen Plätzchen windet es von allen Seiten, das
Rauschen in den Bäumen dröhnt uns in den Ohren und wir entschliessen, diese
Nacht im Hostel zu verbringen. Im Nachhinein war dies wohl einer unserer
besseren Ideen gewesen, der der Sturm und der Regen nahm extrem zu. Wir haben
ein paar Tage später in der Zeitung gelesen, dass es in allen Teilen Englands
ungewöhnlich stark geregnet hat. Im Lake Distrikt mussten die Behörden alle
Teilnehmer eines Marathonlaufes, der schon voll im Gange war, evakuieren, da die
Flüsse anschwollen, über die Ufer traten und viele Stellen unter Wasser setzten.
Wir jedoch geniessen den Abend im Hoste, mit einem Buch auf dem Schoss und einem
Glas Whisky in der Hand vor dem warmen Kaminfeuer.
Übrigens: Hier in dieser Gegend wurden Szenen aus Braveheart, Rob Roy und
Harry Potter und der Stein der Weisen gedreht. Für alle Jamie und
Clair-Fans; vom Fort, das dieser Stadt den Namen gab, ist nicht mehr viel zu
sehen. Es wurde im 19. Jh. abgerissen, um der Eisenbahn platz zu machen. Was
sagt man denn dazu?
Wir fahren in ein paar Tagen quer durchs
Land, streckenweise entlang dem River Dee, besuchen schon mal zwei
Whisky-Destillerien, doch dazu in einer anderen Erzählung mehr, und kommen nach
Aberdeen. Aus den Bücher von James Clavell mit den Titeln Tai-Pan, Gai-Jing,
Nobelhaus-Hongkong und Wirbelsturm kommt mir immer wieder die Stadt Aberdeen in
den Sinn. Aber auch aus dem erst kürzlich gelesenen Roman Teeclipper spielen die Handlungen in Aberdeen. Was mir noch in Erinnerung blieb waren
viele Helikopter, Ölförderung und Schiffbau. Somit steuern wir zuerst das
wunderschöne, interessante und sehr anschauliche Maritime Museum an. Das
Parkieren gestaltet sich etwas schwierig, da in der Nähe kein Parkplatz ist
ausser ein Parkhaus, in das wir wegen unserer Höhe nicht hineinkommen. Wir sind
heute mal frech und parkieren vor dem Museum, denn dort hat es wunderbarerweise
Platz. Mich
beeindruckte die Ausstellung der Ölplattformen, bzw. der Ölförderung sehr. Im
Juni 1975 floss das erste Öl auf einer englischen Bohrinsel aus der Nordsee. Als
in den 70-80 Jahren die meisten Plattformen entstanden, arbeiteten 36'000 Leute offshore. Doch für jeden Mann auf einer Bohrinsel arbeiteten etwa 7 Personen für
die Verpflegung und den Service an Land. Die Experten sind der Meinung, dass
wahrscheinlich die Hälfte des Nordsee-Erdöls schon gefördert wurde. Somit wird
Aberdeen bis 2040 weiterhin ein Zentrum der Ölindustrie bleiben. Was mir
ebenfalls sehr gut gefallen hat, sind die vielen wunderschönen Bilder (Aquarell
und Öl), die ausgestellt waren. Natürlich war auch eine Etage für den Schiffsbau
reserviert, und die vielen Modelle und Anschauungsobjekte waren sehr lebensnah
dargestellt. Wir sind schon viel zu lange im Museum, unser Auto steht im
verbotenen Bereich, wie uns die Museumsdame noch mitteilt. So schnappen wir uns
noch einen Kaffe zum mitnehmen und gehen aus der Drehtür. Witzig, vorher war
unser Auto alleine, nun stehen mind. zehn weitere parkiert, alle schön in der
Reihe. Und, ein paar Autos vor uns beginnen schon zwei "Schuggis", die
Autonummern zu notieren. Für uns heisst das; nichts wie weg.
Wir finden am Strand etwas nördlich von Aberdeen, dort wo Donald Trump ein
riesiges Imperium an Hotelanlagen, Golfplätzen und sonstiges erbauen will, wo
aber heute noch unberührte Sanddünen in der Abendsonne strahlen, ein
wunderschönes Übernachtungsplätzchen. Wir sind erstaunt, als wir am nächsten
Morgen aufwachen.
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| Am Strand von Aberdeen am nächsten Morgen... |
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